Warum machen Männer Oben-ohne-Fotos?

bmDiAmax

Vielleicht haben Sie, wie ich, die Saga um General Petraeus verfolgt, die uns aufgrund ihres banalen Charakters – ein mächtiger Mann hat eine Affäre mit einer ihn bewundernden Frau – ja nicht interessieren sollte. Trotzdem tut sie es. Dies einerseits aufgrund der dramaturgischen Dynamik, welche die Geschichte im Lauf der Berichterstattung entwickelte. Und andererseits wegen all der Seltsamkeiten, welche sie an den Tag brachte.

Seltsam war bereits die Tatsache, dass ein General wegen einer ausserehelichen Affäre zurücktreten muss. Eine Affäre, die nur deshalb aufflog, weil die Agenten, welche der General befehligte, in seinem privaten E-Mail-Verkehr herumschnüffelten. Dann gab es da die Eifersucht der Geliebten des Generals auf eine vermutete Nebenbuhlerin, welche ihrerseits mit der Crème de la Crème des amerikanischen Sicherheitsapparates verkehrte. Und unter anderem eine Beziehung zu einem anderen General unterhielt, welche sich im fleissigen Verfassen von E-Mails unsittlichen Inhalts manifestierte. Dieser E-Mail-Verkehr soll laut Medienberichten ein Ausmass von rund 30’000 Seiten gehabt haben, was, wie der Schriftsteller Charles Lewinsky in der «SonntagsZeitung» erläuterte, bedeutet hätte, dass der General jeden Tag 35 Seiten Pornographie verfasst hätte, was trotz des niederen Inhalts doch eher anspruchsvoll anmutet.

Die seltsamste aller Seltsamkeiten aber betrifft jenen Mann, der die Sache erst ins Rollen brachte. Er war, wie so viele andere, mit ebendieser schreibfreudigen Nebenbuhlerin freundschaftlich verbandelt, oder vielleicht sogar noch mehr, zumindest soll der ungesunde Eifer, den er wegen der Sache an den Tag gelegt hatte, seine Vorgesetzten dazu gebracht haben, ihn von der Sache abzuziehen und fernzuhalten. Dies schliesslich war dann der Grund, warum er dachte, da werde etwas vertuscht und sich an eine höhere Stelle wandte, so dass die ganze Sache aufflog.

Wer der Mann genau ist, war lange Zeit nicht bekannt, auch nicht, in welchem Verhältnis er genau zur Nebenbuhlerin stand, die mit allen ja bloss freundschaftlich verbandelt war, wobei ihr Talent zur Freundschaft eine leicht toxische Note zu haben scheint, wenn man in Betracht zieht, welche Auswirkungen sie zeitigte. Der unbekannte junge Mann kam vor allem deshalb ins Gespräch, weil er besagter Nebenbuhlerin Oben-ohne-Fotos von sich hatte zukommen lassen. Weshalb man ihn auch bis zur Aufdeckung seiner Identität als «The Shirtless Guy» bezeichnete. Und das ist die grosse Frage, die sich mir in dieser Angelegenheit stellt: Warum schickt ein Mann einer Frau Oben-ohne-Fotos?

Frauen tun das auch, oh ja. Sie sollen das sogar mit richtiger Begeisterung tun, habe ich mir sagen lassen. Und das scheint mir logisch, zumal es nahtlos ins Flirtritual unserer Spezies passt, bei welchem die Frauen ihre sexuellen Attribute betonen, während die Männer im Allgemeinen signalisieren, was für tolle Kerle sie sind.  Ein Oben-ohne-Bild einer Frau spricht in Rahmen eines solchen Rituals also eine eindeutige Sprache. Aber was will der Mann signalisieren, wenn er ein Bild seines nackten Torsos schickt?

Dass er sich leisten kann, ein Fitness-Studio zu besuchen? Ist es der Wunsch, ihr die visuelle Freuden zu präsentieren, die ihrer harrten, sollte sie sich entschliessen, ihn in privaterem Rahmen zu treffen? Die Hoffnung, sie würde es ihm gleich tun? Warum denken Männer, der Anblick eines nackten Torsos könnte auf Frauen eine ähnliche Wirkung zeitigen, wie der Anblick von Brüsten bei Männern?

Hätte er nicht, um bei den Klischees zu bleiben, eher geistreiche One-Liners, oder ein Foto seines Kontostandes schicken müssen? Zumal bei einer Frau wie besagter Nebenbuhlerin, zu deren vordringlichen Zielen es gehört haben soll, ihre Freundschaften möglichst gewinnbringend einzusetzen? Oder hat diese Frau vielleicht noch eine andere Seite? Gibt es sie wirklich, diese Frauen, deren primärer Lustgewinn drin besteht, einen wohldefinierten männlichen Torso zu kraulen? Hat das vielleicht gar nichts mit Mann und Frau zu tun, sondern mit Machtgefälle? Reissen jene, die keine Macht haben, sich die Kleider vom Leib, um den angebeteten Mächtigen zu gefallen?

Wir werden wohl nie erfahren, was ihn dazu trieb. Er selber soll gesagt haben, das ganze sei als Witz gemeint. Aber auch der schlechteste Witz sollte doch irgendeine Art von Pointe haben. Vielleicht ist die Pointe die: Mächtige Männer werden immer Affären mit schönen Frauen haben, was zum Skandal wird oder auch nicht. Aber wenn Männer beginnen, sich nackt zu fotografieren, um schönen Frauen zu gefallen, wird nie etwas Gutes dabei herauskommen. Nie. Das höchste, was man davon erwarten kann, ist in die Annalen einzugehen als «The Shirtless Guy».

Im Bild oben: Der vorerst unbekannte «Shirtless Guy» stellte sich als FBI-Agent Frederick W. Humphries heraus. (Foto: «Seattle Times»)

36 Kommentare zu «Warum machen Männer Oben-ohne-Fotos?»

  • Roger Leeger sagt:

    Liebe Michèle

    Keine Ahnung, warum man diesen Witz nicht versteht. Sie sind allerdings damit nicht allein, wenn man andere Journalisten liest. Hier gibt es meiner Ansicht nach keine unterschwellige Botschaft.
    Er sieht ohne T-Shirt genau so aus wie eine Schiesspuppe. Erstens wegen der Hautfarbe, zweitens wegen der Glatze… das ist doch witzig oder zumindest ist es möglich, dies als Witz zu verstehen.
    Nun liegt die makabre Ironie darin, dass man selbst nicht nur der Schütze ist, sondern auch ein Ziel sein kann, und so wie er aussieht ist er eben ein perfektes Ziel (Schiesspuppe)

  • Adam Gretener sagt:

    Nur weil ich vor 47 Jahren, mit 1,4 kg weniger auf den Rippen meinen Astral-Körper herzeigte, ist das noch lange kein Grund für einen Vorwurf.

  • Pierre Berger sagt:

    Liebe Frau Binswanger

    Die ins Marketing gesteckten Millionen werden also z.B. mit dem „Cola Light Mann“ völlig an der Zielgruppe vorbei investiert. Und Frauen verbringen auch nicht kreischend ausverkaufte Abende bei den Chippendales.

    Wann hören Sie auf, von sich auf andere zu schliessen? Der Durchscnitt der Frauen funktioniert – auch wenn ihnen das nicht passt – so einfach wie der Durchschnitt der Männner.

    Im Übrigen gilt für dieses spezielle Foto wohl, was andere Kommentatoren bereits angemerkt haben: Die (selbstironische) Ähnlichkeit mit den Zielpuppen.

    • akade sagt:

      ‚der durchschnitt der frauen‘, tatsächlich, herr berger? hat er – der durchschnitt – ihnen das so erzählt, oder haben sie vielleich ganz alleine von sich auf andere geschlossen..? 😉

    • Manuel Braun sagt:

      In diesem Blog geht es ja, neben Bewertung von reinen Geschmacks- und Modefragen, generell um nichts anderes, als alles und jedes auf dieser Welt in ein Schubladen-Mann/Frau-Schema zu pressen, wie wenn das das einzige Identitätsmerkmal des Menschen wäre.

      Vielleicht kann ich das ja als Mann schlecht beurteilen, aber irgendwie finde ich solche Schubladen-Einteilungen und die ständige Beschäftigung mit Äusserlichkeiten genau das Gegenteil von Emanzipation, deren Ziel doch wäre, dass das Geschlecht keinen grossen Einfluss haben soll. Die Überschrift „Gender POLICY“ sagt schon vieles.

    • Franz Weber sagt:

      Herr Berger Sie habens erfasst. Dem ist so. Ich trainiere schon seit Jahren 5 mal die Woche und schaue auch ziemlig auf meine Ernährung.Frauen stehen auf fitte durchtrainierte Männer! Es gibt auch Personen in meinem Freundeskreis die das pure Gegenteil davon sind, und die haben extreme Probleme eine Frau kennen zu lernen. Ergo, ihr Frauen seid genau so einfach gestrickt wie wir Männer.
      Ev. sind Sie Fr. Binswanger, Akade u.s.w. halt so eine die aufs Geld aus ist, oder auf einen Komiker. Viele möchten aber auch einen richtigen Mann…(zum Reden haben die Frauen ja schon genug Kolleginnen)

  • Simone sagt:

    Der Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, wenn sie sich gegenseitig (halb)Nacktfotos schicken? Männer ziehen idR kein Duckface… ehrlich Frauen, gewöhnt euch diese Schnute wieder ab 😉

  • Roland Flury sagt:

    Erstens ist der Guy tatsächlich eine optische Erfreulichkeit (ich gebe zu, dass ich Neid verspüre) und zweitens ist sein Vergleich mit den Herren links und rechts auch noch witzig. Dass Frau Binswanger daraus eine Gesamtschau der (wie immer bei ihr) negativen männlichen Befindlichkeiten macht, war zu erwarten, stört aber nicht. Sie wäre durchaus in der Lage, sogar Tschäppät unter dem Mikroskop männlicher Sexyness zu analysieren!

    • Michèle Binswanger sagt:

      @Flury: Ich fürchte, ich verstehe ihre Interpretation dieses Textes nicht. Worin genau erkennen sie eine „Gesamtschau der negativen männlichen Befindlichkeiten“?

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