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Souveräner Präsident oder dünnhäutiger Pate?

Thomas Kobler am Montag den 22. April 2013
Geht für den FC Zürich oft genug über seine Schmerzgrenzen: Ancillo «Emo» Canepa.<br>(Bilder: Paramount, Keystone/Montage: dip)

Geht für den FC Zürich oft genug über seine Schmerzgrenzen: Ancillo «Emo» Canepa.
(Bilder: Paramount, Keystone/Montage: dip)

Das Familienoberhaupt hatte in einem turbulenten Jahr wieder einmal alle und alles überlebt. Zuerst die emotionale Trennung von Urs «Üse der Angler» Fischer, der fast wie ein Sohn war, aber dem der Erfolg abhanden gekommen war, was in einem Geschäft, das keine Gnade kennt, unweigerlich das Aus bedeutete. Danach Rolf «Austria-Roli» Fringer, der von Anfang an auf Distanz blieb, und dem die Männer im schrecklichen letzten Herbst die Gefolgschaft versagten. Das hatte dem Boss keine andere Wahl gelassen – man musste ihn noch vor der Rückrunde loswerden. Fast gleichzeitig wurde im internen Machtkampf auch Gregor «Greg der Banker» Greber kaltgestellt. Der Pate hatte noch einmal aufgeräumt.

Schon im Spätsommer hatten sich die Zeichen gemehrt, dass möglicherweise ein frostiger Winter anstehen könnte. Der Spätherbst bestätigte es – dazu musste man weder den Wetterfrosch Kachelmann küssen, noch Karlsson Bucheli auf seinem Dach fragen. Die Tabelle schrie es förmlich heraus. Und als der Schlussstrich unter die Vorrunde gezogen war, gab es nichts mehr zu deuteln: Don Ancillos FCZ war in höchste Bedrängnis geraten.

Ancillo «Emo» Canepa hätte es nie bis an die Spitze der zweiten Zürcher Familie gebracht, wenn er Krisen – und davon gab es in letzter Zeit mehr als genug – nicht in den Griff bekommen könnte. In einsamen Herbstspaziergängen über die neblige Allmend rauchte er grübelnd manche Pfeife, während seine Männer nur einen Steinwurf weiter das Schiessen und Treffen übten, das ihnen bis dahin kaum gelingen wollte. Mario «der Knipser» Gavranovic knipste zu wenig, und Drmic fehlte mehr als nur ein Vokal. Die Übungen leitete ein Leutnant – Urs «der Kauz» Meier. Einst von der andern grossen Zürcher Familie ausgebootet, hatte er über die Geleise gewechselt. Konnte man ihm zutrauen, die mögliche Katastrophe zu verhindern? Die Adventstage waren eine schlaflose Zeit, und bei Don Ancillo und Donna Heliane ging oft tief in der Nacht, noch vor dem Licht, der Tabak aus. Dann traf der Pate seine Entscheidung.

Man mag als Fussball-Fan zum FCZ-Präsidenten stehen wie man will, aber für mich steht fest: Für seinen Verein geht er oft genug über seine Schmerzgrenzen. Ist Herzblut gefragt – er spendet. Braucht es Geld – er schiesst auch mal ein. Stehen harte Entscheidungen an – er trifft sie am Ende. Wenn eine Portion Glück nötig wäre, dann wünschte man ihm zuweilen etwas mehr davon, wie auch Distanz und ein dickeres Fell. Aber lassen wir uns von der Basler Coolness nicht täuschen, denen schlägt das Herz auch oft genug bis zum Hals, allerdings bis auf Weiteres auf einem höheren Level.

Seit er Urs Meier zum Trainer der desolaten Mannschaft gemacht hatte, ist eine Trendwende eingetreten. Meier ist vor allem ein solider Schaffer, der scheinbar ein Team aufbauen kann. In der Liga hat man sich, als letzte Chance nach dem Cup-Aus, auf die Verfolgung des launischen FC Sion gemacht, den man noch überholen muss, wenn in der kommenden Saison, dank der Europa League, wieder etwas weniger magere Zeiten anbrechen sollen. Die «Werkzeugkiste» des FCZ ist nicht besonders luxuriös bestückt – die Meisterschaftszielgerade wird deshalb zur reinen Willensleistung und Charakterfrage werden.

Werden Meier, die Mannschaft und der Boss das Blatt noch rechtzeitig wenden können? Was denkt ihr, liebe Sportsfreunde?

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17 Kommentare zu “Souveräner Präsident oder dünnhäutiger Pate?”

  1. H.P. sagt:

    Um eingehend ihre Frage zu benatworten: ganz klar “dünnhäutiger Pate” – oder vielleicht sollte ich sagen: “dünnhäutig” – weil “Pate” würde er wohl gerne sein, nur dazu fehlt ihm eine ganze Portion Persönlichkeit! Zu Urs Meier – ja, ich denke er könnte es richten – wenn ihm die Freiheit gegeben wird die eine oder andere Diva in der Mannschaft auszumustern und der Präsident sich aus fussballersichen Belangen raus hält. Erlauben sie mir noch einen letzten Kommentar – nein, der FCZ muss Sion nicht überholen um sich für die Europa League – Quali zu empfehlen. Auf Grund der Cup Regel und den zwei aktuellen Finalisten (leider auch ohne FCZ Beteiligung…) ist der Fünfte der Liga zugelassen. Aber nicht so schlimm – wahrscheinlich hätte das unser Präsi auch nicht gewusst ;)!

    • John G. sagt:

      Als GC Fan wünsche ich mir ,dass Möchtegern-Pate Canepa dem fcz noch lange erhalten bleibe…

      • Bruno sagt:

        Das wünsche ich dem FCZ auch. Die werden irgendwann mal realisieren, dass das ein Fluch ist, kein Segen. Herzblut ist manchmal nicht alles. Siehe Hotz, einer der grössten Fussballfiguren überhaupt und das sage ich als alter GC-Fan!

  2. Marco Ruch sagt:

    Was soll das? Sackschwacher Blog.

  3. Mäsi sagt:

    Bitte richtig ‘recherchieren’.
    Der FCZ befindet sich momentan bereits schon auf einem Europacup-Platz… nur so…

  4. Chris Chelios sagt:

    Scheint immer mehr kein gesamtschweizerischer Blog mehr zu sein, sondern ein Zürcher. Und zur Frage kann ich nichts sagen, weil interessiert mich nicht und ich weiss es nicht.

  5. Fabian sagt:

    Zur Frage: Sion werden sie nicht mehr holen aber der 5. Platz reicht dank dem grossen FCB und dem überragenden GC, welche beide im Cup-Final stehen auch.
    Zum FCZ: Ein absoluter Skandal, dass man mit dieser Truppe so weit hinten in der Tabelle steht. Urs Meier zeigt nun, was eigentlich möglich wäre.
    Zu Canepa: Er will sportlich mitreden, drängt sich immer in den Vordergrund und trifft meistens die falsche Entscheidung. Aber lernt er auch aus seinen Fehlern? Ich glaube kaum! Sein Ego lässt das nicht zu.
    UND JETZT WICHTIG zum Steilpass: Ich lese diesen Blog unheimlich gerne aber es geht in jedem 2. Artikel um den FCZ. Ist ein bisschen einseitig geworden!

  6. Töneli sagt:

    Canepa-Bashing ist in letzter Zeit ein beliebter Zeitvertreib in Zürich. “Mann” tut dem Präsidenten aber ziemlich unrecht. Wenn man jedes Jahr das “strukturelle” Defizit von ein paar Millionen alleine deckt, darf man auch das letzte Wort haben. Auch ich würde mich an jeder Busse ärgern, die dem FCZ für Pyros aufgebrummt wird, wenn ich es aus dem eigenen Hosensack zahlen müsste. In einem Verein mit beschränkten Mitteln bracht es manchmal etwas Glück bei den Transfers, 2003 – 2010, manchmal hat man Pech. Weder bei Fringer (absehbar) noch bei vielen Spielern der letzten Jahre hatte man ein glückliches Händchen. Solange aber der Präsident die Zeche bezahlt und die Verantwortung trägt, darf er sich auch exponieren. War bei Swen Hotz auch so und wehe, Herr Canepa springt ab. Da sehen wir uns bald in der 1. Liga.
    Auf die Frage, der FCZ ist Mittelmass. Je nach Glück heisst das in einer normalen Saison 3 – 6 Rang. Für diese Saison 5. oder 6. Rang

    • reto berger sagt:

      Wehe Canepa springt ab? Das wird aber der Fall sein. FCZ hängt am Seidenen-Canepa Faden. Und der hat keinen langen Schnauf wie Hotz bzw. verfügt nicht über solche Finanzreserven wie unser geliebter Urpatron.
      Canepa hat uns das eingebrockt. Ich verstehe heute noch nicht wie er fahrlässig die CL Millionen innerhalb einer Saison aus dem Fenster geworfen hat. Wir reden über einen Mann der jahrelang zu genügend die heutigen Praktiken des Casino Management als Auditor überprüfen musste.
      Bickel hat auch seine Verantwortung hierfür, aber wenigstens fährt er jetzt definitiv YB an die Wand. Die Hürde die genommen werden muss ist Canepa aus der FCZ Welt raus zu haben. Erst dann wird dieser Verein für andere Investoren wieder attraktiv. Aber mit diesem Sonnyboy finden wir uns wirklich bald in der 1. Liga. Mir macht es nichts aus.
      Dann wird sicherlich diesem Verein das passieren, was den Glasgow Rangers momentan wiederfährt. Eine Purifikation und back to the roots. Inklusive dem selbstherrlichen Zürcher Sängerverein namens Südkurve.

      • Ebnöther Chris sagt:

        @ berger: urpatron? da kann ich nur stumpen-nägeli sagen aber dafür sind sie wohl noch zu jung.
        der kam sogar an den junioren B final den wir gegen biel im penaltyschiessen gewonnnen hatten 🙂
        und von der tribune schrien wie damal bo-bo-botteron!!!

  7. Armando sagt:

    Sehr geehrter Herr Kobler, wie immer bin ich von Ihren Beiträgen begeistert. Sie sind toll geschrieben und haben immer einen schönen ironischen Unterton. Zu Frage: Ich glaube der FCZ hat mit Meier einen sehr guten Trainer und verfügt durchaus über gute Spieler. Sie haben in den letzten Spielen immer wieder gezeigt, dass sie nahe am Sieg waren und haben oft auch etwas unglücklich verloren.
    Von Herrn Canepa halte ich zumindest aus sportlicher Sicht nicht viel. Bin überzeugt, er hat durch sein Verhalten oft mehr Porzelan verschlagen als notwenig wäre. Bin der Meinung, dass sich ein Präsident nicht so in den Mittelpunkt stellen sollte und sich in erster Linie auf die Führung und Strategie des Vereins konzentrieren sollte, damit dessen Angestellten das Optimum herausholen können.

  8. Markus Hutter sagt:

    Spannender – aber offenbar schwieriger zu recherchieren – wäre einmal die Frage, welcher Don eigentlich beim Kantonsrivalen GC sitzt. Die neue Mannschaft und das neue Umfeld hat ja einiges gekostet. Dass GC soweit oben ist, finde ich in diesem Zusammenhang nicht sehr überraschend. Beim FCZ weiss man diesbezüglich, woran man ist (ob man nun darüber glücklich ist oder nicht) – Und das zusammen mit Hotz, immerhin seit gefühlten 4855865 Jahren. Das gibt wie bei Basels Oeri natürlich Angriffsfläche. Bei GC sind diese Don’s seit Jahren gut schweizerisch mehr als im Hintergrund (oder irgendwo im Orient 🙂

    • John G. sagt:

      So schwierig ist das nicht.
      Beim GCZ verteilen sich die “Dons” auf mehrere Sitze im Owners-Club.
      Die neue Mannschaft hat nicht mehr gekostet als die alte,wurden doch mehrere hochdotierte Verträge aufgelöst (Smiljanic,Cabanas,Calla..) zudem gab es eine Umverteilung der Gelder innerhalb des Klubs.
      Das Budget ist übrigens mit 16-17 Mio Franken immer noch knapp kleiner als beim fcz.

      Gruss vom ersten Zürcher Stadtclub 1886

  9. Linus Luchs sagt:

    Zwei Vereine in der höchsten Schweizer Liga sind aus Zürich, acht sind es nicht. Dieser Blog ist furchtbar zürichlastig geworden. Ich hoffte, wenigsten Thomas Kobler schreibt nicht als Fan. Fehlanzeige.

    • Fabien sagt:

      Zürich-lastig, stimmt schon. Man kann aber daraus weiter reichende Schlüsse ziehen. Paten oder Pseudopaten gibts anderswo auch. Und Luzern hat mit Bernegger ebenfalls einen Trainer aus dem Nachwuchs verpflichtet, wie Urs Meier. Das sind interessante Parallelen. Ich halte viel von den U21-Mannschaften der 1. Liga Promotion. Die Spiele sind sehr interessant, die Jungen extrem ambitioniert, technisch und läuferisch sehr stark – gilt für FCZ, FCB und auch Sion. Bickel hätte Meier wohl nicht als Trainer gewollt, wohl lieber Challandes zurückgeholt. Jetzt hat er ihn – und es läuft wie erwartet. Dafür wagte es Thun mit Fischer – und es läuft gut. Also, die Newcomer packen ihre Chance, und das ist gut. Sie kosten erst noch viel weniger. Der Trend scheint in Richtung Vernunft zu gehen – runter mit den Ausgaben. Nur bei GC könnten sie übermütig werden, sich blenden lassen vom momentanen Erfolg, der auf wackligen Füssen steht. Man kann nicht sagen, dass sie einen starken Cuphalbfinal gezeigt haben (1. HZ eine Chance – ein Tor). Über Basel und Sion sprechen wir nicht, das sind Spezialfälle. Und die zwei vom Léman sind froh, wenn sie ihre Tiefstlöhne überhaupt bezahlen können. Einer von ihnen steigt ohnehin ab. Kompliment an St. Gallen – die gute Aufstiegssaison müssen sie dann aber bestätigen.

  10. Roli sagt:

    Schön, dass hier alle so verifiziert mit Taktik und Vorraussage des Wettkampfglück bewandert sind. Vielleicht verstecken sich ja im Autor oder in den Kommentatoren wirkliche Trainer……… Liebe Herren des Sports; euch ist schon bewusst, dass wir im meistens Fall von Glück sprechen, ob die eigene Mannschaft gewinnt oder verliert. Alle gehen immer davon aus, dass der Trainer nur die richtige Aufstellung finden muss und es funktioniert oder die Spieler, wenn Sie mal nicht gerade einen Treffer oder den Sieg mit einem rausgeschindeten Penalty holen, faule und arrogante Spieler ohne einen Einsatz für den eigenen Klub sind. Nun, wenn Ihr so denkt, dann nehmt einen Trainerjob und versucht Euer Glück. Bald werdet Ihr merken, dass es eher mehr Glück, Zufall und der Schiedsrichter als Taktik, Strategie und Einstellung der Spieler ist. Manche scheinen dies aber gerne zu vergessen und brüsten sich an den schönen Spielen (Cup-Halbfinal) mit einer Arroganz, die einfach nicht angebracht ist und die jeden Spieler oder Trainer zu einem Kopfschütteln bewegen. Wenn dann noch ein Präsident das strukturelle Defizit der fehlenden Zuschauer und des fehlenden Interesse am Klub ausgleicht, sollten wir den Hut davor ziehen und nicht noch dumme unangebrachte Kommentare anbringen.

  11. Emil Gross sagt:

    Herr Canepa mag der Liebste, der “Herz-blutenste”, der grosszügigste und liebenswerteste Mann auf der Welt sein,,,,,, nur eines hat er nicht; nähmlich das Format, Präsident eines grösseren Fussball-Clubs zu sein…..Geld, Begeisterung und Stehvermögen, reichen beim besten Willen nicht aus. Kommt noch dazu, dass Unfähige sehr oft an Selbstüberschätzung & Einsichtslosigkeit leiden….