Beiträge mit dem Schlagwort ‘Raiffeisenbank’

Tragbarkeitsrechnung für Hypotheken

claude chatelain am Dienstag den 22. November 2016

Dank der sündhaft tiefen Zinsen scheint der Kauf eines Eigenheims auch für kleinere Budgets erschwinglich zu sein. Doch häufig macht der potenzielle Käufer die Rechnung ohne die Bank. Sie überprüft, ob man in der Lage wäre, mit seinem Lohn auch einen Hypothekarzins von 5 Prozent zu verkraften. Sie ­erstellt dazu eine sogenannte Tragbarkeitsrechnung.

Die Raiffeisenbanken, bekannt für ihre forsche Praxis bei der Vergabe von Hypotheken, plädieren nun für eine Senkung dieses Tragbarkeitszinses. Sie verweisen auf die langfristig tiefen Zinsen. Ihr offizieller Zins beträgt derzeit für eine zehnjährige Hypothek lediglich 1,53 Prozent. Damit würde der Kreis potenzieller Käufer massiv erweitert.

Nicht alle Geldhäuser finden Gefallen an dieser Idee. Laut UBS wäre eine Senkung des kalkulatorischen Zinssatzes ein Spiel mit dem Feuer. Für deren Immobilienspezialist Claudio Saputelli ist der kalkulatorische Zins eine rechnerische Sicherheitsgrösse und kein Abbild der momentanen Zinserwartungen. Eine Reduktion auf 3 Prozent würde Spielraum für einen 40-prozentigen Anstieg der Eigenheimpreise bieten, schreibt Saputelli in einer Studie, die gestern veröffentlicht wurde.

Der Immobilienexperte der UBS weist zudem darauf hin, dass 8 Prozent der Haushalte nicht in der Lage wären, ihre Hypothekarzinsen zu bezahlen, sollte der Zinssatz um mehr als 2 Prozent steigen. Dies ergab eine vor ein paar Jahren durchgeführte repräsentative Umfrage bei privaten Haushalten.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Der Immobilienmakler erklärt seinem Kunden bei der Hausbesichtigung: «Ich will Ihnen nichts verheimlichen. Das Haus hat ein paar kleine Nachteile: Im Norden befindet sich eine Mülldeponie, im Osten liegt eine Kläranlage, im Süden gibt es eine Stinktierzucht und im Westen eine Fischfabrik.»
Darauf der Käufer: «Oh Gott. Hat das Haus auch Vorteile?»

Der Makler: «Sie wissen immer, aus welcher Richtung der Wind kommt.»

Die «Strukis»

claude chatelain am Mittwoch den 2. November 2016

Mir ist seit je aufgefallen, dass Raiffeisen-Kunden oft strukturierte Produkte im Wertschriftendepot haben. Mehr als bei anderen Banken. Das sind komplexe Finanzkonstrukte mit ­hohen und versteckten Gebühren. Mitunter enthalten sie Garantien, die von einer Gegenpartei geleistet werden. Diese kann auch hops gehen. Lehman Brothers steht als Beispiel dafür.

Es gibt Banken, welche solche spekulative «Strukis» nur verkaufen, wenn das vom Kunden ausdrücklich gewünscht wird. Die Berner Kantonalbank gehört dazu. So ist es doch befremdend, dass ausgerechnet die genossenschaftlich organisierten Raiffeisenbanken, die vorab in ländlichen Gebieten tätig sind und eher ein konservatives Publikum ansprechen, derart undurchsichtige und spekulative Produkte an­preisen.

Wer die Hintergründe kennt, wird darüber freilich nicht erstaunt sein. Der Grund lässt sich in zwei Worten umschreiben: Pierin Vincenz.
Der 60-jährige Bündner war bis vor einem Jahr der starke Mann bei Raiffeisen. Als eine seiner letzten Amtshandlungen übernahm er das Schweizer ­Geschäft der Bank Wegelin und gründete die Privatbank Notenstein. Zudem sitzt Vincenz im Verwaltungsrat der Leonteq. Seit diesem Jahr ist er deren Präsident. An dieser Leonteq ist die Raiffeisengruppe mit 29 Prozent beteiligt. Auch Patrick Gisel, der Nachfolger von Vincenz bei Raiffeisen, sitzt im Verwaltungsrat von Leonteq.

Das Geschäftsmodell dieser börsenkotierten Leonteq besteht darin, ebensolche struk­turierte Produkte zu kreieren und zu verkaufen. Ein ein­trägliches Geschäft, das einzig und allein dazu dient, Banken und deren Manager reich zu machen, ohne Bezug zur realen Wirtschaft. Als ob es die Finanzkrise mit dem Kollaps von Lehman Brothers nicht gegeben hätte.

Liebe Raiffeisen-Kunden, fragen Sie mich bitte nicht, weshalb Sie so viele strukturierte Produkte in Ihrem Portefeuille haben.