Beiträge mit dem Schlagwort ‘Pensionskasse’

Wenn Banken «Window Dressing» betreiben

claude chatelain am Dienstag den 10. Januar 2017

Der Kurs der CS-Aktie verlor in den letzten zehn Tagen des alten Jahres knapp 8 Prozent. Und am ersten Handelstag des ­neuen Jahres kletterte er zwischendurch um über 7 Prozent in die Höhe. Was ist in der Silvesternacht passiert, dass sich Investoren über die Aussichten der zweitgrössten Schweizer Bank plötzlich derart hoffnungsfroh geben?

Nichts. Der Grund dieses irrational scheinenden Verhaltens heisst «Window Dressing», das Fenster dekorieren. Man könnte es Bilanzbereinigung nennen. Denn 2016 sackte die CS-Aktie um 32,6 Prozent in die Tiefe. Bei Firmen mit kleineren Börsenvolumen sind ­solche Kursschwankungen keine Seltenheit; bei grosskapita­lisierten Valoren hingegen schon.

Deshalb können sich Finanzchefs oder Pensionskassenmanager nicht damit brüsten, CS-Aktien im Depot zu haben. Verwaltungs- oder Stiftungsräte könnten unangenehme Fragen stellen, wenn Dividendenpapiere mit einer derart lausigen Performance das Portefeuille verunreinigen. Also stösst man die unliebsamen Titel kurz vor Jahresende ab, um das Wertschriftendepot per Ende Jahr in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Eben, um das Fenster zu dekorieren.
Und weil die Aktien als Folge des «Window Dressing» innert weniger Tage massiv an Wert verloren, kaufen institutionelle Investoren die Papiere Anfang Jahr günstig zurück. Dies natürlich in der Hoffnung, dass die Aktie im angelaufenen Jahr viel Freude bereiten wird, wie sie das vor Jahresfrist auch gehofft hatten.

Von diesem Phänomen des «Window Dressing» können auch Privatanleger profitieren. Sind bei Aktien, die im Verlauf des Jahres enttäuschten, gegen Jahresende überdurchschnitt­liche Kursverluste zu beobachten, so liegt der Verdacht nahe, dass hier etliche Grossinvestoren ihre Fenster dekorieren. Also kauft man als Privatanleger kurz vor Jahresende den in Ungnade gefallenen Titel. Nachdem das entsprechende Papier im neuen Jahr wieder zugelegt hat, verkauft man es mit einem schönen Kursgewinn. Steuerfrei. Aber ohne Gewähr.

Vermögen vererbt, nicht aber die Pensionskasse

Claudia Salzmann am Montag den 3. Oktober 2016

Der Mann machte fast alles richtig. Er hat ein Testament verfasst und alle Formvorschriften eingehalten. Als Alleinerbin und Willensvollstreckerin setzte er seine Lebenspartnerin ein. Das geht aus einem Gerichtsentscheid hervor. Mit dem Testament in der Hand verlangte die Frau von der Pensionskasse ihres verstorbenen Partners die Aus­zahlung des Todesfallkapitals. Gemäss Gesetz haben Lebenspartner zwar keinen Anspruch auf Leistungen der Pensionskasse ihres Partners. Doch die Vorsorgeeinrichtungen können in ihrem Reglement den Begünstigtenkreis erweitern. Die Pensionskasse, um die es hier geht, sieht unter gewissen Vor­aussetzungen die Auszahlung eines Todesfallkapitals vor.

Nun kommen wir zum ersten Fehler des verstorbenen Mannes: Er verpasste es, seine Lebenspartnerin bei seiner Pensionskasse als begünstigte Person zu melden. Aus diesem Grund verweigerte die Vor­sorgeeinrichtung die Aus­zahlung des Todesfallkapitals.

Der zweite Fehler des verstorbenen Mannes: Er schrieb im Testament nichts darüber, dass seine Lebenspartnerin von seiner Pensionskasse begünstigt sein soll. Hätte er das getan, müsste die Pensions­kasse der hinterlassenen Partnerin das Kapital ausbezahlen. Denn laut Bundesgericht ist es rechtens, eine Begünstigungserklärung via Testament zu verfassen. Es bedarf jedoch eines ausdrücklichen Hinweises auf die einschlägigen Reglementsbestimmungen der Vorsorgeeinrichtung. Oder wie es die Bundesrichter formulierten: «Letztwillige Verfügungen, mit denen die Lebenspartnerin der versicherten Person bloss als Erbin eingesetzt wird, lassen nicht auf einen berufsvorsorgerechtlichen Begünstigungs­willen schliessen, selbst dann nicht, wenn die Partnerin zur Alleinerbin bestimmt wird.»

Liebe Leser, können Sie das nachvollziehen? Da schreibt einer im Testament, dass seine Lebenspartnerin sein ganzes Vermögen erben soll. Und die Richter kommen zum Schluss, dass man daraus nicht schliessen könne, dass er damit auch sein Guthaben bei der Pensionskasse gemeint hatte.

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