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Nicht mit den Wölfen heulen

claude chatelain am Dienstag den 15. November 2016
FILE - In this Wednesday, Nov. 9, 2016 file photo, President-elect Donald Trump smiles as he arrives to speak at an election night rally, in New York. Mexico is starting to seriously contemplate the possibility that millions of its migrants could be deported under the proposals put forward by President-elect Trump. (AP Photo/Evan Vucci)

FILE – In this Wednesday, Nov. 9, 2016 file photo, President-elect Donald Trump smiles as he arrives to speak at an election night rally, in New York. Mexico is starting to seriously contemplate the possibility that millions of its migrants could be deported under the proposals put forward by President-elect Trump. (AP Photo/Evan Vucci)

Läck Jimmy. Da habe ich mich brutal getäuscht. Letzte Woche sagte ich an dieser Stelle, bei einem Wahlsieg von Donald Trump gebe es an der Wallstreet einen Kurssturz. Ich empfahl, bei einem Taucher US-Aktien zu kaufen und damit von tieferen Preisen zu profitieren. Dumm nur, dass die Kurse trotz der faustdicken Überraschung nicht gefallen sind.

Ich bin beileibe nicht der Einzige, der sich irrte. Normalerweise heule ich aber nicht mit den Wölfen. Deshalb ist es für mich kein Trost, wenn auch andere daneben liegen. Doch im Unterschied zu mir reden sich die anderen Wölfe feige heraus und erklären, die Kurse seien anfänglich gefallen, ehe sie zu einem Rally ansetzten. Auch das ist für mich kein Trost. Eine Kurskorrektur gabs nur im Terminhandel ausserhalb der offiziellen Börsenzeiten. Das nützte mir nichts.
Andere Börsianer sagen, die Kurse hätten in weiser Vorausahnung schon vor den Wahlen nachgegeben. Deshalb seien Anleger über den Wahlsieg des Pseudorepublikaners gar nicht so sehr überrascht ge­wesen.

Nicht überrascht gewesen? So ein Unsinn. Novartis und Roche legten innert Stunden über fünf Prozent zu. Tektonische Verschiebungen bei so kapitalstarken Titeln gibts nur bei Schocks und Überraschungen. Die Euphorie bei Pharmatiteln spiegelt zwar weniger eine Begeisterung für die Wahl von Donald Trump als eine Genugtuung über die Nichtwahl von Hillary Clinton. Wiederholt hat diese den Kampf gegen die zu hohen Medikamentenpreise angekündigt.

Anleger hassen nichts so sehr wie Unsicherheit. Und weil über den künftigen Kurs Washingtons noch einiges unklar bleibt, sagen Börsenpropheten unruhige Zeiten voraus. Davon ist freilich noch nichts zu spüren: Der Dow Jones kletterte gestern so hoch hinauf wie nie zuvor. Auch der Dollar ist wieder stärker geworden.
Und wenn wir schon beim Thema sind: Ein Börsenanalyst hat sich total verschätzt. Daraufhin meint sein Chef wutentbrannt: «Sind nun Sie verrückt, oder bin ich es?» – «Aber Chef, ein Mann wie Sie wird doch keine verrückten Mitarbeiter beschäftigen . . .»

Was macht die Börse, wenn Trump gewinnt?

claude chatelain am Montag den 7. November 2016

Sollte Donald Trump die Dekadenz der amerikanischen Demokratie entlarven und 45. Präsident der USA werden, dann wird es an der Wallstreet ein Gewitter geben.
Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank geht davon aus, dass europäische Aktien bei einem Sieg des Immobilienmoguls stärker fallen würden als amerikanische. «Ähnlich wie den britischen Aktien beim Brexit hilft den US-Titeln eine deutliche Abwertung des US-Dollars», so der CIO der St. Galler Kantonalbank, der seinerzeit an der Universität Bern Volkswirtschaft studiert hat.

Als emotionslos agierenden Anleger interessiert mich vorab die Frage, ob bei diesem Szenario der Börsenindex der fünfhundert grössten US-Unternehmen um 5, 10, 20 oder noch mehr Prozent fallen wird.

Es gibt Aktienfonds, die genau diesen Index abbilden. Zum Beispiel der iShares S & P 500 (Valor 1 396 252). Ein Anteil dieses Fonds, der gegenwärtig unter den an der Schweizer Börse gehandelten Indexfonds die höchsten Umsätze erzielt, kostet derzeit gut 21 Dollar. Es wäre ärgerlich, wenn ich nun bei 17 Dollar eine Kauflimite setze, und der Kurs nur bis 17,20 Dollar fällt, ehe er wieder abhebt. Deshalb scheint mir ratsam zu sein, mehrere Limiten bei minus 5, minus 10 und so weiter zu setzen und nur kleinere Kaufaufträge zu er­teilen.

Wahrscheinlich würde sich bei einer Wahl von Donald Trump das Muster wiederholen, das wir beim Brexit gesehen haben: Absturz an der Börse und nur wenige Tage und Wochen später wieder steigende Aktienkurse. Nach dem Schock würde sich die Anlegerschar rund um den Globus ­daran erinnern, dass ein US-Präsident ohne Hausmacht in Washington nicht viel auszurichten vermag.

«Wie können Sie so unmoralisch sein und insgeheim auf sinkende Kurse hoffen?», werden Sie, liebe Leser, vielleicht einwenden.
Meines Erachtens hat der wettbewerbsfeindliche Kapitalismus heutiger Prägung nicht den Hauch von Moral. Und Hillary Clinton wahrscheinlich auch nicht.