Weshalb Antikes jeder Wohnung guttut

Mit Antiquitäten wird Ihr Zuhause einzigartig. Denn alte Möbel erzählen Geschichten – und machen Neues liebevoller.

Antikes hat Geschichte

Was haben Sie bei Ihrer ersten Shoppingtour nach der langen Zuhausezeit als Erstes gekauft?

Bei mir war es ein antikes Regal vom Flohmarkt. Eigentlich wollte ich gar nicht so richtig in die Stadt. Doch meine Sehnsucht, wenigstens ein bisschen den See zu sehen, brachte mich mit meinem Hündchen Miss C. ans Bellevue in Zürich. Da war natürlich ein kleiner Abstecher auf den Flohmarkt selbstverständlich. 

Schon auf dem Spaziergang in die Stadt hinunter machten wir Halt in einer Antik-Werkstatt in einem hübschen Innenhof, in den Miss C. mich zog. Ein langer Schwatz, spannende Geschichten und ein Blick hinter die Kulissen zeigten mir wieder die Freuden einer echten Shoppingtour. Es geht dabei eben nicht zwingend um das Einkaufen und Konsumieren, sondern um das Entdecken, das Erlebnis, den Austausch mit Menschen. Und das macht mir mit Antiquitätenhändlern, Trödlern oder Antikhandwerkern besonders viel Freude. Ich schätze ihre Liebe zu ihren Fundstücken, die Geschichten, die sie erzählen, und das wehmütige Zögern beim Loslassen eines Gegenstandes, den sie verkaufen. (Bild über die Teppichfirma Kat and Maouche)

Einzelstücke sind einzigartig

Das Regal hat eigentlich gar keinen Platz in meiner Wohnung. Es zwingt mich, umzudenken und umzustellen – und das ist jetzt genau das Richtige. Es hilft – zumindest mir –, mit den Veränderungen und Verunsicherungen klarzukommen, und stimmt ein auf das Erwachen aus der Erstarrung. Klar kann man das auch mit neuen Möbeln erreichen. Doch diese wählt man aus ganz anderen Gründen aus. Meist sucht man nach etwas ganz Bestimmtem, startet dafür eine grosse Recherchearbeit, misst ab, wägt ab, bestellt es dann beim Einrichtungshändler und wartet auf die Lieferung und die Montage. Alte Stücke hingegen sind Fund- oder Erbstücke. Sie kommen zu einem, irgendwie, weil sie müssen. Und so schafft man Platz für sie und liebt sie, weil sie einzigartig sind. Und weil sie einem mit ihrer langen Geschichte nicht wirklich gehören, sondern einen eher begleiten. (Bild über: Light Locations

Jede Dekade hat ihren Charme

Manchmal frischt man alte Stücke ein wenig auf, macht sie salonfähig oder passt sie ihrem neuen Zuhause an. Sie müssen nicht zwingend bereits Hunderte von Jahren erlebt haben. Manchmal genügt es, wenn sie aus der Jugendzeit der Eltern oder Grosseltern stammen. Auch ein etwas schrulliger Sessel aus den Siebzigerjahren, ein kokettes Fifties-Tischchen oder irgendetwas Dunkles, das in einem Vierzigerjahre-Schlafzimmer seine Blütezeit erlebte, kann einem ans Herz wachsen. (Bild über: The Armadillo&Co Journal

Modernes wird zeitlos

In Begleitung der richtigen Stücke bekommt eine moderne Einrichtung erst richtig Klasse. Sie wird zeitlos, nicht bloss trendy, und erscheint nicht wie in einem Showroom. Was immer hilft, ist ein antiker, schöner Teppich, der gross genug ist, eine Möbelgruppe zusammenzuhalten. Auch schön wirken einzelne antike Sessel, ein alter Spiegel oder ein kleines Beistellmöbel aus einer vergangenen Epoche. (Bild über: The Ketchem

Von hier und da und anderswo

Wenn Ihrem Wohnzimmer ein französischer Sessel oder ein buntes persisches Kissen fehlt, dann finden Sie das bestimmt in der Trouvaille. Das hübsche Antiquitätengeschäft in Widnau bietet auch neue Dinge wie Kissen und Teller von Les Ottomans. Man findet da zudem edle französische Damastservietten, mit Tapeten bezogene Paravents und ganz viele andere wundervolle Fundstücke. Tauchen Sie auf Instagram in die inspirierende Welt der Trouvaille ein und schauen Sie sich noch mal die sinnliche Gastgebergeschichte der beiden Eigentümer Marlise und Roland Spirig auf Sweet Home an. 

Schlafen wird zum Traum

Gar nicht einfach zu finden sind schöne alte Betten. Je älter die Betten, umso kleiner sind sie. Auch findet man eher Einzel- statt Doppelbetten. Dies gehörte früher zum guten Ton. Dazu kommt, dass es in der Schweiz keine Aristokratie gab. In Himmelbetten oder anderen kostbar ausstaffierten Schlafstätten zu schlafen, war Sache der Reichen. Familien aus dem Bürgertum wohnten und ruhten hingegen eher vernünftig – und in Bauern- oder Arbeiterhaushalten schlief oft eine ganze Familie zusammen im gleichen Zimmer. Wenn Sie also himmlisch schlafen möchten wie Königinnen und dafür nach passenden antiken Betten Umschau halten, dann brauchen Sie bei der Suche etwas Ausdauer. Eine andere Möglichkeit ist es, einem klassischen Bett eine elegante Ausstaffierung zu geben und das Schlafzimmer mit einer hübschen, antiken Kommode oder einem Armoire zu veredeln. (Bild über: Thouswell)

Stile finden sich

Ein Stilbruch muss nicht «clashen», sondern kann ganz harmonisch wirken, wie in diesem Beispiel des Blogs Delikatissen. Heute kauft man seine Möbel eher alle in einer relativ kurzen Zeit oder angepasst an eine neue Wohnsituation. Es gab Zeiten, da zog man viel weniger um. Oft blieb man im Elternhaus wohnen oder zog später dorthin zurück. So übernahm man einige Möbel, und neue kamen dazu. Auch dieser Wohnstil wirkt ein wenig so. Hier umrunden Stühle aus den Zwanzigerjahren einen Tisch aus den Sixties und werden begleitet von einem zeitgenössischen Wand-Sideboard. Ein alter Perserteppich sorgt für Wärme und Bodenhaftung. 

Es muss nicht immer ein Möbel sein 

Es braucht nicht zwingend diese Wahnsinnskommode aus dem 18. Jahrhundert oder Opas Loungesessel von Corbusier. Auch wenn solch edle Stücke bestimmt sehr wertvoll sind, tun es manchmal kleine Dinge mit grossen Geschichten auch. Bleiben Sie aufmerksam und gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt, durch die Geschäfte und die Märkte. So finden Sie Dinge, in die Sie sich verlieben und mit denen Sie Ihrer Einrichtung eine eigene Handschrift verleihen können. (Bild über: Diana Marie Home)

Schatzkiste für Perlentaucher

In ihrem liebevoll bestückten Geschäft mitten in St. Gallen bieten Trudy und Vinz viele solche Kostbarkeiten an. Sie finden Bilder mit Porträts, Amphoren für den Balkon oder die Terrasse, wunderbare Konsolentische, Parfümfläschchen, Leuchter, aber auch Staumöbel, Paravents, Gartenzwerge oder Schokoladendosen, die alle das Geheimnis der Vergangenheit in sich tragen. Wer Antikes liebt, für den ist das Geschäft ein richtiges Märchenland. Lassen Sie sich auf dem Instagram-Account von Trudy und Vinz zu einer Shoppingtour nach St. Gallen verführen. 

Altes macht Neues liebevoller

Haben sie eine kleine Statue, einen Leuchter oder eine antike Backform erstanden? Dann beehren Sie die Küche damit. Besonderes muss nicht immer mitten ins Wohnzimmer. Antikes macht auch eine coole Küche oder ein funktionales Bad persönlicher und liebevoller. (Bild über: The Cooks Atelier)

Immer schön eins nach dem anderen

Altes und Neues kann sich nur finden, wenn die Einrichtung tolerant ist. Diese Charaktereigenschaft kann man nur mit natürlichem Wachstum erhalten. Also immer schön ein Stück nach dem anderen. Je nach momentanem Budgetstand oder Laune kann man so langsam zu echten Lieblingsstücken und einer unverwechselbaren persönlichen Einrichtung finden. (Bild über: Planète Déco

Retro ist nicht uralt

Auch Retro ist antik. Damit werden meist Wohnstile und Objekte des 20. Jahrhunderts beschrieben. Das kann der Nierentisch aus den Fünfzigerjahren sein, die Wohnlandschaft mit Alcantarabezug aus den Siebzigern oder die ultramarinblaue Knautschcouch aus den Eighties. Egal, ob Sie nun mehr Retrosachen als Gegenwartsmöbel haben oder umgekehrt – überall gilt: besser im Mix als im Totallook. (Bild über: SF Girl)

Design mit Stammbaum 

Den Adelsschlag bekommt ein Retrostück mit dem Titel «Design». Zum Designstück wird es, wenn seine Herkunft gutem Design verpflichtet ist und sein Erschaffer ein Designer, Architekt oder Künstler war. Wer was, warum, wo und wie gemacht hat, weiss Roman Dieziger. Er hat gerade, mitten in der Corona-Zeit, sein Geschäft Max Designklassiker an einen neuen Standort gezügelt. Nämlich von der Zürcher Altstadt an die lebendige Kanzleistrasse im Kreis 4. Besuchen Sie Roman Dieziger auch daheim. Und auf seinem Instagram-Account erfahren Designliebhaber immer, wenn es etwas Neues oder Besonderes zu entdecken gibt.

Antik ist gemütlich

Zum Schluss kommen wir zum beliebtesten antiken Möbelstück, dem Holztisch! Von diesem erwartet man keinen Designhintergrund, aber so richtig viel Gemütlichkeit. Ein grosser, alter Holztisch verkörpert auch Geselligkeit, Geschichte und Beständigkeit. Selbst in den coolsten Wohnungen, in puristischen Reichen oder in trendy Lofts ist er zu finden. Oft wird er gekonnt kombiniert mit Designerstühlen, wie hier auf diesem Beispiel von Rockett St. George. (Bild über: Dear Designer)  

Ein Tisch fürs Leben

Ganz dem schönen alten Holztisch hat sich Dölf Bachmann verpflichtet. Das ist auch der Tischler, von dessen Werkstatt ich zu Beginn dieser Geschichte berichte. Wer durch die Zürcher Marktgasse oder die Oberdorfstrasse spaziert, bleibt bei seinen Geschäften bestimmt stehen und schaut durch die Fenster in eine bezaubernde, hinreissend schöne Welt. Diese lässt an einen Ort in einem alten französischen Film denken, entführt in das Paris von Maigret oder Brassaï. Einfach in Farbe, nicht in Schwarzweiss. «Tisch Made CH» hat keine Website, die Kontaktdaten sind einfach an die Ladentüre gepinnt. (Bilder: MKN

Credits: 

Blogs und Magazine: The Armadillo&Co Journal, Thouswell, The Ketchem, Delikatissen, Diana Marie Home, Planète Déco, SF Girl
Shops: Trouvaille, Trudy und Vinz, Max Designklassiker, Rockett St. George, Tisch Made CH 
Teppiche: Kat and Maouche
Locationagenturen: Light Locations 
Kochschule: The Cooks Atelier

3 Kommentare zu «Weshalb Antikes jeder Wohnung guttut»

  • Hampi sagt:

    vor ca. 2 1/2 jahren haben sie auch einen artikel über antike möbel kombiniert mit modernen sachen. auf diesem bild war ein antiker tisch und ein sekretär zu sehen. das ganze sah so „ahmächelig“ und warm aus. ausserdem habe ich mich total in den sekretär (aus holz) verliebt. im internet würde ich fündig und habe sofort so ein prachtstück gekauft. jetzt steht er in meinem zimmer und ich schaue ihn immer noch oft sn, weils wirklich super aussieht. vilen dank für die inspirationen. hampi

  • Hannes sagt:

    Ich finde, weniger ist mehr. Wenn jedes Stück ein Designstück ist, oder antik, wirkt es einfach nur noch protzig

  • pinkpoet sagt:

    Ich würde es etwas anders ausdrücken. Brüche in der Gestaltungs-Zeitebene – sei dies in der Architektur oder Innenarchitektur – beleben die Wahrnehmung. Nicht umsonst lieben wir die gewisse Patina.
    Ich blättere aktuelle Heim- und Wohnhefte seit Jahren extrem schnell durch, weil mich gerade die dargestellte Architektur selten umhaut. Die Wohnräume erscheinen steril durchgestylt – und ein Museum ist kein Wohnraum, da zieht es mich nicht hinein…
    Ein Möbelmix aus verschiedenen Epochen hat zumeist einladenden Charakter – Antikes ist mir da schon eher wieder Objekt zum Ansehen und nicht zum Gebrauch, also näher am Museum.

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