Bedenkliche soziale Signale

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Wir haben ja unlängst, meine Damen und Herren, unter Ihrer lebhaften Resonanz Dinge durchgenommen, die nicht stilvoll sein können; und heute nun wollen wir, zu Ihrer gewiss nicht geringeren Freude, noch einen Schritt weiter gehen und uns mit den Verweisen der Dinge beschäftigen. Also mit dem, was die Sachen signalisieren. Dinge sprechen ja, bekanntlich. Und wie Mutter Natur beispielsweise durch grelle Farbmuster signalisiert «Nicht anfassen» – so gibt es auch in der Dingwelt Objekte mit Signalwirkung; Dingverweise, die eher Abstand nahelegen. Hier wären ein paar Beispiele:

  1. Bequemschuhe

    Denn «bequem» ist nie ein positives soziales Signal.

  2. Computerspielkonsolen

    Als soziales Signal ungefähr so verheerend wie: ein Bong. Unterm Bett.

  3. Leicht verschmuddelte Plüschtierschlüsselanhänger

    Noch schlimmer: Leicht verschmuddelte Plüschtieranhänger an irgendeinem Rucksack. Am allerschlimmsten: Leicht verschmuddelte Plüschtieranhänger an einem Jack-Wolfskin-Rucksack.

  4. Gummiarmbänder

    Ob da nun «Livestrong» draufsteht oder «Getdoped» – die Dinger haben immer den Charme von Lance Armstrong. Und die Aufrichtigkeit.

  5. Trottinetts

    Signalisieren ungefähr den gleichen Grad an Regression wie ein Plüschtieranhänger. Erwachsene Leute sehen damit unmöglich aus.

Und wissen Sie, liebes Publikum, was auch noch ein bedenkliches soziales Signal ist? Wenn jemand beim Sitzen dauernd mit den Beinen vibriert. Oder ständig mit dem Fuss auftippt. Eurgh.

Bild oben: Trottinettfahrer in Zürich. (Keystone)

43 Kommentare zu «Bedenkliche soziale Signale»

  • Beni sagt:

    Ein weiteres Alarmzeichen ist es, wenn Leute Dinge glauben, nur weil sie jemand in eine Liste geschrieben hat.
    Warum ist dem denn so? Was ist so schlimm an einer Spielekonsole, oder weshalb (abgesehen vom Markenname und Logo) ist ein Jack Wolfskin Rucksack alarmierender als Gummistiefel in der Stadt?

    Gummistiefel in der Stadt jedenfalls währe dann noch mein Beitrag zur Liste. Sieht schlecht aus, ist unbequem und Nass werden die Füsse trotzdem, einfach von innen, also bringts auch nichts.

    • Henry sagt:

      Mein Guter, was wollen Sie denn mit einem Rucksack in der Stadt ? Wandern ? Wellington Boots oder Wellingtons, am besten von „Hunter“, lassen sich durchaus, sofern es die Witterung optisch zulässt, in der Stadt tragen. Und wenn Sie hundert „Jack Wolfskin“-Träger ausdruckslos durch die Innenstadt schlürfen sehen und nur einen mit „Hunter“ Wellies und Barbour Jacke, entflieht selbiger so diesem, kaum noch zu ertragenden, enigmatischen Desintersse am eigenen Äusseren.

  • Paul Moser sagt:

    Das ewige Starren auf den Bildschirm von iPhone oder Smartphone – und die Stöpsel in den Ohren (hä, was haben Sie gesagt?) gehen gar nicht.

  • markus sagt:

    6. Löhne zu tief zum Leben davon.

  • Peter Ringger sagt:

    Jetzt muss ich also vor einem Besuch meine bequemen Schuhe verstecken. Zum Glück zocke ich am PC und brauche keine Konsole. An meinem Schlüssel ist eine kleine Taschenlampe, ich hoffe das ist sozial korrekt. Mein sehr bequemer Sessel kann ich aber nicht einfach schnell wegräumen, also entsorgen? Da offenbar bequem per se ein schlechtes soziales Signal ist, haben wir also die Wahl zwischen einem unbequemen, aber erfolgreichem oder bequemen, aber sozial bedenklichen Leben. Wenigstens kann man es sich so richtig bequem machen, wenn man sozial ganz unten angekommen ist. Irgendwie tröstlich.

  • A. Brühlmann sagt:

    Eine kleine inhaltliche Anmerkung:

    Es gibt Computer(spiele) und Spielkonsolen, nicht aber Computerspielkonsolen.
    Die Spieler aus den beiden „Lagern“ mögen sich indes nicht einmal besonders, weil jeder seine eigene Plattform (PC vs. Konsole) aus beliebigen Gründen für überlegen hält.

    • Marco sagt:

      Wahrscheinlich waren damit auch Desktop-Computer gemeint. Der moderne Doktor von Klasse schreibt schliesslich auf seinem iPäd.

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