Beiträge mit dem Schlagwort ‘UBS’

Über Fress- und andere Aktien

claude chatelain am Dienstag den 6. Dezember 2016
Spritz Aperol drink with venetian traditional snacks cicchetti on the water chanal background in Venice. Traditioanal italian aperitif. Image with small depth of field

Aperol Spritz. 

Was meinen Sie zu ­Roche? Was halten Sie von Sika? Soll ich auf UBS oder CS setzen? Regelmässig finden Anfragen dieser Art den Weg in mein Mailfach. Abgesehen davon, dass ich aus grundsätzlichen Gründen keine Aktienempfehlungen abgebe, könnte ich einen solchen Rat selbst beim besten Willen nicht erteilen. Ich weiss nicht, warum Sie gerade dieses oder jenes Papier im Fokus haben:

  • Möchten Sie Aktien mit einer hohen Ausschüttung? Dann sollten Sie ein Papier mit einer stabilen und überdurchschnittlichen Dividendenren­dite ins Auge fassen. Dazu ge­hören etwa Swisscom, Basler, ­Roche oder Zürich. Man spricht von Dividendenperlen.
  • Spekulieren Sie auf hohe Kursgewinne, die im Unterschied zu Dividenden steuerfrei sind? Dann sollten Sie auf Aktien mit einem vielversprechenden Kurssteigerungspotenzial setzen. Man spricht von Wachstumstiteln.
  • Gehen Sie ins Berner Oberland zum Skifahren und möchten die Bergbahnen unterstützen? Dann bieten sich unter ­anderen Aktien der Schilthornbahn, der Bergbahnen Adel­boden, der Lenker Bergbahnen oder der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg an. Man spricht von Liebhaberaktien.
  • Freuen Sie sich auf den kulinarischen Genuss anlässlich der Generalversammlung? Viele Gesellschaften haben das üppige Essen durch einen Apéro ersetzt. Bekannt für gutes Essen ist sonst die Kursaal Bern AG. Bei der Spar- und Leihkasse Gürbetal gibt es traditionsgemäss eine Berner Platte. Man spricht von Fressaktien.
  • Noch etwas: Vielleicht setzen Sie auf Novartis, weil ihr Portefeuille mit vielen Bankaktien durchsetzt ist. Mit dem Kauf von Pharmatiteln würden Sie eine bessere Diversifikation erreichen. Vielleicht haben Sie zu viele Pharmawerte und möchten das Depot mit Bankaktien aufpeppen. Keine Ahnung.

Sie sehen, liebe Leser, ich müsste ganz viel wissen über Sie, um Ihnen eine Empfehlung erteilen zu können. Aber fragen Sie mich bitte nicht, welchen Wachstumstiteln ich das grösste Potenzial zutraue. Ich habs gesagt: Ich gebe keine Empfehlungen ab.

Tragbarkeitsrechnung für Hypotheken

claude chatelain am Dienstag den 22. November 2016

Dank der sündhaft tiefen Zinsen scheint der Kauf eines Eigenheims auch für kleinere Budgets erschwinglich zu sein. Doch häufig macht der potenzielle Käufer die Rechnung ohne die Bank. Sie überprüft, ob man in der Lage wäre, mit seinem Lohn auch einen Hypothekarzins von 5 Prozent zu verkraften. Sie ­erstellt dazu eine sogenannte Tragbarkeitsrechnung.

Die Raiffeisenbanken, bekannt für ihre forsche Praxis bei der Vergabe von Hypotheken, plädieren nun für eine Senkung dieses Tragbarkeitszinses. Sie verweisen auf die langfristig tiefen Zinsen. Ihr offizieller Zins beträgt derzeit für eine zehnjährige Hypothek lediglich 1,53 Prozent. Damit würde der Kreis potenzieller Käufer massiv erweitert.

Nicht alle Geldhäuser finden Gefallen an dieser Idee. Laut UBS wäre eine Senkung des kalkulatorischen Zinssatzes ein Spiel mit dem Feuer. Für deren Immobilienspezialist Claudio Saputelli ist der kalkulatorische Zins eine rechnerische Sicherheitsgrösse und kein Abbild der momentanen Zinserwartungen. Eine Reduktion auf 3 Prozent würde Spielraum für einen 40-prozentigen Anstieg der Eigenheimpreise bieten, schreibt Saputelli in einer Studie, die gestern veröffentlicht wurde.

Der Immobilienexperte der UBS weist zudem darauf hin, dass 8 Prozent der Haushalte nicht in der Lage wären, ihre Hypothekarzinsen zu bezahlen, sollte der Zinssatz um mehr als 2 Prozent steigen. Dies ergab eine vor ein paar Jahren durchgeführte repräsentative Umfrage bei privaten Haushalten.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Der Immobilienmakler erklärt seinem Kunden bei der Hausbesichtigung: «Ich will Ihnen nichts verheimlichen. Das Haus hat ein paar kleine Nachteile: Im Norden befindet sich eine Mülldeponie, im Osten liegt eine Kläranlage, im Süden gibt es eine Stinktierzucht und im Westen eine Fischfabrik.»
Darauf der Käufer: «Oh Gott. Hat das Haus auch Vorteile?»

Der Makler: «Sie wissen immer, aus welcher Richtung der Wind kommt.»