Mommy Makeovers und Männerbrüste

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Scheint immer jünger zu werden: Die glatt gebügelte Sängerin Gwen Stefani.

Ob Mariah Carey, Gwen Stefani oder Cameron Diaz: Sie alle spüren diesen Frühling in seiner straffsten Form. Dank Unterspritzungen mit Botox oder Hyaluron präsentieren sie ihre faltenfreien Gesichter auf den roten Teppichen und in den sozialen Medien. Vor allem Gwen Stefani machte kürzlich mit ihrem glatt gebügelten Gesicht Schlagzeilen; sie sieht heute jünger aus als vor zehn Jahren.

Aber nicht nur international wird gespritzt und geschnitten wie noch nie, auch in der Schweiz nehmen die invasiven und nichtinvasiven Eingriffe stetig zu. Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern sind wir eine OP-freudige Nation. Laut einer Studie der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (Isaps) aus dem Jahr 2014 liegt die Zahl der Operationen pro Einwohner hierzulande bei 0,684 Prozent. Nur Brasilien toppt dieses Ergebnis. Im Vergleich: Die USA liegen mit 0,458 Prozent hinter uns.

Vor allem im Frühling haben Schönheits-Docs Hochsaison. Dann ist auch das sogenannte Body Contouring bei beiden Geschlechtern hoch im Kurs. «Der Markt der Schönheitsmedizin verzeichnete in den letzten fünf Jahren ein konstantes Wachstum. Die Zahl der chirurgischen Eingriffe ist jährlich um 3 bis 5 Prozent gewachsen», sagt Stephan Hägeli, Geschäftsführer von Acredis, einer Gruppe von Spezialzentren für ästhetische Chirurgie in Europa. Hoch im Kurs stehen Fettabsaugungen, Augenlidstraffungen und Brustverschönerungen. Für noch mehr Kundschaft sorgen Faltenunterspritzungen. Hier zeigt sich ein jährliches Wachstum von sogar 8 bis 12 Prozent.

«Es sind aber nicht nur die Frauen, die sich verschönern lassen wollen, die Schönheitsindustrie hat Männer als lukrative Zielgruppe entdeckt», sagt Hägeli. In der Schweiz macht der Anteil der männlichen Kunden bereits 18 Prozent aller Patienten aus. Diese lassen sich vor allem die Augenlider straffen und Fett absaugen, denn zunehmend steht der männliche Körper ebenfalls im Fokus. Einen starken Anstieg verzeichnet auch die Brustreduktion beim Mann, die sogenannte Gynäkomastie-Behandlung.

Stetiges Wachstum verzeichnen auch die sogenannten Mommy Makeovers. Immer mehr Frauen lassen sich nach der Geburt ihrer Kinder Brüste und Bauch operieren, um ihrem ursprünglichen Körper aus der Zeit vor der Schwangerschaft wiederzuerlangen. Dies spiegelt den wachsenden Schönheitsdruck in der Gesellschaft wider. Ein bedenklicher Trend, dem manche Ärzte nachgehen: «Unseriöse Ärzte operieren oft viel zu früh – beispielsweise wird direkt im Anschluss an die Kaiserschnitt-OP eine Bauchdeckenstraffung durchgeführt», sagt Stephan Hägeli. Dies führt meistens zu einem unbefriedigenden Ergebnis. «Der Körper braucht in der Regel ein Jahr Pause, um sich wieder zu regenerieren. Erst dann sollte bei Unzufriedenheit eine Behandlung angedacht werden.»