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Die Versicherer büssen für die Untaten der Banken

claude chatelain am Dienstag den 19. April 2016

Die Versicherungsgesellschaften sind schlank durch die Finanzkrise von 2008 gekommen. Das ist bemerkenswert und kann nicht genug wiederholt werden. Und doch müssen auch sie für die Finanzkrise einen hohen Preis zahlen. Ausgedrückt wird dieser Preis mit drei Buchstaben: SST: Das Kürzel steht für Schweizer Solvenztest.

Der SST ist in vielerlei Hinsicht viel strenger als sein europäisches Pendant Solvency II. Sie müssen 1,5- bis 2-mal mehr Kapital halten als Versicherer aus dem EU-Raum.

Zudem hat die Finanzmarktaufsicht die verschärften Vorschriften erst noch früher eingeführt als die EU Solvency II. Die Versicherungsgesellschaften finden das nicht gerechtfertigt und kritisieren das bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Wenn hiesige Grossbanken strengere Kapitalvorschriften zu erfüllen haben als europäische Konkurrenten, so lässt sich das mit der Grossbankenregulierung «too big to fail» begründen. Vor der Finanzkrise machten die Bilanzen von UBS und CS rund das Sechsfache des damaligen Schweizer BIP aus. Doch die Versicherungen sind nicht «too big to fail». Banken und Versicherungen haben ganz andere Anforderungen. «Banken haben liquide Verbindlichkeiten und illiquide Finanzanlagen. Und die Versicherungen haben illiquide Verbindlichkeiten und liquide Anlagen», sagte jüngst Patrick Frost, der CEO der Swiss-Life-Gruppe, in einem Interview mit dieser Zeitung. Bei Versicherungen kann niemand in die Empfangshalle kommen und sein ganzes Geld verlangen. Ein Bankkunde kann das hingegen schon.

Gerne hätte ich Mitleid mit den Versicherern. Doch dann denke ich an die Art und Weise, wie sie sich wiederholt vor Schadenzahlungen drücken. Nicht immer und nicht überall. Aber besonders häufig tun sie das im Unfallversicherungsgeschäft. Sie sagen, der Unfall sei kein Unfall im versicherungsrechtlichen Sinne und lehnen die Zahlung ab. Dies in der Hoffnung, dass der Geschädigte kein Bock hat oder zu schwach ist, um sich juristisch dagegen zu wehren. Leider geht die Rechnung für die Versicherer meistens auf.

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Ein Kommentar zu “Die Versicherer büssen für die Untaten der Banken”

  1. Jürg Brechbühl sagt:

    Ich wurde 1995 unverschuldet Opfer eines Autobahnrasers — entschädigt wurde ich 2010.

    Mein Vater hat ein Buchhalterdiplom und eine höhere kaufmännische Gesamtschulung. Mit ihm rechnete ich den Gesamtschaden sorgfältigstens durch. Ich bekam zweidrittel des Gesamtschadens vergütet.Das war nur möglich, weil ich fähig war, in extremer Armut die 15 Jahre durchzuhalten, Nerven wie Stahlseile behielt, während meine Topanwälte ob meiner Sturheit in Panik gerieten.

    Es geht nicht nur darum, ob das Unfallopfer “Bock” hat sich zu wehren. Wer Familie und Kinder hat, kann einen solchen Kampf nicht führen. Die Versicherer zermürben die Unfallopfer, um Geld zu sparen.

    Jürg Brechbühl,…