Ist das «Hallo» angebracht?

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Ich buchte online ein Hotel. Kurz vor der Abreise erhielt ich eine Mail, in der als Anrede «Hallo», gefolgt von meinem Vor- und Nachnamen. Ich empfand dieses saloppe «Hallo» als unangebracht. Bin ich von vorgestern, und ist diese Anrede heute üblivh? N. L. aus G.

Lieber Herr L. Dass die Verwendung von «Hallo» als Anrede üblich geworden ist, liegt vermutlich am E-Mail-Verkehr. Dort wird die Sache mit den Umgangsformen lockerer gehandhabt; so finde ich es völlig in Ordnung, bei elektronischer Post die Kleinschreibweise zu verwenden, was ich hingegen in einem Brief bizarr fände. Sie können nun sagen, das sei nicht nur ein unverzeihlicher Frevel an der deutschen Sprache, sondern auch komplett inkonsequent, und da widerspreche ich Ihnen nicht; der Mensch neigt halt mitunter zum Unlogischen.

Das «Hallo» wird wohl auch der Einfachheit halber verwendet, weil man so bei automatischen Bestell- oder Buchungsbestätigungen das Geschlecht nicht anpassen muss: Das «Hallo» plus Vorname und Nachname ist sozusagen Unisex. Wenn ich über die Angelegenheit nachdenke, fällt mir noch was anderes ein: Vor allem Deutsche reden einen in Mails gerne mit «Liebe Bettina Weber» an. Das finde ich äusserst eigenartig. Entweder duzt man doch jemanden und schreibt «Liebe Bettina», oder man siezt jemanden und schreibt «Liebe Frau Weber». Weshalb um alles in der Welt «Liebe» plus Vor- und Nachname? Ich finde das irgendwie grob und bin latent verstimmt, wenn ich so angesprochen werde. Sie sehen, lieber Herr L., Sie sind mit Ihrer Empfindsamkeit nicht allein.

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14 Kommentare zu «Ist das «Hallo» angebracht?»

  • Mike sagt:

    Ich sehe absolut keinen Grund, eine Geschäfts-Email anders zu schreiben als einen Brief. Standard-Grussformeln, korrekte Rechtschreibung und fertig. Warum das irgendwie ein Problem sein soll, leuchtet mir sowieso nicht ein – ich bin froh, gibt es diese Konventionen, die machen es mir nämlich leichter, nicht danebenzuhauen.

  • Urs sagt:

    Gut erkannt, dass dieses Hallo wahrscheinlich in der Informatik-Abteilung entstanden ist. Man kommt dann mit weniger IFs aus. Und ist nicht darauf angewiesen, dass der Angestellte an der Reception das Geschlecht richtig erfasst hat.

    Aber ich kann durchaus nachvollziehen, dass man dieses „Hallo“ nicht als geschäftstaugliche Form anerkennen mag. Ein 5-Sterne-Hotel müsste sich da die Mühe machen und eine korrekte Anrede („Sehr geehrte Frau Weber“) zustande bringen.

  • Werner Hug sagt:

    In den 70-er Jahren wurde uns in der Presse allenthalben vorgehalten, wie verkrampft wir doch im Verhältnis zu anderen Völkern seien. Wie locker und entkrampft seien doch die Anglophonen mit ihrem „hello“ in jeder Lebenssituation, oder die Schweden mit ihrem „hei“. Als noch lockerer galt es, dass sich andernorts alle dutzen würden. So weit sind wir noch nicht ganz. Aber doch mit unserem unverkrampften „hallo“ dem Paradies inzwischen ein ganzes Stück näher. Wenn auch mit 40-jähriger Verspätung…..

  • blackball sagt:

    Die Anrede mit Vor- und Familienname in eMails wird auch als „Echtheitszertifikat“ verwendet. Onlinebezahldienste und -auktionshäuser, Kreditkarteninstitute, etc. haben diese Formulierung schon längst eingeführt damit die Empfänger sicher gehen können, dass diese eMails tatsächlich von den von ihnen gewünschten Diensten stammt. Ticketverkäufer wie Ticketmaster, Livenation und im Eingeschränkten Rahmen Eventim/Ticketcorner haben diese Praktik auch übernommen. Achten Sie sich mal …

  • Ruedi sagt:

    Was mich mehr stört als ein „Hallo“ in einem E-Mail ist die überall aufkommende Du-Form in der Werbung und auch hier, wenn man auf die Freischaltung des Beitrags wartet „Dein Beitrag wartet auf Freischaltung“. Die Deutschen sagen auch allen „tschüss“, bei uns ist das die Du-Form. Ist aber völlig in Ordnung und auch das „Liebe Bettina Weber“ stört mich gar nicht. Man kann auch den Vornamen und die „Sie-Form“ verwenden.

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