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Frau beisst Hund!

Thomas Kobler am Samstag den 4. Mai 2013


Diesmal war es aber keine Frau und auch kein Hund, die für eine eher ungewöhnliche Schlagzeile aus der Welt der abgelegten Bell- und Beisshemmungen sorgten, sondern Liverpools Mittelstürmer Luis Suárez, der prüfte, ob sein Gegenspieler vom FC Chelsea, Branislav Ivanovic, schon «durch» war und dafür mal kurz in dessen Arm biss. Ivanovic war «not amused», wie man in England heftige Irritation elegant umschreibt, und die FA auch nicht. Sie sperrte Suárez, weil er ein Wiederholungstäter(!) ist, für zehn Meisterschaftsspiele. Seine letzte grosse Sperre war wegen Rassismus, nun ist es Kannibalismus. Beim dritten Mal gibts einen Maulkorb, angelegt von einem schwarzen Pfleger.

Dass Fussballspieler in der Hitze des Gefechts schon mal die Offiziellen anbellen, ist längst Routine. Umgekehrt ist es allerdings eher aussergewöhnlich. Kürzlich nannte Schiedsrichter Pascal Erlachner den GC-Mittelfeldstar Vero Salatic ein «Arschloch». Man war sich während des Spiels etwas unglücklich in die Quere gekommen, oder wie das in bestem Fussballtaktik-Deutsch heute heisst: Ihre Laufwege hatten sich gekreuzt, was sich beide offenbar ziemlich übelnahmen. Mittlerweile ist die Sache gegessen. Erlachner, der sich von Salatic herausgefordert fühlte, wurde von der SFL für die nächsten Einsätze salomonisch in die Challenge League eingeteilt, und Salatic nahm – nach zwei Tagen beleidigte Chevapchichi spielen – die Entschuldigung des Refs an. Er musste das erst einmal verdauen.

Geknurrt wurde auch in Cottbus, wo der Kameruner Stürmer des 1. FCK, Mo Idrissou, offenbar Schiedsrichter Starks Bemerkungen zur seiner Körpersprache mit zu vielen «schwul» in seinen Antworten ausschmückte. Wenigstens war es zur Abwechslung mal nichts rassistisches im Zusammenhang mit einem dunkelhäutigen Spieler, und leichte Homophobie gehört unter Fussballern aller Couleur ja fast schon zum guten Ton. Weil er aber grad so in Fahrt war, qualifizierte er auch gleich noch sich und seine Mannschaftskameraden zünftig ab, die gegen Energie wichtige Punkte im Kampf um den Relegationsplatz zur 1. Bundesliga liegen liessen: «Wir sind einfach nur dumm, die dümmste Mannschaft der 2. Liga». Der DFB ist mittlerweile an der Sache dran, aber Stützunterricht für geistig herausgeforderte Bundesliga-Profis wäre ein Novum.

Den russischen Linienrichter Kadyrow, der im tschetschenischen Grosny nach dem Premier-Liga-Spiel zwischen Terek und Perm wie von der Leine gelassen auf Perms Verteidiger Krichmar mit Fäusten und Tritten losging, schenken wir uns. Den Neuenburgern sträuben sich noch immer die Nackenhaare, wenn sie das Wort Tschetschenien nur hören.

Und was ist eigentlich im Wallis los. Hat Genaro Gattuso Imperator Constantin an die Kette gelegt? Die Ruhe wirkt gespenstisch, besonders weil Sions Fussball momentan überhaupt nicht begeistert. Schlafende Hunde soll man nicht wecken, heisst es, aber schläft Constantin noch oder lauert er schon? Der Hund von Baskerville war eine schreckliche Bestie, aber im Vergleich zu Sions Präsidenten wohl eher ein Schosshündchen.

Nachdem die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) auf ihre letzte Sport-Sonntagsfrage mit der Leserantwort titelte: «Aber a Hund san’s scho, lieber Herr Hoeness!», liegt der Gedanke nicht allzu fern, dass das Spiel unlängst tatsächlich etwas auf den Vierbeiner gekommen ist. Fallen Ihnen auf die Schnelle noch andere bemerkenswerte «tierische Geschichten» zum Fussball ein?

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2 Kommentare zu “Frau beisst Hund!”

  1. B. Bieri sagt:

    Ziemlich einfallsreich der Artikel 🙂 Fussball fasziniert

  2. Mäse sagt:

    Erfrischend… 🙂