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Die «Strukis»

claude chatelain am Mittwoch den 2. November 2016

Mir ist seit je aufgefallen, dass Raiffeisen-Kunden oft strukturierte Produkte im Wertschriftendepot haben. Mehr als bei anderen Banken. Das sind komplexe Finanzkonstrukte mit ­hohen und versteckten Gebühren. Mitunter enthalten sie Garantien, die von einer Gegenpartei geleistet werden. Diese kann auch hops gehen. Lehman Brothers steht als Beispiel dafür.

Es gibt Banken, welche solche spekulative «Strukis» nur verkaufen, wenn das vom Kunden ausdrücklich gewünscht wird. Die Berner Kantonalbank gehört dazu. So ist es doch befremdend, dass ausgerechnet die genossenschaftlich organisierten Raiffeisenbanken, die vorab in ländlichen Gebieten tätig sind und eher ein konservatives Publikum ansprechen, derart undurchsichtige und spekulative Produkte an­preisen.

Wer die Hintergründe kennt, wird darüber freilich nicht erstaunt sein. Der Grund lässt sich in zwei Worten umschreiben: Pierin Vincenz.
Der 60-jährige Bündner war bis vor einem Jahr der starke Mann bei Raiffeisen. Als eine seiner letzten Amtshandlungen übernahm er das Schweizer ­Geschäft der Bank Wegelin und gründete die Privatbank Notenstein. Zudem sitzt Vincenz im Verwaltungsrat der Leonteq. Seit diesem Jahr ist er deren Präsident. An dieser Leonteq ist die Raiffeisengruppe mit 29 Prozent beteiligt. Auch Patrick Gisel, der Nachfolger von Vincenz bei Raiffeisen, sitzt im Verwaltungsrat von Leonteq.

Das Geschäftsmodell dieser börsenkotierten Leonteq besteht darin, ebensolche struk­turierte Produkte zu kreieren und zu verkaufen. Ein ein­trägliches Geschäft, das einzig und allein dazu dient, Banken und deren Manager reich zu machen, ohne Bezug zur realen Wirtschaft. Als ob es die Finanzkrise mit dem Kollaps von Lehman Brothers nicht gegeben hätte.

Liebe Raiffeisen-Kunden, fragen Sie mich bitte nicht, weshalb Sie so viele strukturierte Produkte in Ihrem Portefeuille haben.

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2 Kommentare zu “Die «Strukis»”

  1. Peter Pfister sagt:

    Dieser Bericht ist eine Wohltat. Endlich wagt sich jemand, die Raiffeisenphilosophie etwas zu hinterfragen.
    Bei den strukturierten Produkten winken der Bank vergleichsweise exorbitant hohe Gewinne. Das Risiko trägt vollumfänglich der Kunde.
    Heutige Kundenberater müssen diese Produkte im Auftrag der Bank (Arbeitgeber) verkaufen, zum Nutzen ihrer selbst (sonst gibt es keinen Bonus), dem Nutzen der Bank (saftige Gewinne) und dem Nutzen für die Führungsriege (VR/GL). Wer’s nicht glaubt, fragt irgendwer, der auf einer Bank arbeitet.

  2. Stephan Bürki sagt:

    Bin jedesmal froh für Ihre Kurzartikel. Bitte weiter so. Es gibt nur noch wenige solche brauchbaren, unabhängige Beiträge die auch noch einfach und interessant zu lesen sind und trotzdem ein immens breites Wissen und Recherche dahinter stecken
    Merci.
    Stephan Bürki, Spiez … ein digitaler alles Macher mit einem analogen Zeitungsabo