5 Sachen, die kein Mensch braucht

autonama

Es ist drei Uhr morgens, meine Damen und Herren, ich liege auf dem Sofa und esse Snyder’s Pretzel Pieces (Honey Mustard & Onion) und sehe den Autorenfilm «Bildnis einer Trinkerin», mutmasslich ein Meisterwerk der experimentellen Cineastik, mutmasslich auch nur eines der irren Gewächse des Westberliner Halbuntergrunds, Elysium der Freaks, Bedeutungsverwirrung der sich neigenden Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Ein Film, der alles und nichts bedeuten kann, und, nein, dies ist per se kein Merkmal hoher Kunst. Na ja, denke ich so bei mir, während ich ein paar Bretzelstücke von meinem Oberkörper klaube, immer noch besser so ’n Film als irgendwelche vulgärphilosophischen Spekulationen über Fussball im Kulturprogramm, angebracht von leicht pastösen Intellektuellen, die mit derartigem Gequassel ihre gefühlte Lebensferne zu negieren hoffen. Kontraphobische Theoriebildung.

Blarf! Braucht kein Mensch … braucht kein Mensch? Schwupp! Wie stets überlasse ich das Urteil Ihnen. Aber hier sind 5 weitere Sachen, die garantiert kein Mensch braucht:

  1. Seidenpapier in Socken

  2. Barbara Becker: «B.FIT in 30 Tagen»

  3. Systemisches Dichten und Reimen mit Kindern

  4. Eine «Autoren-Nationalmannschaft»

  5. Judith Butler: «Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen»

Bild oben: Die deutsche Fussballnationalmannschaft der Schriftsteller während ihres Trainingslagers in Nürnberg 2007.

8 Kommentare zu «5 Sachen, die kein Mensch braucht»

  • Gian Battista Raschèr sagt:

    1) «Elysium der Freaks»: Nicht vergessen, dass das Elysium nicht nur ein Ort ewiger Glückseligkeit ist, sondern auch des Vergessens — und wegen des Vergessens. Ich freue mich darauf.
    2) Wieder ein Fremdwort gelernt: pastös.
    3) Tinglers heutige Fünf sind gewöhnliche Dinge, aber leider keine «Wonnen der Gewöhnlichkeit» (Thomas Mann) und schon gar nicht Ausdruck der «Würde gewöhnlicher Erfahrung» (Matthias Jung in Anlehnung an Thomas Mann).
    4) Mit vorstehenden Ziffern 1 bis 3 hoffe ich doch, meine «gefühlte Lebensferne zu negieren». 😉

  • Henry sagt:

    Ich hoffe, es war eine Verwechslung und Sie kaufen Strümpfe und keine Socken. In hochwertigen Strümpfen ist pro Paar zumeist nur eine Papiereinlage in einem Strumpf, die bei entsprechender Warenlagerung die Feuchtigkeit aufnehmen soll.

  • Jack Hunt sagt:

    1. Besetzte Areale in der Stadt, die sich Kunstkollektiv nennen, aber nie eine Ausstellung oder etwas dergleichen veranstalten.
    2. Männerrechtler/Frauenrechtler, die nur gegen die andern sind, aber Mühe damit haben, für etwas zu sein.
    3. Deutsch synchonisierte Filme im Kino.
    4. Gentrifizierung in der Innenstadt, wo per Definition das Leben stattfinden soll.
    5. Hohe Mietpreise, nur damit Expats abgezogen werden können.

    • dobelaFarm sagt:

      Punkt 3: das nervt wirklich, bin froh, dass andere auch so denken. Punkt 5 : absolut einverstanden.

    • Gian Battista Raschèr sagt:

      Zu 3: Das ist tragisch beim Rosaroten Panther mit Peter Sellers. In den englischsprachigen Originalen spricht er als Inspektor (oder CHEFinspektor) Clouseau der Sûreté Englisch mit den Schwierigkeiten eines Franzosen: «se mönky» (statt «the monkey»), «se rüüm» (statt «the room») und besonders witzig und anzüglich die Situation, wo er sich beim Concierge nach «a massage» (statt «a message») erkundigt.

    • Henry sagt:

      @ Gian, ich hab‘ zufällig mit meinem Filius „The pink panther strikes again“ gestern Abend in englisch angesehen, quasi als Fremdsprachenkonditionierung während der Ferien für einen Achtklässler. Der „french accent“ war ganz erstaunlich gut für einen Engländer. Aber Peter Sellers war eben einer der Besten, vorallem in Kombination mit Blake Edwards. Ich kann seine Filme gar nicht oft genug sehen.

  • Flo sagt:

    1 – 5
    PolitikerInnen die uns vor den Wahlen die Hucke voll lügen – nach den Wahlen nichts davon wissen wollen!
    Die aner trotzdem immer wieder auf den Wahllisten erscheinen und noch schlimmer oft wieder gewöhlt werden!

  • Ruedi Widmer sagt:

    Oh. Wolfgang Herrndorf ist noch dabei (der 2. unten links), schnüff. Der ist mittlerweile schon verstorben. Ist jetzt am Monatsende ein Jahr her…

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