Sind Sie ein guter Gast?

Ein paar Feinheiten für Ihren Auftritt (und Abgang).

Immer zivilisiert bleiben: Auch wenn Sie die anderen Gäste nicht ausstehen können. (Foto: iStock)

Wir könnten jetzt über das 20-Jahr-Jubiläum von Google sprechen, meine Damen und Herren, oder darüber, ob nicht vielleicht Nicki Minaj die gleichlautende Ferienfluggesellschaft übernehmen sollte. Aber, nö, wir stellen heute stattdessen eine Frage, die den zivilisierten Menschen schon weitaus länger als zwei Dekaden umtreibt: Bin ich ein guter Gast? Lädt man mich gern ein? Dazu ein paar Hinweise und Handreichungen. Die Grundregel vorweg: Als Gast müssen Sie den Wind bereitstellen. Für die Segel eines Schiffchens namens «Spass». Seien Sie offen, freundlich und dankbar. Nörgeln und jammern Sie nicht. Und versuchen Sie, so wenig wie möglich kaputt zu machen. Im Einzelnen:

  1. Der gute Gast verfügt über gutes Timing. Das beginnt schon bei der Einladung. Antworten Sie rechtzeitig. Und seien Sie verlässlich. Zuerst zuzusagen und dann doch wieder abzusagen, womöglich weil was Besseres ins Haus kam, ist der Gipfel schlechter Manieren. Apropos: Absagen per se sind kein Fauxpas. Ihr Gastgeber, sosehr er Ihre Anwesenheit schätzt, schätzt die Planungssicherheit noch mehr.

  2. Bringen Sie etwas mit. Wie immer (oder meistens) gilt: Billig und originell ist besser als teuer und langweilig. (Am besten ist natürlich teuer und originell.) Ein Gastgeschenk sollte leicht zu versorgen sein. Blumen sind gut, weil sie sich nach einiger Zeit selbst zerstören.

  3. Respektieren Sie den Dresscode. Und stellen Sie sich nicht mit dem Essen an.

  4. Übertrumpfen Sie nie die Gastgeber. Der alte Hochzeitsgrundsatz «Nie der Braut die Bühne rauben» gilt im übertragenen Sinn wenigstens für alle Anlässe, die personenbezogen sind: Geburtstage vor allem.

  5. Sehen Sie das Gute in den anderen Gästen. Nein, wirklich. Falls jemand anwesend ist, den oder die Sie nicht ausstehen können: Benehmen Sie sich zivilisiert. Und schliesslich: Bleiben Sie nicht zu lange. Und denken Sie daran: Ab 20 Personen müssen Sie sich nicht von jeder einzeln verabschieden. Das zerstört die Party.

18 Kommentare zu «Sind Sie ein guter Gast?»

  • Aerne Doris sagt:

    Und nicht zu früh eintreffen und den womöglich sich im Endspurt befindenden Gastgeber aus dem Konzept bringen.
    Nett ist immer, sich nachher noch einmal kurz zu bedanken, Email, SMS reicht.
    Keine gesundheitlichen Probleme auftischen, möglichst keine religiösen oder politischen Anschauungen an den Mann/die Frau bringen wollen. Am besten gute Laune mitbringen und beim Essen freudig zugreifen. Es ist immer etwas dabei, das man gern isst.

  • Hanna Schmuki sagt:

    Gute Gäste sollten pünktlich und mit gutem Appetit eintreffen. Ein Besucher wird zu einem guten Gast, wenn er Speisen antrifft, die ihm schmecken. Leider kennt man die Vorzüge des Einzelnen nicht immer. Der gute Gast wird zum Supergast, wen er merkt, dass das Essen selber zubereitet wurde und nicht aus dem „Päckli“ stammt. Der Supergast wird sich kaum vorzeitig verabschieden und irgendwelche „Pflichten“ als Grund vorschieben, wie z.B: „Morgen muss ich früh raus.“ Der Supergast wird überziehen, sehr spät gehen und auch noch den selbstgemachten Kuchen und den Kaffee geniessen.

    • Jacques sagt:

      Wenn es einen feinen Wein, oder feinen Grappa zum Kaffee gibt, überziehe ich gerne. Den Kuchen überlasse ich als Gentleman gerne den Damen. Aber gerne zum Dessert, diese heissen, wilden Früchte über coole Glace. Mit reichlich ‚double chantilly‘. Das gibt super Boden.

  • Fragezeichen sagt:

    Lieber Herr Tingler
    wie immer äusserst amüsant ihr Beitrag. Aber zählt er eigentlich nicht nur auf, was so das ganz normale Benehmen – und das sollte uns ach so zivilisierten Menschen geläufig sein – auf?
    Alles andere zeugt, m. E. von nicht (mehr) vorhandener Kinderstube. Oder gehört das heute zum cool sein dazu?.

    • Jacques sagt:

      Deshalb benehme ich mich als Gast auch immer ganz anständig cool. In der Hoffnung auf ein Double, bei mir oder anderswo.

  • Peter Müller sagt:

    Was ist gemeint mit:“Und stellen Sie sich nicht mit dem Essen an.“?

    • Jasi sagt:

      Darunter verstehe ich: „Ich bin Veganer/Fruktarier/Allergiker oder sonst irgendwie besonders wichtig und das müssen alle wissen.“

    • Fragezeichen sagt:

      nöd schnäderfräsig si und s Ässä us diätgründä vo eim Rand zum andere schiäbä!

    • Jacques sagt:

      Das fragte ich mich auch. Vielleicht bedeutet es, man soll dem Partyservice nicht im Wege stehen. Oder einfach, sich nicht dumm (überkompliziert) anstellen, beim Essen, wie Sonderwünsche oder so.

    • Rolf Thalmann sagt:

      Nach meiner Meinung heisst das: Machen Sie kein Drama daraus, wenn es etwas gibt, das Sie nicht so gern essen oder „eigentlich“ (wegen Ayurveda, Feng Shui oder sonst einer Theorie) nicht essen sollten. Oder wenn ein bisschen mehr Fett oder Zucker dran ist als Sie üblicherweise essen. Wenn etwas gar nicht geht, sagen Sie nichts, sondern lassen Sie es einfach liegen und geben den Teller mit einem entschuldigenden Lächeln zurück.

    • Kopf Geburt sagt:

      Wenn ich es richtig interpretiere, heisst das: „Tun Sie nicht kompliziert mit dem Essen.“

    • Werner Müller sagt:

      So bitte nicht: „Nee, Rindfleisch ess ich nicht“, „Fisch habe ich nicht gern“, „Aus moralischen Gründen kann ich kein Reis essen“, „Ich mache diese Woche eine Entschlackungskur und werde deshalb nur etwas destilatgleiches Wasser trinken“, „Bin auf Diät; Dessert darf ich nicht essen“, „Der Kaffee ist etwas kalt“, etc.

      Stattdessen bitte so: (Gastgeber tischt ihnen ein pochiertes Lammauge auf (und dieselbe Reaktion gilt übrigens auch, wenn ein Gericht ein bisschen misglückt ist)): „Vorzüglich, seit meinem Kameltreck durch die innere Mongolei habe ich kein so gutes Lammauge mehr gekostet“ – und somit ist bereits das nächste Gesprächsthema lanciert.

  • Henry sagt:

    Ich desinfizierte mich gerade noch von Luftküssen, die dann irgendwie doch keine waren, von einer Geburtseinladung letzten Freitag. Schrecklich, wenn einen irgendwelche Leute umarmen, die man überhaupt gar nicht kennt. Oder bei der gleichen letztjährigen Geburtstagsfeier so langweilig und uninteressant waren, daß man sich beim besten Willen nicht mehr an sie erinnert.

    • Zora sagt:

      Ein wenig gern haben sollte man die Menschen schon – es ist in jeder Person etwas Interessantes. Finden Sie es heraus, das macht den Abend spannend. Und wieviel Humor sie selbst haben, soviel wird Ihnen von andern entgegen kommen. Lachen, auch über sich selbst, ist immer erlaubt!
      p.s.: vermutlich nennen nur Langweiler andere langweilig.

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