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Höhere Schäden – trotzdem sinken die Prämien

claude chatelain am Dienstag den 19. Juni 2012

Die Gebäudewasserversicherung schien für die privaten Sachversicherer jahrelang ein langweiliges Geschäft zu sein. Wettbewerb gab es kaum. Neue Produkte, zum Beispiel mit einer erweiterten Deckung, gab es auch nicht. Die Prämien blieben konstant.

Falls das Wasser überläuft und am Gebäude einen Schaden verursacht, zahlt die monopolistische Gebäudeversicherung nichts.

Die Gebäudewasserversicherung deckt jene Wasserschäden an der Liegenschaft, die nicht auf ein Elementarereignis zurückzuführen sind und daher von der obligatorischen Gebäudeversicherung nicht gedeckt werden. Das sind zum Beispiel Wasserschäden als Folge eines Rohrbruchs, eines Rückstaus in der Kanalisation oder eines Überlaufen des Wassers in der Badewanne.

Plötzlich kommt nun Bewegung in den Markt: Die Privatversicherungen senken ihre Prämien auf breiter Front, zum Teil massiv. In einem konkreten Fall verlangte die Allianz Suisse im Herbst 2010 gut 60 Rappen pro 1000 Franken Versicherungssumme. Ein Jahr später waren es nur noch 36 Rappen, minus 40 Prozent. Auch von der Mobiliar und Helvetia liegen mir Offerten vor, die deutlich machen, dass die Versicherer ihre Prämien senkten.

Hinzu kommt, dass die Versicherer ihr Angebot erweitern und aktiv eine Verkaufsoffensive starteten. «Wir haben unsere Gebäudeversicherung überarbeitet und möchten, dass auch Sie von diesen kostenlosen Verbesserungen profitieren», schreibt die Mobiliar in einem Flyer, der allen Kunden verschickt wurde. Im gleichen Flyer wirbt die Mobiliar für ihre «Umgebungsversicherung», welche Gartenanlagen, Zäune, Gartenbeleuchtungen und Biotope versichert, sollten diese als Folge eines Unwetters in Mitleidenschaft gezogen werden

Versicherungsmakler wollen noch möglichst viele Gebäudewasserversicherungen verkaufen, ehe der Monopolist auf den Markt kommt.

Der Aussendienst der Versicherer ist offensichtlich bemüht, möglichst rasch solche Versicherungen zu verkaufen und die Kunden mit möglichst langjährigen Verträgen an sich zu binden. Selbst zehnjährige Verträge sind in diesem Geschäft keine Ausnahme. Vor einer solchen Anbindung an eine Versicherungsgesellschaft sei jedoch gewarnt. Besser ist, auf einjährige Verträge zu pochen. Denn bald wird die GVB über ihre Tochtergesellschaft ebenfalls solche Wasserversicherungen verkaufen können. Dies erklärt, weshalb die Sachversicherer plötzlich derart aufrüsten und die Prämien senken. Eigentlich könnte die GVB auf diesem Markt schon längst tätig sein. Das entsprechende Gesetz hat der Grosse Rat schon vor zwei Jahren verabschiedet, und die Wettbewerbskommission wie auch die Finanzmarktaufsicht haben der GVB ihren Segen auch erteilt. Die Privatversicherer haben es dennoch verstanden, den Markteintritt der GVB mit juristischen Mitteln zu verzögern, um sich selber in Position zu bringen. Opfer dieser zweifelhaften Taktik sind Hausbesitzer im Kanton Bern. Sie zahlten jahrelang zu hohe Prämien für ihre Wasserversicherungen. Erst jetzt, wo ein ernst zu nehmender Konkurrent auf den Markt kommt, gelangen Hausbesitzer in den Genuss von tieferen Prämien, obschon die Wasserschäden als Folge zunehmender Naturkatastrophen eher zunehmen dürften.

Zudem warten Hausbesitzer darauf, ihre Wasserversicherung bei der GVB abschliessen zu können, wo man so oder so das Gebäude gegen Elementarereignisse versichern muss. Es ist einfacher, Wasserschäden bei ein und demselben Anbieter versichern zu können. Sonst gilt es abzuklären, ob das Wasser als Folge einer Überschwemmung von oben oder als Folge des steigenden Grundwasserspiegels von unten ins Haus gedrungen ist. Im ersten Fall zahlt die obligatorische Gebäudeversicherung, im zweiten Fall die freiwillige Wasserversicherung. Ob «obe abe» oder «unger ufe» interessiert den Jasser, nicht aber den Hausbesitzer. Dieser will, dass der Wasserschaden mit möglichst wenig Ärger gedeckt wird.