Enttarnte Mythen

Newly-wed grooms lead camels carrying their brides during a mass wedding in a desert at a tourism area containing a populus euphratica reserve in Yuli county

Die Schweizerischen Bundesbahnen sind ein angenehmes und zuverlässiges Verkehrsmittel, meine Damen und Herren. Es sei denn, irgendwas passiert. Zum Beispiel liegt, sagen wir, ein Ast auf den Gleisen. Dann bricht alles zusammen, und das Krisenmanagement ist, well, amateur-ish. So wie neulich, als ich per SBB vom Zürcher Hauptbahnhof zum Flughafen Zürich wollte. Aber ich will Sie nicht weiter mit meinen persönlichen Erlebnissen behelligen; Sie wissen, wie sehr ich hier (und überhaupt) stets bemüht bin, meine eigene Person hintanzustellen; ich nehme an, das ist eine der Sachen, die Sie an mir lieben, right? Okay, worauf ich eigentlich hinauswill, ist: Diese Story von den perfekten uhrwerkgleichen Schweizerischen Bundesbahnen ist natürlich – eine Legende, ein Mythos. Es gibt klassische Mythen, und es gibt die urbanen Mythen der Spätmoderne, und dann gibt es noch jede Menge Sagen und Überlieferungen dazwischen, und ein paar davon will ich im Folgenden für Sie aufklären. Und falls Sie mit der Aufklärung nicht einverstanden sind, melden Sie sich einfach – ich weiss das alles bloss aus dem Internet. Und falls Sie Mythen nicht zerstört haben wollen, müssen Sie jetzt schnell woanders hinklicken. Denn here we go:

  1. Das Geräusch des Geldscheinabzählens vor der Geldausgabe am Geldautomaten ist nicht echt; es wird künstlich produziert, um dem Kunden das befriedigende Gefühl zu verschaffen, dass da gleich die Kohle rauskommt, auf die er wartet.

  2. In der Bibel steht überhaupt nichts von einem Apfel; die Rede ist nur von einer verbotenen Frucht.

  3. Napoleon war nicht klein. Er war in der Tat einen Meter siebzig gross, was zu seiner Zeit über dem Durchschnitt lag.

  4. Die Höcker des Kamels sind mit Fett gefüllt, nicht mit Wasser.

  5. Joan Collins ist die Patentante von Cara Delevingne, nicht von Melissa Rivers.

Bild oben: Glauben Sie wirklich, Kamele tragen Wasser in ihren Höckern? Eine Karawane bringt Bräute zu einer Massenhochzeit, China, 2014. Foto: Reuters

13 Kommentare zu «Enttarnte Mythen»

  • Michael sagt:

    Wenn die SBB, neben einem grundsätzlich hervorragenden Angebot, etwas wirklich gut können, dann ist das Störungen beheben in einem äusserst komplexen Netzwerk. Das ist jedes Mal eine Operation am offenen Herzen. Während die Bähnler ihr Handwerk beherrschen, können sie aber eins nach wie vor nicht: Kommunizieren. Und wenn, dann will ich keine Bitte um Verständnis hören, sondern einfach eine Entschuldigung. Geht ganz einfach, tut nicht weh und entspannt…

  • Meinrad Thomas Angehrn sagt:

    Zu 2: Mein Opa erzählte mir, die Frucht sei ein Boskoop gewesen, vielleicht aus dem Grund, weil der Boskoop mit seinem leicht säuerlichen Geschmack den Fehltritt auch beim Genuss spüren lässt. Der Sündenfall wird in der Osternacht in der katholischen Kirche als «felix culpa», als «glückliche Schuld», besungen, weil nur so die Fleischwerdung Christi (Weihnachten!) und damit die Erlösung ermöglicht wurde. Und für Hegel war die Unschuld im Paradies ein anderer Name für ein tierisches Leben; der Sündenfall war demnach nichts anderes als der Übergang vom tierischen Leben zur menschlichen Existenz.

  • Stevens sagt:

    Klar, es ist natürlich salonfähig, über die SBB zu schimpfen. Dennoch würde dem Herrn Doktor mal gerne eine Führung durch die Betriebsleitzentrale empfehlen.
    Es ist enorm, was da Tag für Tag geleistet wird (Stichwort 500 Mio Schaltungen pro Tag = 6000 pro Sekunde). Und alles ist am Limit. Es passen kaum mehr Züge durch…
    Aber wenn es an einem blöden Ort einen Fehler gibt, dann sind die Auswirkungen einfach enorm.
    Aber ob der Herr Doktor solche Fragen überhaupt intressieren?

    • Roland K. Moser sagt:

      Die Überbevölkerung hat sich auch an den SBB festgekrallt.
      Für die Preiserhöhungen ist aber das Kader der SBB verantwortlich: Es erhöht seine Abzocker-Bezüge, weil es den Wanst nicht voll genug kriegen kann.

  • Thomas Herrmann sagt:

    Mich würde mal Wunder nehmen, ob der Herr Doktor sich die Zeit nimmt, all die bescheuerten Kommentare zu lesen…

  • Irene feldmann sagt:

    Nein nein hr. Tingler, ich lass mir die Illusion nicht nehmen. Im Höcker sind Wasser, das muss sein, nur dieser verflixte Hahn dazu, denn bin ich noch am suchen….:)

    • fufi sagt:

      Der Hahn befindet sich hinten zwischen den Beinen.
      Bei den Einen gibts nur 1en,
      bei den Anderen reicht’s für eine ganze Familie.

    • Jacques sagt:

      Ich war als junger Mann schon schwer enttäuscht, dass auf diesen ‚Camels‘ – die wir dazumals so rauchten; nur ein Dromedar drauf war. Echt auf die Welt kamen wir noch, als uns gesagt wurde, in diesen Zigaretten sei nur Tabak und Parfum drin. Also – wechselten wir – auf die ‚North Pole‘. Immerhin noch ein frische Brise Menthol – und im Kopf die Meeresjungfrau – von Kopenhagen 😉

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