Wie cool sind Sie?

Coole Menschen lassen sich nicht verblüffen, sagt die Philosophie. Prüfen Sie sich selbst!

Galt in Sachen Coolness lange als unübertreffbar: Clint Eastwood als unbeeindruckbarer Cowboy. Foto: PD

Es gibt cool und dann gibt es Airline-Magazin-cool, meine Damen und Herren. Sie wissen, was ich meine? Oder nicht? Unsicher, wie cool Sie wirklich sind?

Coolness ist schliesslich eine Eigenschaft, die man sich nicht selbst zuschreiben kann (sowenig wie etwa die mit ihr verbundenen Eigenschaften Ironie oder Spontaneität). Coolness lässt sich auch nicht streng ex negativo ableiten: Wir wissen, dass jeder DJ über 33 ziemlich sicher uncool ist – aber macht das jeden DJ unter 33 cool? Mitnichten.

Stichwort: Athaumasie

Coolness zeigt sich auch weniger in Unternehmungen wie dem wilden Campieren an der Plage de Paloma oder einer einwöchigen Geburtstagsparty am Strand von Goa (so schön das sein kann), sondern vor allem in einer Haltung, nämlich jener Einstellung, die der Philosoph Hermann Lübbe einst so prägend als «Verblüffungsfestigkeit» bezeichnet hat.

Das klassische Stichwort lautet: Athaumasie. Damit wird in der praktischen Philosophie der Antike die «Verwunderungslosigkeit» benannt, also jene Eigenschaft eines Menschen, sich über nichts zu wundern, was den anderen imponiert und sie verblüfft oder bange macht, seien es Reichtum, Ehre oder Macht. Das ist Coolness. Coolness ist unbekümmert um die Meinungen der Welt; sie ist Freiheit, also Autonomie, das eigene Ich. Hier sind ein paar alltägliche Indikatoren, die auf Ihre Coolness hinweisen:

  1. Sie trinken Leitungswasser. (Natürlich nur in der Schweiz. Man will ja trotz allem weiterleben.)

  2. Sie haben noch nie ein Gym-Selfie von sich gepostet. (Aber Sie wissen, was ein Gym-Selfie ist; vom «Urban Dictionary» zu Recht definiert als the worst kind of selfie.)

  3. Sie tragen eine Armbanduhr, von der Sie tatsächlich die Zeit ablesen. (Und die Uhr ist nicht aus Plastik.)

  4. Sie nehmen gewisse Sachen ernst. Aber nicht sich selbst. Denn wer keinen Abstand zu sich selbst hat, kann nicht cool sein. Selbstironie ist immer cool. Wie im Falle der legendären Raine Spencer, Stiefmutter der Königin der Herzen, die ihren Gesundheitszustand gegen Ende ihres Lebens wie folgt umschrieb: «I got a little bit of cancer, darling.»

  5. Sie haben Yoga aufgegeben.

37 Kommentare zu «Wie cool sind Sie?»

  • Meinrad sagt:

    Mit Verlaub – cool ist jemand, der die wahnhafte (manische) Ausprägung der Anschauung, dass das Individuum (das Unteilbare) Vorrang vor der Gemeinschaft (dem Teilbaren) hat, sorgfältig zerteilt (seziert). Da bleibt einem nur noch das gute alte aristotelische thauma (altgriechisch für Staunen) über das Coole.

  • gabi sagt:

    Teil 1:
    Musste ab dem artikel herzlich lachen und an die teenager von heute denken.
    Danach las ich die leserkommentare und begann mir ernsthaft gedanken über das thema zu machen. Was ist cool? viele schreiben: jemand der sich weder um zeitgeist, mode, hip und in kümmert. Mein vater wäre also der coolste typ auf erden. Seit 30 jahren läuft er im holzfällerhemd und mit rauschebart rum. Aber er wird von niemandem als cool erachtet. Eher wird er von allen ein wenig belächelt. Ihn kümmerts wenig. Doch ist das cool?
    Ist es das gegenstück zu meinem vater, der heutige hipster? Mit modisch zurechtgestutztem bart und einem designer holzfällerhemd? Ich persönlich finde nicht. Die stadt-In-kultur finde ich einfach nur lächerlich.

  • gabi sagt:

    Teil 2:
    Bin also ich cool? ich betreibe exzessiv bergsport. Lange, ausdauernd, anspruchsvoll. Meine bergkollegen finden mich cool- ja! doch meine freunde von früher bemitleiden mich. „sie hat nichts anderes als die berge. Keine hübschen klamotten, keine familie, kein tolles auto, kein geld, kein haus…“
    Meine mutter findet meine hobbys schon gar nicht cool. eher selbstmörderisch. Sie findet eine alte schulkameradin von mir cool. sie studiert mathematik an der ETH und liebt die oper.
    Mein 16 jähriger bruder findet die kollegin aber gaaar nicht cool. sie sei langweilig. Er findet monster trucks cool. mein umweltschützerfreund hasst monstertrucks. Für ihn das uncoolste gefährt überhaupt! Er findet schildkröten seien das coolste überhaupt……

  • gabi sagt:

    Teil 3:
    Was ich also daraus schliesse: ein jeder findet etwas oder jemand anderes cool! und das ist auch gut so! 🙂

    • Henry sagt:

      Beste Gabi, Sie lassen in diesen ganzen Fronten, die Sie eröffnen, doch ziemlich viele offenen Flanken……
      Nun gut, also Verwahrlosung ist nicht cool. Es sei denn, sie ist beabsichtigt auszusehen, wie z.B. die junge Dame aus dem 6. Arrondissement mit der zeruausten Frisur, für die, dem Essen wahrscheinlich wenig zugeneigte Dame, unter Zuhilfenahme einer Freundin, um die 3 Stunden benötigte. Und was verstehen Sie unter extremen Bergsport ? Ich wandere leidenschaftlich gerne den ganzen Tag, weil der weibliche Teil unserer Familie alles ablehnt, was jegliche Art von Steigungen beinhaltet, keine lächerliche Dichte an Freßtempeln ( hier Almen oder Ausflugslokale) aufweist und überhaupt alles, was an Zeitdauer 2 Stunden überschreitet. Außer den Anwendungen im SPA natürlich.

    • Henry sagt:

      Also ich finde Bergsteigen nicht selbstmörderischer, als den ganzen Tag mit der Familie zu verbringen. Die Freundin, die Mathematik studiert und die Oper liebt, na ja. Sicher, die Oper schon, aber kennen Sie interessante, von mir aus „coole“ Frauen, die Mathematik studiert haben? Schöne Anziehsachen und ein cooles Auto ? Könnte man an einem halben Tag besorgen, man braucht nicht viel Geld dafür, nur etwas Geschmack, Erfahrung (die gehört natürlich zum Geschmack) und Ignoranz. Und glauben Sie einem alten Knaben wie mir,Häuser sind nur Ballast, je mehr sie haben, je mehr versaut es Ihnen den Tag.Und trennen Sie sich um Gottes Willen von Ihrem uncoolen Umweltschüterfreund. Sagen Sie, Schildkrötensuppe sei Ihre Lieblingssuppe und schenken Sie ihm zum Abschied den Film „Duell“von Spielberg.

  • Otto Keiser sagt:

    Authamasie – eine Perle in jedem Wortschatz. Philipp Tingler lesen bildet, herzlichen Dank.
    Aber: Yoga ist kein Hindernis, sondern eher eine Voraussetzung dazu, Authamasie zu erlangen. Wer den Koofstand macht, sieht die Welt auch von der Kehrseite und macht sich bewusst, dass alles eben zwei Seiten hat.
    Also Philipp: Kopfstand machen und fröhlich authamisieren.

Kommentar

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