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Blau-rote Endstationen

Thomas Kobler am Montag den 6. Mai 2013


Mit dem «Primavera», dem ersten Grün des Frühlings, biegen auch die Fussballmeisterschaften und internationalen Wettbewerbe auf die Zielgeraden ein. Für die einen oder andern bedeutet das auch immer, dass sie am Ende ihres Weges angekommen sind.

Da wäre zunächst einmal der heimische FC Basel. An der Stamford Bridge beim FC Chelsea schlug ihm am vergangenen Donnerstag die Stunde im Europa-League-Halbfinal-Rückspiel. Nach der äusserst knappen 1:2-Heimniederlage verloren die Basler das Rückspiel deutlich mit 3:1. Auch wenn die überragende Qualität und das Talent in Reihen des noch amtierenden Champions-League-Siegers aus Südwest-London in der zweiten Halbzeit erdrückend wurden, darf die Mannschaft um Kapitän Marco Streller auf das Erreichte zu Recht ein wenig stolz sein.

Wie weit der FCB mittlerweile ist, verdeutlichte Murat Yakins Erklärung am Tag danach: «Chelsea hatte ich schon beim 3:1 abgeschlossen, deshalb habe ich Streller und Stocker ausgewechselt.» Das Spiel war nach 62 Minuten verloren; der kühle Taktiker zog sich, mit Blick auf die noch anstehenden Aufgaben daheim, geordnet auf eine Verteidigungslinie zurück und richtete das Augenmerk bereits auf die anstehenden Super-League-Begegnungen. Der mühsame Arbeitssieg gestern in Sion gab ihm recht. Am Rheinknie beherrscht man es, über den Tag hinaus zu denken.

Etwas anders sieht die Situation bei den katalanischen Blau-Roten aus. Für den FC Barcelona endete am vergangenen Mittwoch eine Ära: Nämlich die jener grossen Barça-Mannschaft, die unter Pep Guardiola zum Symbol für höchste Fussballkunst gereift war. Ihr legendäres «Tiki-Taka» fand seinen Meister, als der FC Bayern dem perfekten Pass- und Stellungsspiel noch weitere Dimensionen hinzufügte und sie im Camp Nou vernichtend schlug. Der bayrischen Angriffswucht und Zielstrebigkeit, sowie der überlegenen Physis hatten die Spieler um Xavi und Iniesta nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Wer nach dem Hinspiel noch die Hoffnung hegte, dass nur der angeschlagene Messi die Münchner im Hinspiel 4:0 gewinnen liess, musste nach dem Rückspiel erkennen, dass diese grosse Mannschaft erschöpft am Ende ihres Weges angekommen ist.

Natürlich ist das nicht «das Ende der Welt» für die Katalanen. Nichts ist so zerbrochen, dass man es nicht wieder ziemlich rasch reparieren könnte. Viel eher ist der Moment gekommen, wo man sich in Barcelona wieder daran machen muss, die nächste grosse Mannschaft aufzubauen. Die hier ist nur noch gut. Dass man dabei auf Lionel Messi – den bisher vielleicht begabtesten Fussballer aller Zeiten – und auf eine der grossartigsten Vereinsphilosophien überhaupt zählen kann, erleichtert einiges. Weiter schaffen der fantastische Fussballtempel Camp Nou sowie finanzieller Handlungsspielraum eine beneidenswerte Ausgangslage für die unumgänglich gewordenen Restaurationsarbeiten.

Barcelonas Trainer Tito Vilanova tut sich noch schwer mit dem Gedanken, dass das «Guardiola-Barça» letzten Mittwoch den Betrieb einstellte, viele Fans vermutlich auch. Aber die Champions League lügt nicht. Azulgrana, die Blau-Roten, haben das Klassenziel zum zweiten Mal hintereinander deutlich verfehlt. Jetzt muss einiges hinterfragt werden – selbst der krankheitsgeschwächte Trainer, was angesichts dieser besonderen Umstände für die Vereinsführung eine menschlich äusserst heikle Situation darstellt.

«Més que un club» oder am Ende doch auch nur ein Club? Was glaubt ihr, Sportsfreunde?

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11 Kommentare zu “Blau-rote Endstationen”

  1. Rudi Buschbrenner sagt:

    Nun, ich hatte noch kaum je solch überragenden Fussball gesehen wie gestern die letzte halbe Stunde des Spiels Barca vs. Betis S.. Das war Fussball überragend, besser geht es nicht mehr. Ob die wirklich so am Ende sind wage ich zu bezweifeln….. Die beiden Spiele gegen Bayern würde ich nicht überbewerten, nebst einigen weiteren Faktoren muss man schlicht festhalten; bei der einen Mannschaft passt gerade allles, bei der anderen läuft’s überhaupt nicht. So kommen dann auch Eigentore wie im Rückspiel zustande. Aber, das ist eine Momentaufnahme!
    Und betreffend FCB; so deutlich war dieses 3:1 auch wieder nicht…..

  2. sydney sagt:

    das grosse barcelona soll am ende sein? die mannschaft ist erst im halbfinale der championsleage rausgeflogen (was soll man dann über mannschaften wie manu, psg, milan, inter etc. schreiben?) und ist unangefochtener leader der primera division. sicherlich hat barca im rückspiel gegen bayern eine jämmerliche leistung gezeigt, aber eine grosse verlorene schlacht bedeutet noch lange nicht, dass man auch den krieg verliert – ausserdem wäre die ausgangslage anders gewesen, hätte man im hinspiel wirklich nur die regulären bayern treffer gezählt… barca ist nicht am ende, barca gehört immer noch zur weltspitze. vielleicht muss man hie und da ein paar korrekturen und neues blut einbringen.

    • Daninho sagt:

      Barca ist meiner Meinung nach noch nicht am Ende seines immerhin scho ein paar jahre andauernden (bemerkenswerten)zyklus’ angekommen. Tito muss jedoch dafür sorgen, dass sein Team auch bestehen kann wenn ein Messi fehlt, denn seine Absenz hat doch durch seine fehlende Präsenz auf dem Platz auswirkungen gehabt auf die Leistungen der Mannschaft. vom bayern-glück im hinspil wollen wir jetzt mal nicht reden, das hinspil hätte korrekterweise 1:0 lauten dürfen (schiri-fehlentscheide weggedenkt) und dann wäre dieses rückspil ganz anders ausgekommen.
      P.S.: Bayern’s Glück war auch schon Im Hinspil gegen Juve vorhanden, als das 2:0 einer Offside-Position vorausgegangen war.

      • Andi Maier sagt:

        Bayern hat Barca 7:0 geschlagen und Du redest von Glück ! Was für ein dämlicher Kommentar !!!!!

  3. Josef Freuler sagt:

    Der FC Barcelona wird dieses Jahr fast sicher die Meisterschaft gewinnen und ist im CL-Halbfinale verdient an einem enorm starken und hungrigen FC Bayern gescheitert. Ich glaube aber, mit dem jetzigem Kern der Mannschaft, einigen Verstärkungen sowie den jungen Spielern (Thiago, Tello, Bartra usw.) wird Barcelona auch in Zukunft um grosse Titel kämpfen können. Die «Aera Guardiola» ist vorbei, Barcelona muss sich neu orientieren.

  4. TK sagt:

    Nun, Sydney, Ihre Frage bezüglich Man U und Leidensgenossen hat Freddie Mercury bereits ein für alle Mal beantwortet: “…no time for losers ’cause we are the champions!” Die Schlagzeilen gehören fast immer den Siegern, ausser vielleicht bei krachenden Niederlagen.

  5. Siero sagt:

    Ja ja, jetzt kommen alle aus dem Busch – die Barça-Totengräber. Ich meine, wurde Bayern München (oder der deutsche Fussball) “niedergeschrieben”, als sie in den letzten Jahren die Champions League verloren oder ausschieden?
    Die Katalanen sind jetzt einfach zweimal hintereinander im Halbfinal der CL gescheitert, aber sie deswegen am Ende zu sehen, zeugt wohl von nicht allzu viel Fussball-Verstand – eher von Wunschdenken…

  6. Placebo Domingo sagt:

    Ich weiss nicht, wieso der schreiber darauf kommt, die rot-blauen (barca) seien am ende. es geschah im halbfinale, sie sind auf dem weg zum meistertitel… die bayern lieferten zwei superspiele ab und beeindruckten auch durch ihren power und taktisches verhalten. so what?
    auch möchte ich daran erinnern, dass die anderen rot-blauen (basel) bis 45 minuten vor schluss ihrer europa-kampagne gute chancen auf eine finalqualifikation hatten.
    ich will mämä zurück…

  7. Paddy Müller sagt:

    Nur so nebenbei: Beim FC Basel sprechen wir von den Rotblauen….

  8. Fabien sagt:

    Es soll keine Ausrede sein, Bayern war besser. Aber mit Puyol hätte Barça kaum 7 kassiert. Eine Wachablösung ist das Normalste – aber erst die nächste Saison wirds zeigen. Mindestens in Spanien wird Barça kaum von der Spitze zu verdrängen sein, diese Prognose wage ich.

  9. Tom Grütter sagt:

    Einverstanden, Barcelona zeigt einige Schwächen. Einverstanden, Bayern war besser (auch wenn ich zumindest das Resultat im ersten Spiel zu hoch fand). Die Ära ist meiner Meinung nach noch nicht vorbei. Der Stil Guardiolas/Vilanovas wird zu 100% bestehen bleiben und die Top-Spieler verlassen den Club auch nicht (Messi, Iniesta, Busquets, Xavi).
    Was war den nun das Problem? Hier einige Gründe in Stichworten (aus Platzmangel): Schwache Innenverteidigung (verletzte Spieler: Puyol, Mascherano), Trainer in der Chemotherapie (2 Monate ohne das taktische Zentrum, in einer wichtigen Phase), Messi verletzt (Busquets angeschlagen), Flügelstürmer nicht in Form.
    Was tun (ebenfalls in Stichworten)? Innenverteidigung stärken, Villa mit neuem Stürmer ersetzen (wird wohl Neymar), schlauer Rotieren, Pressing intensivieren (siehe Milan Spiel).
    Aus meiner Sicht braucht es also punktuelle Verstärkungen, mit welchem man schlauer agieren kann (andere Sturm und Verteidigungvarianten spielen). Das Mittelfeld und die Spielphilosophie bleibt die gleiche….und Messi sowieso auch 🙂