Es braucht beides – Kunst und Kitsch

Sinnlich, stylish und wunderbar wohnlich: So lebt der Zürcher Interiordesigner Dominique Brunner.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Der Mann kann was. Das wird sofort klar, wenn man Dominique Brunners Gartenwohnung am Zürichsee betritt. Die Ambiance und der Stil der Wohnung sind unglaublich sexy und zugleich so entspannt wohnlich, dass man am liebsten ebenfalls dort leben möchte. Auch der Garten strahlt Freundlichkeit aus und ist liebevoll bepflanzt. Dominique Brunner ist Interiordesigner und richtet Häuser, Villen, Wohnungen und Feriendomizile für Privatpersonen ein. Dabei ist er erfolgreich, begehrt und viel unterwegs. Viele seiner Auftraggeber sind Freunde geworden – Wohnen und Einrichten sind eben sehr persönliche Angelegenheiten.

Kein Wunder, braucht der vielbeschäftigte Mann einen Rückzugsort und ist auch gerne mal alleine. Seine Wohnung bezog er vor 15 Jahren. «Ich konnte sie im Rohzustand mieten. Als mein Vermieter meinen Beruf erfuhr, gab er mir freie Hand mit dem Innenausbau. Einzig die Küche und das Bad waren gesetzt.» Die Fünfzimmerwohnung verfügt über halboffene Räume, die ineinander übergehen. Sie ist dunkel, mit Doussie-Holzboden und schwarz gestrichenen Wänden.

Auch tagsüber und bei Sonnenschein wird sie mit schmucken, raffinierten Lampen und vielen Kerzen beleuchtet. Dieses selbst geschaffene Licht macht alles magisch, intim und besonders. Einzigartig sind nicht nur die Leuchten und das Licht, sondern auch die Möbel, die Kunst und die vielen Wohnaccessoires. «Meiner Meinung nach braucht es immer beides: Kunst und Kitsch», lacht Dominique Brunner, «das belebt eine Wohnung, macht sie echt!» 

«Ich habe nicht gerne Symmetrie.»
Dominique Brunner

Aus dem sinnlich dunklen Wohnzimmer leuchten zwei coole, rote Sessel heraus. Humorvoll und zugleich edel, wie rohe Diamanten. Es sind die «650 AEO» von Paolo Deganello für Cassina aus den Siebziger Jahren. Sie gesellen sich zusammen mit zwei Samtsesseln, ebenfalls von Cassina, und einem grossen, langgezogenen, eleganten Sofa um einen Couchtisch von Noguchi. Dazwischen stehen Hocker und Beistelltische, und alles wird zusammengefügt mit einem flauschigen, schwarzen Pelzteppich. Zwei grosse, schwarzweisse Bilder vervollkommnen den Raum. Das Bild über dem Sofa ist Dominiques Lieblingsbild. «Ich musste es einfach haben, es passt perfekt zu mir und zu meiner Wohnung» schwärmt er vom Kunstwerk von Marcel van Eeden, das er in einer Ausstellung in einer Zürcher Galerie entdeckte. 

«Ich schaue gerne fern», gesteht der Hausherr. So entdecken wir, aber erst auf den zweiten Blick, fast in jedem Raum einen grossen Bildschirm. Der Profi hat es geschafft, die Fernseher so zu platzieren, dass sie optisch verschwinden aber nicht versteckt sind. Dabei hilft natürlich das dunkle Umfeld. 

Ein anderer, wichtiger Faktor, der das natürliche Zusammenspiel zwischen Stil und Wohnqualität schafft, ist die Entspanntheit der ganzen Einrichtung. Obschon sie raffiniert und erlesen ist, dominiert doch das Beiläufige, welches schlussendlich echte Eleganz ausmacht. Es sind ausgewählte Einzelstücke, die hier gekonnt zusammenkommen.

Dominique Brunner findet seine eigenen Möbel, aber auch die seiner Kunden und die, welche er in seinem Zürcher Einrichtungsgeschäft Pure Living verkauft, nicht nur auf Messen, sondern auch in Vintage-Galerien. Das gilt ebenfalls für die vielen Glasobjekte, die er sammelt und von denen einige hier auf dem Regal zwischen Büchern und anderen Objekten stehen. Da sind Vasen von Venini und solche von Lalique oder Baccarat, zum Teil sehr alte. Dazwischen findet man aber auch hier das bisschen Kitsch, das gemäss Dominique einfach dazugehört. Und das Licht, welches durch antike Lämpchen und durch indirekte Spots das eine oder andere zum Strahlen bringt.

«Mein Geschäft Pure Living ist so etwas wie eine 3D-Visitenkarte», erklärt Dominique. Aber nicht nur Kunden, die sich von ihm ihr Zuhause einrichten lassen, besuchen ihn da. Auch Wohnbegeisterte, die sich inspirieren lassen möchten und in der eleganten Wohnboutique auf Entdeckungsreise gehen, kommen gerne vorbei. Man findet bei Pure Living neben Möbeln und Einrichtungsideen auch kleine Dinge, tolle Vasen zum Beispiel, die perfekte Geschenke hergeben.

Über dem Geschäft findet die Planung statt. Da arbeitet Dominique mit seinem Team von sieben Mitarbeitern. Dazu gehören Interiordesigner, Innenarchitekten, Berater und Administration. Gegründet hat er sein Geschäft  vor 18 Jahren, doch langweilig wird ihm nicht: «Jedes Projekt ist anders, denn jeder Kunde und jede Kundin sind verschieden, haben unterschiedliche Charaktere und Wünsche. Das macht die Arbeit spannend und persönlich», erklärt Dominique Brunner begeistert seinen Beruf. 

Neben dem mit sandfarbenem Samt bezogenen Sofa von Ceccotti steht eine vintage Stehleuchte. Die Ecke ist diskret ausgefüllt mit Kunst aus Galerien und solcher vom Flohmarkt. Das Sofa ist bestückt mit Kissen und einem Plaid, die zwar perfekt passen, aber eben doch sehr beiläufig wirken. Man merkt überall, dass Dominique Brunner lebendig einrichtet und nicht einfach einen gewissen Stil nach einem bestimmten Schema umsetzt. So beantwortet er denn meine Frage, ob seine Einrichtung schon immer so war und auch so bleibt, mit einem klaren Nein. «Es kommt immer wieder etwas dazu oder etwas weg – je nach Lust und Bedürfnis. Echte Einrichtungen bleiben lebendig. Auch meine Kunden kommen immer wieder zu mir zurück, denn auch sie möchten ab und zu wieder mal was Neues. 

«Ungefähr alle sieben Jahre kommt bei den meisten der Wunsch nach einem frischen Look auf.»
Dominique Brunner

Zur sinnlichen Üppigkeit der Einrichtung gehören neben Kerzen und Duftkerzen auch elegante Blumensträusse. Dominique mag Rosen, am liebsten alle in der gleichen Sorte, dicht eingestellt in edlen Vasen. Durch die Räume strömt ein dezenter, eleganter Duft. Es handelt sich dabei um Kerzen von Cire Trudon mit dem Duft «Spiritus Sancti». Auch bei den kleinen Dingen und den Details zeigt der kreative Mann grosse Begeisterung. So lässt er uns an verschiedenen edlen, natürlichen Duftkerzen riechen und wir diskutieren lange über die wichtige Bedeutung des Duftes im Raum. 

Die dunkle Wohnung und der lichte, sonnendurchflutete Garten verstehen sich prächtig. Im Sommer sind die Schiebetüren offen und laden ein, nach draussen zu gehen oder von der Sonne zurück in das elegant gemütliche Refugium. Wie tanzende Vögel vermittelt das bezaubernde Mobile von Derick Pobell an der Decke zwischen dem Drinnen und dem Draussen. 

Der Garten wirkt eher wie ein Villengarten als wie einer, der zu einer Mietwohnung gehört. Auch dieser Eindruck ist mit Dominique Brunners Talent und Können entstanden. Ähnlich wie in der Wohnung hat er auch hier Bereiche geschaffen. «Eingerichtet» hat er mit Einzelstücken und ohne Symmetrie. Vieles wächst üppig aus grossen Töpfen. Dabei wechseln sich unterschiedliche Pflanzen und Texturen ab, wie hier Funkien, Hortensien und gelbe Mohnblumen. Auf dem Sitzplatz steht ein weisser Esstisch mit weissen Stühlen von Richard Schultz von Knoll International.

Als wir den Termin für das Fotoshooting abmachten, hofften wir wegen der Gartenaufnahmen auf schönes Wetter. Zum Glück haben wir vorletzte Woche genau den einzigen Nachmittag  getroffen, an dem die Sonne schien. Am Vorabend schickte mir Dominique augenzwinkernd ein Filmchen von der Veranda mit prasselndem Regen auf der weissen Store. Doch da Dominique Windlichter mit brennenden Kerzen auf den Tisch stellte, kam auch das wunderbar gemütlich rüber. 

Aber klar wirken die Steinmäuerchen, die Deko-Holzkugeln und die grossen, eingetopften Büsche auf dem Foto viel besser in der Sonne. Sie umrahmen hier eine elegante weisse Outdoor-Liege von Richard Schultz auf dem Rasen. Für den Aussenbereich hat der Designer lediglich weisse Möbel gewählt und hebt so die helle Natur noch deutlicher von der sinnlich dunklen Wohnung ab. 

Das grosse Wildschwein aus Holz haben ihm Freunde geschenkt. «Sie stellten es einfach in den Garten. Ich bin vor Schreck erstarrt, da ich dachte, es sei echt!» erinnert sich Dominique Brunner vergnügt. 

Auf dem Sitzplatz kann man nicht nur essen und am Tisch sitzen, sondern auch gemütlich auf bequemen Outdoor-Corbusier-Sesseln von Cassina fläzen. Diese Modelle haben Stoffbezüge, kein Leder. Zwei weisse Schaffelle hellen sie auf und machen sie noch weicher. 

Durch grosse Flügeltüren gelangt man zurück in die Wohnung. Das Esszimmer, das auch einen Salonbereich hat, ist heller als das Wohnzimmer. Hier sind die Wände in einem warmen Hellgrau gestrichen. Doch auch hier küsst das Licht der vielen Leuchten den Raum und flüstert ihm so diese ganz bestimmte wohnliche Sinnlichkeit ein, welche die ganze Wohnung einnimmt. 

Die Leuchten sind wie die Vasen, die Kunst und die ausgewählten Möbelstücke eigenständig und haben einen starken Charakter. Obschon die Wohnung voll ist, die Möbel vorwiegend im Raum stehen und die Wände mit Bildern behangen sind, wirkt alles ordentlich und lässt viel Platz zum Leben und Wohnen. 

«Ich liebe es aufgeräumt, sauber und ordentlich.»
Dominique Brunner

Als Esstisch hat der Interiordesigner den «Saarinen» von Knoll gewählt. Die Stühle, welche wie kokette Skulpturen wirken, sind von Warren Platner, auch von Knoll. Von der Wand zwischen der Küche und dem Entree schaut ein Bild von Dimitri Horta in den Essbereich und Salon. 

Überall kleiden sanftgraue, halb transparente Leinenvorhänge die grossen Fenster. Sie filtern das Licht, schaffen Privatsphäre und viel Stimmung. Dank dem Barstuhl kann man sich an die Küchentheke setzen, und ein kleines Holztischchen mit zwei ähnlichen, aber unterschiedlichen Stühlen bietet einen gemütlichen Frühstücksplatz.  

Sind in der Küche die Leinenvorhänge klassisch an einer Schiene befestigt, haben sie im Rest der Wohnung, wie auch hier im Schlafzimmer, grosse Metallösen und flechten sich auf dicke Metallstangen. Ein Kontrast, der provoziert und für Spannung sorgt. Auch das Schlafzimmer hat Dominique Brunner in zwei Bereiche geteilt und so eine grosszügige Ankleide bekommen. In beiden Raumteilen wohnen auch schrille freundliche Sitztierchen – nämlich «Pony» und «Tipi» von Eero Aarnio. 

Ich habe die Leuchten in Dominique Brunners Wohnung nicht gezählt, aber es sind deren viele. Und nicht alle erkennt man als solche. Viele von ihnen sind eine Art Lichtskulptur oder Glaskunst, die leuchtet. Hier in der Ankleide stehen einige in einer Gruppe zusammen mit Vasen und Familienfotos. Dahinter erkennt man Hosen, die perfekt an der Stange hängen. 

Auch dunkel, aber nicht schwarz zeigen sich die Wände im Schlafzimmer und in der Ankleide. Sie sind in einem warmen Waldgrün gestrichen. Das grosse Bett von Schramm hat ein Samtkopfteil und eine Decke, die aus Fuchsfellen genäht ist. «Die Füchse sind alles Schweizer Stadtfüchse, die aus verschiedenen Gründen abgeschossen werden mussten», erklärt Dominique. 

Natürlich ist auch das Schlafzimmer voller Wohnlichkeit. Das «Infinite»-Regal von Franco Albini, ein Sessel, Bilder und wunderbar schmucke Leuchten sorgen dafür, dass man sich geborgen, zu Hause und wohl fühlt. 

Dominique Brunner auf den Netz: 

Innenarchitektur und Einrichtungsgeschäft: Pure Living
Instagram: @dominiquem.brunner

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