Rembrandt und Houellebecq

Was wir im März gelernt haben.

Verblüffend ähnlich: Rembrandts Selbstportrait und Michel Houellebecq. (Fotos: Keystone/PD)

Was ist eigentlich aus Ohrenkneifern geworden, meine Damen und Herren? Sie erinnern sich vielleicht: Diese kleinen Krabbeltiere mit der Zange hinten. Sind die ausgestorben? Wir wissen es nicht. Stattdessen wissen wir, zum Beispiel, dass Deutschland mit einem Durchschnitt von 47 Jahren die drittälteste Bevölkerung der Welt aufweist, nur noch überholt von Monaco und Japan. Ganz langsam überholt, natürlich. Dies aber ist bei weitem nicht das Einzige, was wir im März gelernt haben. Hier sind noch ein paar weitere Wissensgewinne des just abgelaufenen Monats:

  1. Im Jahre 2021 werden mehr Menschen Zugang zu einem Smartphone haben als Zugang zu fliessend Wasser. Bitte klären Sie selbst in einer Runde Ihrer Wahl, ob dieser Umstand einen Fortschritt oder einen Rückschritt bedeutet.

  2. Einige der mysteriösen, faszinierenden, dramatischen Selbstporträts des grossen flämischen Meisters Rembrandt weisen eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Antlitz des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq auf. Dies lässt sich aktuell ganz unmittelbar feststellen auf der bislang grössten Rembrandt-Schau im Rijksmuseum Amsterdam anlässlich des 350. Todestags des Malers. Läuft noch bis zum 10. Juni. Noch handelt es sich eigentlich um eine Mischung aus Houellebecq und Peter Sloterdijk. Bei der Ähnlichkeit mit Rembrandt, meine ich.

  3. Ein Artikel in der «New York Times» stellte unlängst fest, dass der Verzicht auf ein Smartphone jährlich zusätzliche Zeit für 16’000-mal Sex bereitstellen würde. In Buchstaben: sechzehntausendmal. Allerdings dürfte wohl der Zeitaufwand für die diesbezügliche Partnerfindung ohne Smartphone bei sehr vielen Menschen sehr viel von diesem Zeitgewinn wieder auffressen.

  4. Der Nationale Volkskongress der Volksrepublik China hat noch nie eine Vorlage abgelehnt.

  5. Eine einzige Bitcoin-Transaktion verbraucht mehr Strom als ein Single-Haushalt in einem Monat. Wie bitte? Dies wirft zahllose weitere Fragen auf? Ich weiss. Dafür haben wir ja den nächsten Monat.

4 Kommentare zu «Rembrandt und Houellebecq»

  • Scout sagt:

    Rembrandt stellt sich auf dem obigen Bild als heiligen Paulus dar, seltsamerweise mit einem weissen Turban, im Ganzen aber auch mit Altem Testament und geheimnivollem Schwertknauf. Houellebecq hält auf der ganzen Foto eine Kippe. Vergleicht mein Google das Bild von H., erscheint als erstes Fremdes eine Foto des Cinéasten Costa-Gavras.

    Der Ohrenkneifer (Mundart: Ohreschlüüfer) ist nicht ausgestorben, ausser der St.-Helena-Riesenohrwurm, auf derselben Insel, wohin Napoleon 1815 verbannt wurde und 1821 dort starb. Näppi hielt sich währenddessen im Longwood House auf. Ausgerechnet 🙂 .

  • Thomas Münzer sagt:

    Werter Herr Tingler. Ich weiss nicht was Sie nehmen, aber ich empfehle Ihnen weniger davon zu nehmen. Vielleicht hilft Ihnen das bei Ihrem Sebsltporträt-Vergleich von Rembrandt.

  • Christina Staeger sagt:

    Lieber, geschätzter Philipp Tingler – bitte verschonen Sie uns in Zukunft mit derart hässlichen Antlitzen wie demjenigen von Michel Houellebecq! Zum Glück ist der Sonntag schon fast wieder vorbei… 🙂
    Schöne Grüsse!

  • Sabine Schmid sagt:

    Da kann auch ein modernes Denim-Hemd nichts daran ändern: Houllebecqs düsterer Blick von heute reicht tiefer in die Verhängnisse der Vergangenheit als Rembrandts Antlitz, das uns aus einem sehr viel älteren Punkt auf der Zeitschiene entgegenblickt.

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