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Zur Heraufsetzung der Franchise ist es noch nicht zu spät

claude chatelain am Montag den 12. Dezember 2016
Das Risiko, zu hohe Krankheitskosten zu zahlen, ist bei der tiefsten Franchise von 300 Franken grösser als mit der höchsten von 2500 Franken.

Das Risiko, zu hohe Krankheitskosten zu zahlen, ist mit der tiefsten Franchise von 300 Franken grösser als mit der höchsten von 2500 Franken.

Heute wollen wir uns mit der Franchise in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) beschäftigen. Je nach Höhe der Krankheitskosten ist die tiefste Franchise von 300 oder die höchste von 2500 Franken vorteilhaft. Wer heute noch die Franchise reduzieren möchte, hat den Zug verpasst. Dies hätte bis Ende November erledigt sein müssen. Der Wechsel in eine höhere Franchise ist dagegen bis Mitte Dezember möglich.

Ich stelle zwei Behauptungen in den Raum: Angenommen, Sie entschlossen sich vor einem Jahr für die höchste Franchise von 2500 Franken. Nun passierte, was sich niemand wünscht: Sie mussten sich im Spital einer kostspieligen Operation unterziehen. Für die hohen Kosten legten Sie schon mal 2500 Franken Franchise auf den Tisch und für jeden Franken, der darüber liegt, nochmals 10 Prozent davon als Selbstbehalt. Der maximale Selbstbehalt beträgt 700 Franken. Wenns hoch kommt, zahlten Sie für Franchise und Selbstbehalt 3200 Franken. Wetten, dass Sie sich darüber ärgern, vor einem Jahr nicht die tiefste Franchise von 300 Franken gewählt zu haben?

Zweite Behauptung: Sie entschlossen sich vor einem Jahr für die tiefste Franchise von 300 Franken. Nun passiert, was sich jeder wünscht: Sie mussten nicht ein einziges Mal zum Arzt. Wetten, dass Sie sich nicht darüber ärgern, vor einem Jahr die höchste Franchise von 2500 Franken gewählt und damit massiv Kosten gespart zu haben? Willkommen auf dem Feld der Verhaltenspsychologie.

Das Problem: Es tut weh, auf einen Schlag tausende von Franken hinzublättern. Und es tut weniger weh, mit einem Dauerauftrag monatlich zu hohe Prämien zu zahlen.

Wenn wir den Rechner zur Hand nehmen, so zeigt sich Erstaunliches: Über mehrere Jahre wird sich die höchste Franchise lohnen, sofern man kein chronisches Leiden hat.

Nehmen wir als Beispiel das Swica-Produkt «Favorit Medpharm». Mit der 300er-Franchise hätten Sie beim Beispiel mit der teuren Spitalrechnung für Prämien, Franchise und Selbstbehalt nur 632 Franken weniger bezahlt als mit der Franchise von 2500 Franken.

Beim Beispiel zwei mit null Franken Arztkosten hätten Sie mit der höchsten Franchise dagegen 1568 Franken weniger bezahlt als mit der tiefsten. Wenn das kein Argument ist?

Und wenn wir schon beim Thema sind: Der Arzt wird zu einem Hausbesuch gerufen. An der Haustür sagt ihm die verzweifelte Frau: «Sie sind umsonst gekommen, Herr Doktor.» – «Nicht umsonst, nur vergebens.»

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5 Kommentare zu “Zur Heraufsetzung der Franchise ist es noch nicht zu spät”

  1. Wenger Werner sagt:

    Chronische Krankheiten von Franchise befreien. Franchise auf 500.00 einmalig pro diagnostierre Krankheit festlegen. Selbsbehalt pro Krankheit einmalig auf 500.00festlegen. Damit sind die sehr teuren Fälle im Prinzip für alle tragbar und die hohen, summierten Kosten für “Bagatellfälle” werden selber bezahlt.

    • karl schmid sagt:

      @Wenger, das tönt ja interessant, aber sicher nicht nach Grundversicherung eher nach einer Zusatzversicherung.
      Drum Frage wer bietet das an, wie lautet das Kleingedruckte, wer bestimmt wann wie was chronisch ist?

      • claude chatelain sagt:

        Das bietet niemand an. Das ist nur ein Vorschlag von Werner Wenger, wie man die Franchise definieren sollte.

      • Jürg Brechbühl sagt:

        @ karl schmid
        Ich verstehe Ihre Frage so: Sie überlegen kritisch, wie der Vorschlag von Werner Wenger realisiert werden soll.
        Sein Vorschlag setzt nicht voraus, dass “chronisch” definiert werden muss. Sein Vorschlag kann so verwirklicht werden, dass der Arzt die Diagnose stellt und pro neue Diagnose werden 500 Franken Selbstbehalt fällig.Eine chronische Krankheit ist einmal eine Diagnose. Kommt Grippe zum Rheuma dazu, dann ist es eine neue Krankheit. Wenn der Arzt zusammen mit der Grippe noch den Husten und die Schnudernase aufschreibt, so ist es im selben Paket Fr. 500.-

        • karl schmid sagt:

          @ Brechbühl, da haben Sie aber falsch gelesen, Wenger will ja alle chronischen Krankheiten von der Franchise befreien. Dann wäre eben schon wichtig zu wissen, was chronisch ist und ob bei Betagten mit mehreren Leiden so alle Fälle tragbar sind eher fraglich.