Falls Sie mal müssen

toilet

Neulich befand ich mich auf einem Flug von Zürich nach Johannesburg, meine Damen und Herren. Einer der wesentlichen Vorteile der Business Class besteht, wenn Sie mich fragen, in ihrem akzeptablen Passagiere-pro-Waschraum-Quotienten. Das hilft aber auch nichts, wenn der Waschraum dann trotzdem endlos besetzt ist. Das ist natürlich sehr unhöflich (das endlose Besetzen, meine ich). Was tat ich? Ich klopfte höflich an die Tür, mich an die Regel erinnernd: Nach sechseinhalb Minuten darf man höflich klopfen, denn nichts, was in einem öffentlichen Waschraum passieren kann, sollte länger dauern als sechseinhalb Minuten. – Der korpulente Herr, der dann rauskam, gab sich trotzdem konsterniert. Und damit solche Irritationen in Zukunft seltener werden und wir alle noch glücklicher und reibungsloser zusammenleben, folgen hier fünf weitere Regeln zur Etikette auf öffentlichen Toiletten:

 

  1. Für Herren

    Bei der Benutzung von Urinalen gilt die sogenannte Aufzugregel: Augen geradeaus & keep stumm.

  2. Für alle

    Keine Mobiltelefongespräche. Ich wiederhole: Keine Mobiltelefongespräche. Keine Konversation ist so dringend, dass Sie sich auf dem Klo führen müssten. Dies gilt übrigens auch für Ihr eigenes. Und: Auch keine Gespräche durch die Klokabinenwand.

  3. Für Behinderte

    Wie meine Tante Kitty in einem legendären Auftritt auf dem Lissaboner Flughafen zu Recht einer Dame vom dortigen Reinigungspersonal auseinandersetzte: ein Rollstuhl-Piktogramm an der WC-Tür kann vernünftigerweise nicht bedeuten, dass das fragliche WC ausschliesslich Rollstuhlfahrern vorbehalten sei, sondern vielmehr, dass es auch – und gerne auch prioritär – für diese nutzbar wäre, jedoch bei weitem nicht leerstehen müsse, wenn weit und breit kein Rollstuhlfahrer darauf Anspruch erhebe (und keine Alternative in Sicht sei).

  4. Für Damen

    Zur korrekten Belegung ausserdem noch dies: Vernünftigerweise entspricht es gängiger Auffassung, dass Damen bei Vorliegen einer Dringlichkeitssituation (und in Ermangelung anderer Optionen) durchaus auch die Herrentoilette benutzen dürfen (dies gilt traditionell nicht umgekehrt). Aber: bitte zügig, meine Damen! Überhaupt: be quick. Verzichten Sie auf ausführliche Make-up-Auffrischungen, Frisur-Änderungen und Facebook-Sitzungen auch auf dem Damen-WC, besonders wenn eine Schlange grimassierender Geschlechtsgenossinnen davor ansteht.

  5. Für Klofrauen

    Zunächst: das Wort «Klofrau» ist weder herabsetzend noch politisch inkorrekt (so wie auch die Bezeichnung «Klo» so unendlich viel besser ist als das leicht verklemmte Etikett «Toilette»). Dann: Seien Sie anständig und geben Sie der Klofrau / dem Klomann was. Schliesslich: Wenn Sie in einem dieser herrlichen Lokale sind, wo in den Waschräumen ein WC-Attendant amtet, der Dinge anbietet wie Duftwasser, Haarspray, Taschentücher und Johannisbeer-Pastillen sowie Ihnen vor Verlassen des Ortes mit einer Kleiderbürste die Schultern abwedelt, müssen Sie nicht bei jedem Besuch ein Trinkgeld dalassen. Aber wenigstens einmal ein ordentliches.

Bild oben: Gespräche durch die Klokabinenenwand sind nicht erwünscht (Flickr/Adi Meyerhofer)

17 Kommentare zu «Falls Sie mal müssen»

  • Henry Wotton sagt:

    „In Bozen liegen die Toiletten ääh Waschräume separat……..“

  • Christoph Bögli sagt:

    Schön, dass das endlich mal jemand schriftlich festhält. Ich würde noch anfügen: Bei (freien) Einzelkabinen sind nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern Piktogramme jeglicher Art als gegenstandslos zu betrachten. Wenig ist tragischer zu beobachten als Männer, die geduldig vor dem „Männer“-Klo warten weil ihnen das „für Frauen“-Zeichen einer magischen Barriere gleich den Zugang zum durchgängig freien „Frauen“-Klo verwehrt (gilt natürlich auch umgekehrt).

  • Peter S. sagt:

    Nr.2 bezieht sivh auf Mobiltelefone. Wie ist das, wenn am stillen Örtchen an der Wand ein fixes Telefon installiert ist, wie das an einem meiner Arbeitsorte der Fall war?
    Die Regeln für den Waschraum sind lustig und man darf sich daran erheitern – nicht mehr und nicht weniger 🙂

  • Matthias Müller sagt:

    Gerade in Deutschland sollte man den Klofrauen und -Männern nichts geben, da diese meistens angestellt sind und die „Toilettenmafia“ das Geld behält, egal wie viel Trinkgeld die Klofrauen erhalten. Gerade in Restaurants, in denen ich konsumiere, finde ich es eine unverschämt, dass ich für die Toilette extra bezahlen muss. Wenn dann eine Klofrau dort sitzt, gehört ein Schild hin, dass die Benutzung der Toilette für zahlende Gäste kostenfrei ist.

  • pablo mueler sagt:

    „sechseinhalb Minuten“
    damit ist einsteins relativitaetstheorie wieder mal bewiesen – die minuten vor einer geschlossenen klotuere kommen einem immer laenger vor als die dahinter.

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