Ganz schön unordentlich

Was auf Minimalisten wie ein Durcheinander wirkt, ist für Kreative ein inspirierendes Wohnparadies.

Ich habe viele Häuser und Wohnungen gesehen, bei denen alles am richtigen Platz ist, wo tolle, angesagte Möbel dort stehen, wo sie am besten zur Geltung kommen. Oft sind auch die wenigen, aber ausgewählten Accessoires perfekt arrangiert. Wenn ich jeweils von einem solchen Ort nach Hause komme, räume ich erst mal tüchtig auf. Doch aufräumen heisst bei mir nicht wegräumen, denn ich will sehen, was ich habe. Deswegen habe ich es ja auch dort hingestellt, wo es ist.

Ich brauche Bücherstapel so ziemlich überall. Sie machen mir Lust zu lesen und zu schmökern und zeigen mir, mit welchen Themen ich mich gerade beschäftige. Auf meinem Küchenregal stehen Dinge, die nichts mit Kochen zu tun haben, mich aber während dem Kochen glücklich machen. Auch liebe ich Bilder, die keine Kunst sind, sondern mir einfach eine Stimmung vermitteln oder eine Geschichte erzählen. Unsere Lieblingsfotos klemmen schon mal am Lichtschalter oder im Spiegelrahmen.

Und so geht es endlos weiter, nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen meiner Freunde. Sind wir Messies? Nein! Wir brauchen ganz einfach eine andere Ordnung zum Wohnen und Leben. Dieser schönen Unordnung ist dieses Posting gewidmet. Für mich sind die vielen Beispiele, die ich dazu gesucht und gefunden habe, inspirierend und unglaublich wohnlich. Ich hoffe, Ihnen geht es genauso. Auf jeden Fall zeigen sie diese andere Sicht, die Ihnen vielleicht Lust macht, daheim alles ein bisschen durcheinanderzubringen. (Bild über: Homes to love)

Unordnung ist eine andere Ordnung

Viel zu haben und damit zu wohnen, ist keine echte Unordnung, sondern einfach eine andere Ordnung. Menschen, die so leben, finden das, was sie suchen, trotzdem meist sehr schnell. Auf diesem Beispiel, entdeckt im Blog Inunomimi, haben Bücher Freunde bekommen: Zimmerpflanzen, Leuchten, Bilder und viel Persönliches. 

Schönes wächst immer

Das eine führt zum anderen – nach diesem Prinzip sind die meisten sogenannt unordentlich wirkenden Einrichtungen entstanden. Man hängt ein Bild auf und findet andere, die dazu passen. In einem charmanten Hinter- und Voreinander zusammen mit Büchern, Kunst und schönen Dingen ist das in diesem Wohnzimmer geschehen, entdeckt im Blog Sabon home.

Unordnung ist Freiheit

Eine strenge Ordnung oder ein ganz bestimmter, klarer Stil sind grosse Einschränkungen beim Einrichten. Es sieht zwar schnell alles toll, sauber und anschaulich aus. Und man ist in absehbarer Zeit fix und fertig eingerichtet. Bei Menschen, die das nicht anstreben, ist dieses «Fertig-eingerichtet-Sein» eine Sackgasse. Was nun? Umziehen und von vorne beginnen? Nein, sie entscheiden sich für die Freiheit der Unordnung, das Wachsenlassen, den Stilmix und das Aussergewöhnliche. Eine, die das zum Beruf gemacht hat, ist die englische Interiordesignerin Abigail Ahern. Ihre Einrichtungen sehen zwar cool aus, sind aber immer persönlich und lassen die Möglichkeit zum Wachsen und Verändern offen. (Bild über: Apartment therapy)

Patchwork und Collagen

Im Gegensatz zu den Minimalisten genügt den Menschen mit üppigerem Wohnstil dieses eine perfekte Stück nicht. Sie lieben es, Welten und Geschichten zu kreieren, und das gelingt mit dem Zusammenfügen mehrerer Dinge. Wie bei Patchwork oder Collage bedeutet das, dass unterschiedliche Sachen zusammen ein neues Ganzes ergeben. (Bild über: Inunomimi

So leben, wie man will

Sie lieben Antikes, aber Ihr Herz schlägt auch für cooles Design? Sie mögen es chic, aber Ihr Budget ist zu klein für grosse Eleganz? Alle diese Entscheidungen muss man nicht fällen, wenn man alles zulässt und einfach so lebt und wohnt, wie man kann und will. Wie toll und persönlich das aussehen kann zeigt dieses Bild, entdeckt im Blog Better happier inspired.

Die Geschichten des Lebens

Es gibt Menschen, die leben und wohnen nur im Hier und Jetzt. Und dann gibt es jene, die es lieben, zurückzublicken und dabei zu entdecken, wie weit sie gekommen sind. Zu den Geschichten des Lebens gehören oft Bücher, Fotos und Memorabilien – und die haben Platz in reich bestückten Wohnungen. (Bild über: Bookriot)

Einfach ist einfacher

Wir leben in einer Zeit, in der nicht zuletzt dank den Social Media Luxus und Reichtum wichtige Werte geworden sind. Da kann man kaum mithalten, denn es gibt immer Menschen, die mehr haben. Wer aber auf Einfachheit setzt, kann ein einfacheres und doch sehr reiches Leben haben. Einfachheit ist nicht dasselbe wie Minimalismus. Man gibt sich nicht mit weniger, sondern mit einfacheren Dingen zufrieden. Man lebt und wohnt nicht mit Luxuslabels und Prestigeobjekten, sondern mit Fundstücken von Flohmärkten und Brockenhäusern, legt gerne auch selber Hand an und kreiert so Einrichtungen, die aussergewöhnlich und persönlich sind und somit unvergleichbar. (Bild über: Heart home mag)

Alles begann mit den Bohemians

Das Prinzip, so zu leben, wie man will, und unabhängig von den gesellschaftlichen Werten zu sein, haben die Bohemians schon vor über hundert Jahren gelebt. Ein wunderschönes Beispiel dafür ist das Haus Charleston, in dem Vanessa Bell, die Schwester von Virginia Woolf, mit Duncan Grant gewohnt hat. Es diente als Zuhause der Bloomsbury Group und wurde mit viel künstlerischer Freiheit eingerichtet und gestaltet. Lesen Sie mehr darüber in der Sweet-Home-Geschichte «Charleston, das Haus der Bloomsbury Group». (Bild über: onekindesign)

Buch zum Thema: 

Im Verlag teNeues ist ein Buch zu diesem Thema erschienen, es heisst «A Beautiful Mess. Die Kunst der opulenten Gemütlichkeit» und widmet sich dem üppigen, eklektischen Wohnstil. 

Credits und Links zur Geschichte: 

Blogs und Magazine: Homes to loveSabon homeApartment therapyInunomimiBetter happier inspiredHeart home magBookriotonekindesign 
Interiordesign: Abigail Ahern
Bücher zum Thema: «A beautiful mess» von TeNeues, «A perfectly kept House is the sign of a misspent life» von Rizzoli

Sweet-Home-Geschichten zum Thema: «Charleston, das Haus der Bloomsbury Group» «Der Bohemialook – ein Wohnstil für Kreative»

21 Kommentare zu «Ganz schön unordentlich»

  • mexiko sagt:

    Wenn man eine große Liebe für Bilder , Bücher, Pflanzen, Keramik und Stoffe empfindet und dabei ein kreatives Denken hat, wird alles kunterbunt. Ich poste ,dass jetzt nur , weil ich weder vermufft noch staubig lebe, ich bin leider in meiner Vergangenheit in Wohnungen gewesen, da hat es nach Schweinebraten gerochen, und dann noch keine Bilder oder so merkwürdige gekaufte, Ledersofa und Einbauküche. Das ist schön?

  • ruf sagt:

    Man kann alles Schönreden, deswegen wird es nicht besser. Mir wäre es nicht wohl in solch einer unaufgeräumten Wohnung.

  • Elaine sagt:

    Auf keinem Bild sehe ich Unordnung. Es ist halt viel drin, aber alles total aufgeräumt.

  • Kriss Gass sagt:

    Sehr schön !!!
    „Unordnung“ ist nicht gleichzusetzen mit Chaos (= Unaufgeräumtheit) im Kopf.
    Ich habe immer alles sofort zur Hand und muss nicht suchen. Dreckig ist es bei mir auch nicht.
    Aber wie heißt es so schön: Jedem Jeck sing Pappnas (Kölner Karnevals-Motto 2012)

  • marusca sagt:

    @HpQ: Ich wüsste nicht, was „Leben“ mit jahrelang aufgestapeltem Dreck, abgewetzten Teppichen und messimässigen Wohnungen insgesamt zu tun hätte. Ich liebe gepflegte Wohnungen, die nicht schon in der Diele nach alten Lumpen riechen.

  • Sabine Honegger sagt:

    Unordnung?
    Ich finde das keine Unordnung. Einfach viele Sachen und wenig Platz.

  • Luise sagt:

    Für mich Asthmatikerin ein Graus. Schon der Anblick all dieser Stapel und Dekorationen schnüren mir die Luft ab.

  • Anna sagt:

    Mich würde wundern wie oft die Leute die in diesen gemütlichen unaufgeräumten Wohnungen leben diese auch putzen den Staub allein kann man ia schon förmlich riechen.Wünsche noch einen guten Appetit beim Essen.

    • Tino sagt:

      Oh ja, in solchen Wohnungen ist Niessen angesagt. Der Staub der Jahre legt sich auf dem Krimskrams und wenn man einen Stapel aufhebt, kann man die Partikel im Sonnenlicht tanzen sehen.
      Was ich auf den Bildern sehe, sind erste Schritte ins Messitum.

  • Deborah sagt:

    Danke, Frau Kohler. Dieser Beitrag gab mir den Nervenkitzel. Ich bin Ordnungsfreak, aber über die Jahre ist mir die Ordnung selbst zu kahl und unheimelig geworden. Ich weiss jetzt auch eine unordentliche Ordnung zu schätzen und ich habe mir sogar Krimskrams vom Flohmarkt ins Haus geholt!
    LG, Debs
    http://www.ordnungsliebeblog.wordpress.com

  • Zoe Bee sagt:

    Ein Blog, der mir aus dem Herzen spricht. Endlich fühle ich mich „normal“ und verstanden. Vielen Dank!

  • Sina sagt:

    Hm, und in welche Kategorie gehöre ich denn nun? Ich finde alles-in-einem-Stil und Luxus-/Prestige-Objekte genau so schrecklich zum Wohnen und Leben wie viel-haben und schöne Unordnung. In ersterem erfriere und verkümmere ich, in zweitem ersticke und ertrinke ich. Ich mag persönliche, organisch-langsam gewachsene Einrichtung, für die kein Vermögen ausgegeben wird, aber alles ordentlich weggeräumt mit möglichst viel Luft und Raum zum Atmen. Weniger ist mehr, aber was da ist, soll Charakter haben, nicht Trend.

  • marusca sagt:

    Schlön wenn man in derartigen Sammelsurien leben kann. Ich kann’s nicht.

    • marusca sagt:

      @UW:In einer Wohnung, in der „gelebt wird“ muss es aber nicht unbedingt aussehen wie einem Trödlerladen. Man kann nämlich bei den meisten Bildern den Staub von Jahren förmlich riechen und all dem abgewohnten Tand inklusive verlaust aussehender Teppiche kann nun mal noch lange nicht jeder etwas abgewinnen, ob das Mary Randolph Carter nun gefällt oder nicht; sie passt allerdings selber genau zu diesem Wohnstil.

      • HomeImprovementQueen sagt:

        Uiii, Marusca, du hast meine Erwartungen soeben übertroffen. Noch wärend ich durch die Fotos scrollte, schloss ich Wetten mit mir selbst ab – in welchem Kommentar kommt der „Staub“ zur Sprache, urschweizerischter aller urschweizerischen Einwände. Im 3. ? Im 5.? Nein, schon im 2. kommt das Geklöhne vom ewigen Staub. Bravo! Auch im Display bei Conforama sammelt sich Staub an, im Fall. Bloss Leben, das hats da nicht.

        • mia sagt:

          Eine ganz typische Schweizer Eigenheit ist es, Hässliches schön zu finden und Schönes, Stilvolles entweder als „kitschig“ oder als „heikel“ zu bezeichnen. Schweizer haben sowieso in fast allem einen ultraschlechten Geschmack und absolut keinen Stil.

          • Henriette sagt:

            Das ist jetzt aber schon ein gedankenloser Rundumschlag; denken wir doch nur an unsere vielen begabten und kreativen Designer, die beweisen, dass bei uns nicht Biederkeit sondern Innovation und Ideen vorhanden sind. Schweizer gleich schlechter Geschmack, diese Aussage ist nun wirklich daneben !

          • Helgy sagt:

            Ach Mia, du bist bestimmt keine Schweizerin, aber ganz schön frustriert! Deine Antwort zeugt auf alle Fälle von einem ultraschlechten Geschmack und absolut keinem Stil!

  • Urs Witschi sagt:

    Super! Endlich zeigen Sie Bilder von Wohnungen in denen gelebt wird. Lebendiger statt «Schöner Wohnen».
    Dazu gibt es noch ein zweites Buch von Mary Randolph Carter mit dem schönen Titel «A perfect kept house is a sign of a misspent life.»

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