Peinliche Markenklamotten?

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Ich finde durchgestylte (Klein-) Kinder mit Markenklamotten irgendwie peinlich. Zeugt dieses Zurschaustellen von Geschmack nicht letztlich gerade von dessen Abwesenheit bzw. der Stillosigkeit der Eltern? Oder bin ich bloss neidisch, weil unsere Bälger in Börsenkleidern herumrennen? J. G.

Liebe Frau G., i wo! Sie sind doch nicht neidisch. Sie scheinen nur mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen.

Wie man mir sagt, neigen Kinder zum Schmutzigwerden. Sie fallen hin. Sie verschmieren Esswaren. Sie rennen herum. Sie übergeben sich. Und: Sie wachsen. Weshalb also teure Kleider für Kinder? Markenkleider gar? Das ist irgendwie ziemlich blöd. Und es ist oft auch schlechter Geschmack, wie Sie zu Recht vermuten. Oder, um es mit dem bösesten, aber gleichzeitig treffendsten Wort zu umschreiben, das mir einfällt: Das ist neureich. Sie wissen schon: Dieses verzweifelte Bemühen, mittels Geldes zeigen zu wollen, dass man dazugehört, und es genau deshalb nie tun wird, worauf die Anstrengungen immer verzweifelter werden und sich die Katze in den Schwanz beisst. Ganz abgesehen davon, dass Kinder in Markenkleidern immer latent unsympathisch sind; ich weiss auch nicht, wieso, vermutlich färben da bereits die Eltern ab.

Grundsätzlich bin ich allerdings schon der Meinung, dass man Kinder hübsch anziehen soll; das hat indes rein gar nichts mit dem Etikett oder dem Preisschild auf der Jacke oder der Hose zu tun. Aber dass Kinder einen Sinn für Ästhetik mitbekommen, ist wichtig. Die sollen ein Auge fürs Schöne entwickeln, für das Schöne in jeder Hinsicht, für Proportionen und Farbkombinationen. Ich meine, wie sollen die später die Schönheit der Kunst oder der Malerei oder der Architektur erkennen, wenn sie nie gelernt haben, was schön ist, weil sie hässliches Zeug anziehen mussten?

Zudem: Es ist eine Frage der Würde, anständig angezogen zu sein. Das gilt nicht nur für Kinder. Sondern vor allem auch für alte oder behinderte Menschen. Und diesbezüglich verstehe ich für einmal gar keinen Spass.

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21 Kommentare zu «Peinliche Markenklamotten?»

  • Yasmin sagt:

    Grundsätzlich stimme ich dem Artikel zu. Nur was bedeutet Kinder hübsch anziehen, damit sie den Sinn für Ästhetik mitbekommen. Ist es nicht im Auge des Betrachters, was wir als hässlich oder hübsch empfinden? Ist die Schönheit der Kunst (etc.) wirklich immer „schön“? Und: Wenn Kinder mit Börsenklamotten aufwachsen, dann geben wir Ihnen etwas Wertvolles mit auf den Weg ins Erwachsenwerden: Lasst auch nicht auf den dekadenten Konsum ein, welcher heute schon beinahe zelebriert wird!

  • DB sagt:

    Auch hier gilt: Der Inhalt ist wichtiger als die Verpackung!

  • marusca sagt:

    Je leidenschaftlicher man beteuert, nicht neidisch zu sein, desto mehr ist man es. Das gilt hier für die Fragestellerin genauso wie für die Beantworterin. Im Übrigen geht es niemanden etwas an, wie man seine Kinder anzieht.

  • marusca sagt:

    an Henry: Sie hätten ruhig auch auf Deutsch schreiben können, ich hätte Sie trotzdem verstanden….

  • Grohe Barbara sagt:

    Ich denke mal, jede Mutter möchte, dass ihr Kind „gut und geschmackvoll“ angezogen ist. M.E. ist es aber etwas daneben einen 1-1/2Jährigen der noch mit Pampers-Hintern herumläuft in eine enge Jeans zu stecken und obenherum in einen stylischen französischen Anorak. Beim Sonntagsspaziergang am Zürichhorn kann man solche kleinen Mode-Ikonen oft bewundern. Die Kleinen haben kaum Bewegungsfreiheit – ist ja auch nicht nötig, wenn sie im stylischen Jogger sitzen und als „Schmuckstück“ der Eltern herumkutschiert werden.

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