Best of: Ein Mann, ein Hund, ein Haus

Der Grafiker Ueli Hinder wohnt mit Hund Olmo in einem kleinen Atelierhaus inmitten eines Zürcher Gartens.

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorin. Deshalb publizieren wir einige Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Die folgende Homestory erschien erstmals am 12. November 2017.

 Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Als Ueli Hinder vor rund zwei Jahren auf Wohnungssuche ging, wünschte er sich ein naturnahes besonderes Zuhause; keinen Luxus, sondern Persönlichkeit. Kein leichtes Unterfangen. Mit Glück und dem Tipp einer Freundin fand er in einem ruhigen Quartier ein charmantes Atelierhaus inmitten eines Gartengrundstücks, das über ein verschlungenes Weglein zu erreichen ist. Beim Betreten gelangt man sogleich in die Küche, in der riesige Blumensträusse und der wedelnde Labrador Olmo für einen freundlichen Empfang sorgen. Hinder ist Mitinhaber eines Grafikateliers, das spezialisiert ist auf Signaletik und Erscheinungsbilder etwa für Restaurants oder Läden. Klar hat das Wohnen eine wichtige Bedeutung für ihn.

Das Haus stammt aus den 50er-Jahren und wurde bestimmt als Atelier genutzt. Das erklärt auch das Oberlicht, welches die Küche zum hellsten Raum macht. «Ich weiss aber nicht, ob hier einmal ein Künstler oder ein Handwerker gearbeitet hat», sagt Ueli Hinder. Er liess Wandregale montieren, die er auf einer englischen Website entdeckt hatte. Sie geben der Küche denn auch ein wenig eleganten Countrycharme. 

Üppige Blumensträusse in Kübeln und Vasen unterstützen das ländlich Zufällige. Die kokette, elegante Vintage-Tischleuchte ist eine ungewöhnliche, aber reizende Wahl für eine Küche und auch abends ein Hingucker mit wohnlich warmem Licht.

Die Wohnküche erstreckt sich über die ganze Breite des Hauses und verfügt auch über einen Hinterausgang mit grossem Fenster. Der unkomplizierte Ateliercharakter und das ländliche Charisma werden unterstützt durch die zufällig wirkende, aber doch durchdachte Einrichtung. Als Esstisch hat Ueli drei Beizentische aneinandergereiht. Auf der einen Seite liess er Bänke einbauen. Es sind klassische Sitzbänke, die auch Stauraum bieten. «Ich finde, es braucht immer eine Weile Wohnzeit bis man weiss, wie man alles stellen möchte. Doch als ich den Raum zum ersten Mal sah, wusste ich gleich, dass ihm Wandregale und lange Sitzbänke guttun würden.» Auf der anderen Tischseite stehen Klappstühle. Sie stammen aus dem Hallenstadion.

Eines der Projekte von Ueli Hinder ist der Sportsman Club, den er mit einigen Freunden gegründet hat. Seit 1993 organisiert die Gruppe während jeder Fussball-WM ein Public Viewing mit Bar in wechselnden Lokalen. Dafür haben sie beim Umbau des Hallenstadions 600 alte Stühle gekauft. Die Klappstühle haben viel erlebt und eine glamouröse Rock ’n‘ Roll-Vergangenheit. «Ich mag Dinge und Möbel mit Geschichte», sagt Ueli Hinder. Das gilt auch für das Kommodenmöbel, das er zum kleinen, mitten im Raum stehenden Kochherd gestellt hat, damit dieser nicht ganz allein da steht. Das antike Möbel hat er im Vintagegeschäft Woodlove gefunden und ablaugen lassen.

Schöne und feine Sachen darf man ruhig sehen. So stehen verlockende Lebensmittel in der Küche bereit und ausgestellt auf einem alten Industrierollwagen. «Von allen Ferienreisen nehme ich hübsch verpackte Dinge mit, die mein Grafikerauge anziehen. Auch koche ich gerne und oft, am liebsten einfache Hausmannskost und Eintöpfe» verrät der Geniesser. Dazu gehört natürlich ein kühles Bier oder ein Glas Wein. Dafür hat er extra einen kleinen Getränkekühlschrank gekauft.

Früchte und Gemüse stehen in Keramikschüsseln und schmecken viel besser als aus dem Kühlschrank.

«Auf den langen Wandregalen hat alles Platz, was in der Küche gebraucht wird. Klar, wenn vieles offen dasteht, muss man halt ein bisschen öfter abstauben und putzen. Dafür sieht man, was man hat, die Küche ist hübscher und freundlicher und man muss nicht unter einem Küchenschrank kochen und abwaschen», meint Ueli Hinder. Unter anderem stehen da Biergläser aus den 50er-Jahren, noch original eingepackt in Zeitungen aus jener Zeit. «Ich finde, sie erzählen so eine viel poetischere Geschichte, als wenn sie ausgepackt und gebraucht würden.»

Beim Eingang grüsst das Duo Bank und Wandregal, auf dem Hüte, Mützen und Helme stehen. In der antiken Hutbox steckt ein Zylinder von Ueli Hinders Grossvater. «Er hatte die genau gleiche Hutgrösse wie ich.» Die schicke Hermès-Box, ein Geschenk seiner Schwester, ist eigentlich eine Haferbox für Pferde – genau richtig für Olmos Futter.

Gleich neben Eingang und Küche befindet sich der zweite grosse Raum, das Wohnzimmer. Der Platz hinter der Tür wird genutzt für einen antiken Schrank. Darauf steht ein Lämpchen aus den Achtzigern. 

Die Sitzmöbel in Ueli Hinders Wohnzimmer sind alle alt und aus Leder und stehen beieinander wie eine Gruppe Verwandter oder Freunde in einem Club. Das Chesterfield-Sofa stammt aus seinem Elternhaus, die Sessel von einem französischen Flohmarkt, und das rote Sofa ist ein Fundstück von der Strasse. «Als ich einzog, hatte ich noch keine Sitzmöbel und sass auf alten Holzharassen statt auf Stühlen. Das war nett und unkompliziert und hatte einen gewissen Stil», so Hinder. Nun dienen die Harassen als Beistelltische, gefüllt mit Büchern und Zeitschriften.

 Die tiefen Bücherregale kommen noch von einer alten Wohnung und passen perfekt an die Wohnzimmerwand. Darin stehen auch Geschichtsbücher von Ueli Hinders Vater, Kunstbücher oder Comics. Die Bilder sind Erbstücke aus dem Elternhaus. 

Ein Kopf, der auf dem Kopf steht, Safaristühle, die man zusammenklappen kann, ein antiker Kerzenständer und ein Barwagen vervollkommnen das Männerwohnzimmer, das ein wenig an einen englischen Club erinnert.

«Das Schönste an meiner Wohnung ist, dass ich darin immer das Gefühl habe, in den Ferien zu sein. Im Sommer kann ich die Türen öffnen, und Olmo spaziert  rein und raus, ganz wie er möchte. Für Ferienstimmung sorgt auch der Ausblick auf das Grün des Gartens», schwärmt Ueli Hinder von seinem Zuhause.

Auf der Hausbar stehen Fundstücke, schöne leere Flaschen und Tischleuchten mit roten Schirmen. «Die Kabel gehören dazu. Mit Extra-Steckdosen wirkt die Einrichtung allzu perfekt und unflexibel.»

Teppiche sieht der Hausherr als Kleider der Wohnung. Im Sommer liegen sie spärlicher auf dem Boden, im Winter üppiger. Der Fernseher steht diskret in einer Ecke und kann, da er auf einem Roll-Transportwagen steht, bei Bedarf ins Zentrum gerollt werden. Ueli Hinder liebt auch die alten «Time Life»-Kochbücher aus den Siebzigerjahren und hat sogar schon einiges daraus gekocht.

Auf dem Couchtisch liegen jeweils die neusten Bücher; sie machen Lust, darin zu blättern. Bei unserem Besuch war Ueli Hinder gerade aus Berlin zurückgekehrt und hatte diese beiden Bücher aus dem Helmut Newton Museum im Gepäck.

Zwischen Küche und Wohnzimmer befindet sich ein kleines Schlafzimmer. Das Bett, eines der wenigen neuen Möbel im Haus, ist bezogen mit einer Leinen- und Baumwollbettwäsche des Einrichtungsgeschäfts Artiana, das Hinder mit seiner Schwester führt. Als Nachttischchen dient eine seiner geliebten Harassen.

Olmo geniesst die Herbstsonne auf dem Gartenweg, der um das Haus herum führt. Der Sitzplatz im üppigen Grün hält sich in Grenzen – der Weg dominiert. Ein sonniges Örtchen für einen Stuhlklassiker findet sich im Garten aber trotzdem.

Das Atelierhaus, das Ueli Hinder eine aussergewöhnliche und sehr persönliche Wohnung bietet, steht auf dem Gartengrundstück eines grossen Bürgerhauses, zu dem es auch gehört. Der Wohnraum ist ebenerdig, im Untergeschoss befinden sich das Badezimmer, eine Waschküche und ein grosser Raum, den Hinder für seine Kleider, Bücher und Bügelwäsche nutzt.

Die Homestories von «Sweet Home» finden Sie neu auch in der «SonntagsZeitung».

Credits

Ueli Hinders Websites: Hinder Schlatter Feuz, Artiana 

5 Kommentare zu «Best of: Ein Mann, ein Hund, ein Haus»

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