Geschichten von Ikonen

Die Schweizerinnen Silvie Walther-Biaggi und Susana Bruell erzählen in ihrem Buch «Weggefährten» spannende Geschichten von über 100 Designklassikern.

Die zwei designbegeisterten Frauen sind auch Weggefährtinnen. Denn seit vielen Jahren besuchen die Journalistin Silvie Walther-Biaggi und die Fotografin Susana Bruell zusammen unzählige Wohnungen, Produzenten und Designer für Geschichten in Magazinen und Büchern. In ihrem neuen Buch widmen sie sich dem Phänomen Designklassiker. Diese scheinen nie aus der Mode zu kommen, obschon viele fast hundert Jahre alt sind.

Ein Beispiel aus den 50er-Jahren ist der S. T. Tisch des Schweizer Designers Jürg Bally (1923–2002). Dahinter steckt nicht nur ein cleveres System, mit dem der Esstisch zum Teetisch verstellt werden kann, sondern auch eine Liebesgeschichte. Auf dem Tisch, den die Autorin und die Fotografin gefunden haben, entdeckten sie nämlich eine Widmung von Jürg Bally an seine Freundin und spätere Ehefrau. Der Tisch wird heute von der renommierten Schweizer Manufaktur Horgen Glarus in einer Re-Edition produziert.

Einiges älter ist der Stahlrohrstuhl von Marcel Breuer. Silvie Walther erzählt im Buch, dass Marcel Breuer im Jahr 1925 begonnen habe, mit Stahlrohr für den Möbelbau zu experimentieren. Der gebogene Stahlrohrlenker seines Fahrrads habe ihn auf das Material gebracht. Entstanden ist der Clubsessel B3.

Als schöne Bauhäuslerin bezeichnet die Autorin die Glasleuchte, die zwei Versionen und zwei Entwerfer hat. Das Bauhaus-Archiv in Berlin nennt den Schweizer Carl Jacob Jucker und den Deutschen Wilhelm Wagenfeld als die Entwerfer. 1980 aber anerkennt ein deutsches Gericht Wagenfeld als Urheber beider Versionen an. 

Aus den Sixtys stammen der Plia-Klappstuhl und der Platone-Klapptisch des italienischen Designers Gian Carlo Piretti. Der Stuhl lässt sich auf fünf Zentimeter zusammenklappen.

Eine Bekanntschaft zweier Männer wird für das Unternehmen richtungsweisend. Als Ingenieur und Erbe der Metallwerkstätte in Münsingen sucht Paul Schärer den Baumeister für einen neuen Industriebau. 1960 lernt er den Architekten Fritz Haller kennen. Beim Bau wurde den beiden Ästheten klar, dass sich das herkömmliche Büromobiliar aus Holz nicht mit dem filigranen Bau verträgt. Entstanden ist das USM Möbelbausystem, welches es nicht nur in Büros, Arbeitsräume, Banken, Galerien oder Museen auf der ganzen Welt geschafft hat, sondern auch in Wohnungen.

Das Buch «Weggefährten – Geschichten von Ikonen zum Wohnen», erschienen bei Till Schaap Editionen, ist im Buchhandel zum Richtpreis von 45 Franken erhältlich. Die Buchvernissage findet am 11. April in der Haupt Buchhandlung in Bern statt. 

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