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St.Galler Professoren sorgen sich um den Generationenvertrag

claude chatelain am Dienstag den 4. Dezember 2012

Nicht die Gewerkschaften, nicht der Wirtschaftsdachverband und auch nicht das Bundesamt für Sozialversicherungen gaben die neusten Zahlen für die Vorsorgewerke bekannt, sondern die Universität St. Gallen. Das erhöht automatisch die Glaubwürdigkeit der Prognosen. Oder doch nicht? 

Werden in der beruflichen Vorsorge keine Anpassungen vorgenommen, so erhält jeder künftige Rentner im Schnitt 40’000 Franken zu viel. Zu viel heisst, dass der Rentner oder die Rentnerin besagte 40’000 Franken nicht selber finanzierte, wie das für die zweite Säule vorgesehen wäre. Zu viel heisst ebenfalls, dass die Erwerbstätigen einen grossen Teil der Renten bezahlen müssen. 

Werden es wirklich 40’000 Franken sein? Wohl kaum. Die Schätzung enthält einige Mängel. Zum einen haben die Autoren mit null Inflation gerechnet. Es ist jedoch kaum davon auszugehen, dass die Konsumentenpreise über 15 Jahre lang konstant bleiben werden. Die grosszügige Geldpolitik der europäischen Zentralbanken wird früher oder später zu höheren Preisen führen, zumal das durchaus im Interesse der verschuldeten Staaten ist. Ihre Schulden nehmen bei einer Inflation real betrachtet ab. Wenn also die Inflation anzieht, ist der Rentner der Verlierer. In der beruflichen Vorsorge gibt es im Unterschied zur AHV keinen automatischen Teuerungsausgleich. 

Zum andern betrachteten die Studienautoren lediglich den obligatorischen Teil. Doch die meisten Kassen haben einen überobligatorischen Teil. Auf diesem überobligatorisch angesparten Guthaben wird eine tiefere Rente berechnet. Deshalb gibt es nicht nur einen Transfer von Jung nach Alt, sondern auch vom obligatorischen in den überobligatorischen Topf. 

Doch eigentlich ist es irrelevant, ob es 40’000, 30’000 oder noch weniger sein werden. Sicher ist, dass der heutige gesetzliche Umwandlungssatz von 6,8 Prozent zu hoch ist. Doch das ist schon längst bekannt. Im Frühling 2010 hatte das Schweizer Volk die Senkung dieses Satzes auf 6,4 Prozent hochkant verworfen, nachdem die Gewerkschaften gegen die BVG-Revision das Referendum ergriffen hatten. Somit sagt eigentlich die St. Galler Studie nichts anderes, als wir alle bereits wissen: Es besteht dringender Handlungsbedarf. All jene, die jeden Schritt in Richtung Sanierung der Vorsorgewerke torpedieren, gefährden in der Sprache der St. Galler Studienautoren den Generationenvertrag. In unserer Sprache sagt man dem: Après moi le déluge oder nach mir die Sintflut. Die nächste Generation soll ausbaden, was ich angerichtet habe. Prominente Sympathisanten dieser Haltung sind die Gewerkschaften.

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