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Waschen, legen, feuern, bitte!

Thomas Kobler am Samstag den 18. Mai 2013
Carlos Bernegger.

Das geht auf keine Kopfhaut: Carlos Bernegger mit vollem Körpereinsatz, 11. Mai 2013. (Keystone/Urs Flüeler).

Wer ist hier der Bekloppte? Im Bild: Bayern-Sportdirektor Mathias Sammer (M.) und Dortmund-Trainer Jürgen Klopp (l.) im Zwiegespräch, 4. Mai 2013. (AP/Martin Meissner)

Wer ist hier der Bekloppte? Im Bild: Bayern-Sportdirektor Mathias Sammer (M.) und Dortmund-Trainer Jürgen Klopp (l.) im Zwiegespräch, 4. Mai 2013. (AP/Martin Meissner)

Als am 32. Spieltag der Bundesliga Matthias Sammer und Jürgen Klopp beim Auftritt der Bayern im Dortmunder Westfalen-Stadion  so richtig aneinandergerieten, prallten auch unterschiedliche Ideologien in Sachen Kopfbehaarung zusammen. «Kojak» Sammer zeigte dem BVB-Trainer aus nächster Nähe, was er vom Haareeinpflanzen hält: nichts! Klopp hingegen, der nur verhindern wollte, dass die sich ankündigenden Geheimratsecken ihn womöglich noch klüger als alle andern Bundesliga-Trainer hätten dastehen lassen, hielt bei diesem munteren Tête-à-Tête voll dagegen und forderte vom Bayern-Sportvorstand mehr Demut vor seiner Trainergrösse. Das ursprüngliche, grobe Foul von Rafinha an Blaszczykowski war plötzlich zur Haarspalterei geworden.

Mario Gomez.

Spieglein, Spieglein...: Mario Gomez verteilt Küsschen, 16. April 2013. (AP/Matthias Schrader).

Was der «King of Soccer-Hair», Mario – die Frisur sitzt – Gomez, zu alledem sagt, weiss man schlicht und einfach nicht, weil auf der Ersatzbank wird man nicht einmal mehr danach gefragt. Und mit Dante kam  diese Saison ja geradezu der Schopf der Liga nach München. Dass man dann auch noch den Mandzukic mit seiner Balkan-Fenchel-Tolle holte, hätte Gomez wahrlich nicht gebraucht.  Eine ganz haarige Geschichte, und nicht die einzige in München im Moment.

Sieht nicht nur aus wie Captain Jean-Luc Picard, führt auch seine Mannschaft so. Beam uns die Tabelle rauf, Carlos! Im Bild: Bernegger am 8. Mai 2013. (Keystone/Urs Flüeler)

Sieht nicht nur aus wie Captain Jean-Luc Picard, führt auch seine Mannschaft so. Beam uns die Tabelle rauf, Carlos! (Keystone/Urs Flüeler)

Besser als Carlos Bernegger kann man als Trainer gar nicht ins etwas haarsträubende Anforderungsprofil von FC Luzern-Tyrann und -Mäzen Bernhard Alpstäg passen. Die argentinische Antwort auf ein schwieriges Umfeld könnte minimalistischer nicht sein.  Kasami hat auch keine Flausen am Kopf, und Alex Frei wird noch eine Weile damit beschäftigt sein, alte Zöpfe abzuschneiden in der Leuchtenstadt. «Coupe Vierwaldstättersee».

Dabei war eigentlich die Vorrunde zum Haareraufen! Im Bild: Ancillo Canepa am 8. Mai 2013. (Screenshot: SRF)

Dabei war eigentlich die Vorrunde zum Haareraufen! Im Bild: Ancillo Canepa am 8. Mai 2013. (Screenshot: SRF)

Freudige Ereignisse begeht man auch mal damit, dass man «die Haare runter lässt», wie das englische Idiom ausgelassenes Feiern bildhaft beschreibt. FCZ-Präsident Canepa entschied sich in seiner üblichen, etwas eigenwilligen Art für das Gegenteil: Ihm standen unlängst beim Heimsieg seiner Mannschaft über den FCB die Haare zu Berge. Dagegen liess  Murat Yakin seine runter hängen. An den Haar- und Führungsspitzen war vor zehn Tagen für Unbeteiligte jedenfalls nicht zu erkennen, wie das Spiel ausgegangen war.

Peter Neururer. (Screenshot: Sport 1/Youtube)

Männer sind allzeit bereit, Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit ... wann ist ein Mann ein Mann ...? Im Bild: Bochum-Trainer Peter Neururer. (Screenshot: Sport 1/Youtube)

Peter Neururer, die Quasselstrippe  und Forrest Gumpsche Pralinenschachtel – man weiss nie, was drin steckt – unter den deutschen Trainern, hielt mit Bochum im zweitletzten Moment die Liga. Dabei hatte ihn ein Herzinfarkt auf dem Golfplatz vor gar nicht allzu langer Zeit selbst fast in höchste «Abstiegs- bzw.  Aufstiegsgefahr» gebracht. Zur Feier des Klassenerhalts des VfL und des aktiven Trainerlebens im Allgemeinen liess er sich sein Haar in den Bochumer Vereinsfarben Blau-Weiss colorieren. Schamgrenzen oder  Berührungsängste kennt er sowieso nicht – aber hoffentlich blieb er wenigstens über der Gürtellinie.

Christian Constantin. 6 april 2013 au stade de Tourbillon a Sion. (KEYSTONE/Olivier Maire)

Geht mit Gott, aber geht! In Sion befiehlt der Herr: Christian Constantin, 6. April 2013. (Keystone/Olivier Maire)

Crazy Christian Constantin (CCC) ist es zu verdanken, dass der Begriff «Haircut» – sonst  als Metapher für einen rigorosen Schuldenschnitt verwendet – nun auch im Fussball Einzug hielt. Drei Trainer und fünf bis zehn Spieler (je nach Quelle) auf einen Streich gefeuert, brächte ihm sogar in Holzfällerkreisen einen Spitzenplatz in der Disziplin Kahlschlag. Mal sehen, ob er das nachhaltige Aufforsten auch drauf hat. Der Präsident hats gegeben – der Präsident hats genommen. Ums Tourbillon herum hat der liebe Gott längst ausgedient, lautet die Hiobsbotschaft aus Sion.

Kopfschütteln fördert den Haarwuchs nicht – glauben Sie es mir.

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8 Kommentare zu “Waschen, legen, feuern, bitte!”

  1. Geni Meier sagt:

    wie lustig……dieser artikel

  2. Georges Brégy sagt:

    Lieber Herr Kobler
    Vielen Dank dafür, dass Sie endlich das Haar in der Suppe entdeckt haben.
    Freue mich schon auf den nächsten Coiffeurbesuch!

  3. Georgios sagt:

    Einfach nur köstlich dieser Bloc.

  4. Bieri Anita sagt:

    Liebe Kolumnistin, liebe Kolumnisten,

    Schreibt doch in diesen Kolumnen etwas weniger Effekt haschend. Ganz normal – ohne darauf zu schielen, wie viel Klicks das generiert. Klicks, Klicks, Klicks. Darum geht’s euch doch, oder? Weniger nachdenken, weniger gepflegt, weniger analytisch, mehr huschhusch, mehr polemisch, mehr schreiend, laut, irgendetwas.

    In der Hoffnung auf gepflegten Fussball und gepflegte Schreibe
    Anita

  5. TK sagt:

    Seien Sie versichert, liebe Bieri Anita, wir werden versuchen unserer Schreibe jede nur erdenkliche Pflege angedeihen zu lassen. Für den gepflegten Fussball muss ich Sie allerdings an die Clubs verweisen, weil das deren Aufgabe ist, daran herum zu doktern.

    In Hoffnung vereint, freundlichst Ihr
    TK

    • Michel sagt:

      Naja, die wenigen Kommentare zeigen es überdeutlich: Dieser Beitrag ist wie eine deutliche Pleite für das Heimteam: Zum Vergessen! Das geht doch besser TK, oder?

  6. Karl Knapp sagt:

    Eigentlich verstehe ich nichts von Fussball. Auch der Inhalt und die genaue Aussage dieses Blogbeitrags erschliesst sich vermutlich nur extremen Insidern. Generell gilt aber. der Trainer hat eine Glatze und einen Anzug in Schwarz oder Anthrazit, die farbigen, allenfalls geföhnt, sind die Spieler. Der Rest sind Tschetschenen oder Walliser, egal. Mit diesen Basiskenntnissen habe ich bisher die meisten Spiele verstanden.