Darf man das T-Shirt unterm Hemd sehen?

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In der kälteren Jahreszeit trage ich jeweils ein Hemd oder Sweatshirt, darunter ein T-Shirt. Der Rand des T-Shirts ist beim Hals sichtbar, da ich den obersten Knopf beim Hemd offen habe. Meine Partnerin findet dies nicht stilgerecht. Wenn schon, sollte ich unter dem Hemd resp. Sweatshirt ein Unterleibchen tragen, damit nichts sichtbar ist. Ich finde es noch schön, wenn der Rand des T-Shirts sichtbar ist. Oder kommt es gar nur auf den Anlass an – beim Hockeymatch okay, bei der Arbeit nicht? J. L. aus C.

Lieber Herr L. Angesichts Ihrer Beschreibung des Hemdes und des darunter sichtbaren T-Shirts erschien vor meinem geistigen Auge sofort Alan Harper aus «Two and a Half Men». Der trägt ja auch immer ein weisses T-Shirt unter seinen Hemden, selbst unter dem Pyjama, wie mir kürzlich aufgefallen ist (dieses Konstatieren von stilistischen Merkmalen kann ich nicht abstellen, das ist zum Reflex geworden).

Und weil ja der Alan der Gegenpol zum Charlie ist, manifestiert sich das auch kleidungsmässig (das sind eben die winzigen Botschaften, die das Textile so geschickt zwischen den Zeilen zu transportieren vermag): So leger der Charlie in seiner kurzen Hose und seinen kurzärmeligen Hemden daherkommt, so steif ist eben der Alan mit seinem weissen T-Shirt unter dem Hemd. Und so sehr ich den Alan mag, so wenig taugt er als Stilvorbild. Von daher hat Ihre Partnerin eindeutig einen Punkt.

Deshalb: Unter Hemden gehört kein sichtbares T-Shirt, das sieht dann eben aus wie bei Alan: so ein bisschen verstopft. Selbst bei Hockeymatches. Wählen Sie also ein T-Shirt, das unter dem Hemd verschwindet, oder gleich ein Unterhemd. Dasselbe gilt für Rundhals-Pullis: Besser für darunter ist in jedem Fall ein Hemd, weil so ein Kragen gleich viel mehr hermacht.

Tragen Sie indes einen Pulli mit V-Ausschnitt, dann stört das T-Shirt nicht, dann kann man es als Kontrast einsetzen: Ein weisses T-Shirt unter einem dunklen Pulli beispielsweise ist dann die saloppere Variante des Hemdes und macht sich gut. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um einen schlichten, klassischen Wollpullover handelt. Selbigen würde ich Ihnen anstelle Ihrer Sweatshirts ohnehin ans Herz legen – ein Kleidungsstück, das in seinem Namen das Wort «Schwitzen» trägt, kann ganz einfach nur lausig aussehen. Fein gestrickte Wollpullover hingegen geben nicht nur warm, sie verleihen Ihnen auch gekonnten Understatement-Chic.

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