Zwei Frauen auf drei Etagen

Die Innenarchitektin Katharina Bütler lebt mit ihrer Tochter in einem kleinen, charmanten Zürcher Reihenhaus.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Ganz am Ende der Tramlinie 5 befindet sich die idyllische, alte und geschützte Zürcher Wohnsiedlung Im Laubegg. Dort hat Katharina Bütler vor 13 Jahren eines der kleinen Häuser für sich und ihre Tochter Clara gefunden. «Wir haben eigentlich so viel Platz wie in einer Dreizimmerwohnung, bloss auf drei Stockwerke verteilt», erklärt Katharina Bütler. Genau sind es pro Stockwerk 30 m², das gibt total 90 m² Wohnraum. Katharina Bütlers Beruf ist es, anderen beim Einrichten zu helfen. Sie ist die Geschäftsführerin der italienischen Firma Boffi in Zürich. Ihre Tochter Clara, 15 Jahre alt, ist Mittelschülerin.

Ihre eigene Wohnung hat die Mutter und Geschäftsfrau sehr gemütlich und sympathisch eingerichtet. Dabei hat sie viele coole Klassiker alltagstauglich kombiniert. «Alles ist langsam gewachsen. Je grösser der Haushalt wurde, umso mehr Stauraum brauchten wir», so Katharina. Über dem Sofa Fluidum, ein Schweizer Stück, war ursprünglich nur eines der langen Wandregale. Dann kam ein zweites dazu, bald wurden die kleinen Wandregale links und rechts vom Sofa platziert sowie einige Körbe. Das Resultat wirkt frisch und gemütlich; und das Sofa ist nun, wie ein Nestchen, eingebettet von Büchern und Dingen. Damit das Ganze ordentlich wirkt, hat Kathrina die Bücher nach Farben geordnet. Im Vordergrund formschön ein Saarinentischchen mit einer O’Luce-Leuchte.

Auf einem klappbaren Beistelltisch von De Padova, einem klassischen «Butlers Table» mit abnehmbarem Tablett, stehen allerlei gesammelte edle Glasvasen beieinander in einer dekorativen Gruppe. Der Vorhang, der abends die Glastüre zum kleinen Garten verdeckt, wird bis zum Regal gezogen. «So schluckt er tagsüber kein Licht und die Sicht auf den Garten bleibt grosszügig und frei», erklärt Katharina ihre einfache, aber clevere Wohnidee. 

Die Wände wurden hellgrau gestrichen, was der offenen Etage im Parterre viel Eleganz verleiht. «Es war alles auch schon mal Terracotta, aber das helle Grau bringt viel mehr Chic», meint die Einrichtungsexpertin zu ihrer Wahl. Gegenüber dem Sofa, in einem anderen Teil des Raumes, steht ein grosser ovaler Esstisch. Die ovale Form hilft, Platz zu sparen, und lässt alles leicht wirken.

Die Wand zwischen Küche und Wohnraum liess Katharina gleich beim Einzug herausbrechen. «Das war das Einzige, was wir im Haus grundlegend verändert haben.» So entstand ein grosszügigeres Wohngefühl. Katharina Bütler wollte den gemütlichen Charakter des Hauses bewahren. Auch war das Budget für die kleine Mutter-Tochter-Familie beschränkt, da hiess es einfach, mit wenig Aufwand das Beste aus dem hübschen Haus herauszuholen. Entstanden ist ein persönliches, gemütliches Zuhause, in dem zeitgemässes Alltagswohnen und das alte charaktervolle Haus harmonisch zusammenfanden.

Die Küchenbar wurde erst viel später eingebaut. Sie war ein Wunsch von Clara, die die Bar auch rege benutzt als Platz zum Hausaufgabenmachen. Zudem grenzt sie den Küchenteil vom Wohnteil geschickt ab. Im Hintergrund geniesst gerade Katze Ureshii ihren Lunch!

Eigentlich hatte Katharina beim Einzug ein Budget für eine Ikea-Küche berechnet. Doch das kam bei Ihren Chefs natürlich nicht gut an. So baute sie die kleine, schicke Boffi-Küche ein – mit einem Mix aus offenen Regalen und geschlossenen Schränken. Dadurch können Kochbücher und kleine Dinge sichtbar und gut zugänglich ausgestellt werden. Überall tauchen kleine, persönliche Dinge, Alltägliches und Gesammeltes auf – Zeichen eines erfüllten Wohnlebens.

In der obersten Etage befinden sich die Schlafzimmer und das Bad. Katharina hat für ihr Schlafzimmer tiefe Bücherregale unter dem Fenster gewählt. Das Bett hat einen gemusterten textilen Wandbehang als Kopfende und ein grosses Staumöbel als Fussende. 

Neben dem Bett befindet sich ein praktischer und hübscher kleiner Arbeitsplatz, der zugleich auch Regal ist und Stauraum bietet. 

Claras Zimmer trägt gerade schwarz. Es ist der sechste Anstrich: «Zuvor hatte ich es pink, gelb, grün und blau gestrichen.»

Das Schwarz als Wandfarbe bringt Tiefe in das Teenager-Refugium. Auch bietet es einen schicken Hintergrund für Claras Klavier.

Die mittlere Etage wird von beiden genutzt zum Arbeiten, Wohnen und Sein. Das grössere Zimmer hat unterschiedlich farbige Wände bekommen. Wichtigstes Möbel im Raum: ein grosser quadratischer Arbeitstisch. Darüber baumelt, wie ein Mobile, eine weisse Leuchte.

Das andere, kleinere Zimmer ist das eigentliche Wohnzimmer; oder zumindest das Zimmer, in dem Mutter und Tochter am meisten wohnen. Eingerichtet ist es mit einem kleinen Corbusier Sofa, einer bequemen Liege von De Padova, vielen Bildern an den blauen Wänden und einem Kelimteppich. Gegenüber den Sitzmöbeln befindet sich der Fernseher auf einem USM-Regal. 

Das kleine Klapptischchen war bereits im Haus und ist zum Lieblingsplatz von Clara geworden. Man sieht von hier aus auf die Tramstation und das rege Zürcher Stadtleben.

Die Siedlung Im Laubegg wurde 1917 gebaut. Die Idee war, ganz nach englischem Vorbild, eine Gartenstadt zu bauen, die sich bis zum Albisgüetli ausbreitet. Sie ist nicht ganz so gross geworden. Doch die Häuser stehen auf der Liste der schützenswerten Bauten der Stadt Zürich und bieten gemütlichen Wohnraum für viele Familien. Zu jedem Haus gehört auch ein grosser Vorgarten und natürlich ein Weglein zum Eingang.

In Katharinas und Claras Eingang stehen die Gummistiefel für den winterlichen Gartenbesuch bereit. Auf dem Küchenfenster sorgen leuchtend rote und orange Deko-Peperoni für Farbe. 

Katharinas Website: Boffi Zürich