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Sion fordert den FCB

Steilpass-Redaktion am Donnerstag den 2. August 2012

Heute begrüssen wir Gastblogger Silvan Kämpfen*.

Gennaro Gattuso (l.) und Andre Marques versuchen Servette-Spieler Alexander Pasche zu stoppen, 22. Julie 2012. (Keystone)

Sions Gennaro Gattuso (l.) und André Marques versuchen Servette-Spieler Alexander Pasche zu stoppen, 22. Julie 2012. (Keystone)

«Basel gegen niemand», hiess es vor Saisonbeginn an dieser Stelle. Diese Aussage haben wohl alle unterschrieben – ausser ein paar Fans ohne Realitätssinn und jene, die Angst vor Langeweile haben («Spanien wird bestimmt nicht Europameister»). Am Samstag wird sich zeigen, ob die Experten noch einmal über die Bücher müssen. Dann spielt Basel im Wallis gegen Sion. Vielleicht wird dieses heiss erwartete Duell auch gleich den Rest der Saison prägen.

Sommer für Sommer trauen die Medien dem FC Sion einen Exploit zu. Auch in diesem Jahr – und nicht zuletzt wegen der Verpflichtung von Gennaro Gattuso. Dennoch überrascht der makellose Start mit neun Punkten und null Gegentoren aus drei Spielen. Schliesslich wurde der Kader wieder einmal mächtig umgekrempelt. Trotz munterem Transfer-Treiben wirkt das Team aber erstaunlich stabil und gut eingespielt. Trainer Fournier stellte dreimal dieselbe Elf auf.

Wie ist der gute Saisonstart zu erklären?

Hinten steht Sion gut, sehr gut. Bereits letzte Saison kassierten nur Basel und Luzern weniger Tore als die Walliser mit ihrer abgeklärten Viererkette und dem souveränen Keeper Vanins. Aislan hat den Part des nach China abgewanderten Adaílton tadellos übernommen. Das ohnehin schon starke defensive Mittelfeld ist nun mit Gattuso und Marques noch besser besetzt.

Die Offensive, das Sorgenkind der letzten beiden Saisons, ist deutlich variabler und effektiver geworden. Für Obradovic, dem am Samstag im Tourbillon ein grosser Abschied bereitet wird, hat man auf der Zehn endlich einen Ersatz gefunden. Oussama Darragis Auftritte erinnern an Chikhaouis Glanzzeiten. Mit dem flinken Leo, dem hitzigen Lafferty, dem bulligen Manset – sie alle haben schon getroffen – und dem konterstarken Mrdja stehen Fournier zudem nun plötzlich vier völlig unterschiedliche Stürmertypen zur Verfügung.

Kann Sion um den Titel mitspielen?

Dazu braucht es zwei Dinge. Erstens muss Abwehrchef Dingsdag, der bei Frankfurt aber auch beim FC Basel im Gespräch war, unbedingt bleiben. Der Niederländer ist nicht nur ein guter Abräumer, vor allem eröffnet er das Spiel und schlägt ausgezeichnete Standards. Vielleicht hat Dingsdag ja dank dem ersten Tabellenrang plötzlich gemerkt, dass er seinen Sohn im Wallis auch auf Deutsch einschulen könnte. Die französische Sprache hat er nämlich stets als Grund angegeben für seine Abgangsgelüste.

Zweitens wird sich Christian Constantin verbal zurückhalten müssen. Es ist auch diese Saison die grösste Hürde für Sion. Letzte Woche war es ruhig um CC. Kein Wunder, er ist auch noch in den Ferien. Vor Saisonstart sprach er schon als einziger Präsident der Liga vom Titel. Und nach dem Sieg gegen Servette kritisierte CC Darragis Leistung und liess sich zu einer Bemerkung über den Ramadan hinreissen. Der Tunesier gab seine Antwort gegen Luzern auf dem Platz mit zwei Zuckerpässen. Es wird nicht die letzte Äusserung von Unruhestifter CC gewesen sein über Belange, die er besser seinem Trainer oder dem Sportchef überlassen sollte.

Vielleicht relativieren sich die Walliser Titelträume am Samstag sowieso wieder. Sion hat gegen Basel in der letzten Saison gerade einmal zwei Punkte geholt. Und selbst wenn Sion gewinnen sollte: Der FCB wäre trotz Doppelbelastung immer noch klarer Favorit auf die Meisterschaft. Am Rheinknie ist man schon mit ganz anderen Problemen fertiggeworden als mit sieben Punkten Rückstand nach vier Spielen. Doch immerhin hätte man dann statt «niemand» schon mal einen richtigen Gegner.

* Silvan Kämpfen ist Redaktor beim Fussballmagazin ZWÖLF. Wochenende für Wochenende verfolgt er den Schweizer Fussball seit der Saison 1993/94 und spielt auch selber gerne den einen oder anderen Steilpass.

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19 Kommentare zu “Sion fordert den FCB”

  1. Auguste sagt:

    hmm…, der match in sion ist für den fcb bereits eines der schlüsselspiele der laufenden saison – verlieren verboten. während der fcb immer noch die optimale formation sucht, ist sion perfekt in die saison gestartet und geniesst nun die alte börsenerfahrung: the trend is your friend.

    sieben punkte rückstand auf die tabellenspitze nach nur vier runden wären sogar für den fcb höchst ungemütlich und liessen erinnerungen an die vorletzte bayern-saison aufkommen, als man den bvb davonziehen lassen musste und nie mehr wieder sah. solche gedanken sind auch heiko vogel nicht fremd, obwohl er vier direktbegnungen hat, um die dinge notfalls wieder ins lot zu bringen. für basel steht in sion viel auf dem spiel – nicht zuletzt der nimbus des uneingeschränkten platzhirschen der liga, und der ist psychologisch gold wert. am wochenende wartet das spannendste schweizer fussballduell seit dem cup-final. das kann ja heiter werden.

    • Kahn sagt:

      Schlüsselspiele sind sogenannte Finale, Cup Spiele oder wie jetzt CL Quali Spiele. Die CH Meisterschaft wird erst im 2013 entschieden und da kann der Vorsprung (ausser vom FCB) aller Mannschafteim zweistelligen Punktebereich sein und es ist noch nicht entschieden. Also von einem Schlüsselspiel zu sprechen ist absurd. Erst nächste Woche Mittwoch dann, ja das ist dann ein Schlüsselspiel in der Quali für die CL.

      • Auguste sagt:

        hmm…, nicht ganz kahn, schlüsselspiele sind solche matches, die dem verlauf eines wettbwerbs, der saison oder im abstiegskampf sogar einem ganzen verein eine andere wende geben können. oft genug weiss man auch erst im nachhinein, ob eine begegnung so ein “schlüsselspiel” war, aber die gelegenheit für einen herausforderer den vorsprung auf den von allen hochgehandelten meisterschaftsfavoriten am vierten spieltag auf sieben punkte erhöhen zu können, die ergibt sich nicht oft und würde den saisonverlauf schon etwas auf den kopf stellen.

        finals sind per definitionem entscheidungs- und nicht in erster linie schlüsselspiele – danach ist alles beantwortet.

  2. Remo Nydegger sagt:

    Sehr guter und informativer Beitrag! Davon könnte sich Herr Kühn eine grosse Scheibe abschneiden.

    Gruss von einem FCB Fan!

    • Auguste sagt:

      hmm…, der gruss hat den unschönen beigeschmack eines ellenbogens auf augenhöhe beim kopfballduell. fairplay wäre, es dem herrn kühn unter einem seiner blogs direkt zu sagen, wenn ihnen etwas nicht passt. aber was kann man schon von fans erwarten, die wiederholt mit dem zug ans auswärtsspiel fahren, nur um nach einer perron-inspektion in altstetten dann wieder matchlos glücklich den heimweg ans heimische rheinknie anzutreten. was für ein völkchen, die blau-roten fans.

      • Remo Nydegger sagt:

        Ohje Auguste, hast du einen schlechten Tag erwischt?

        Habe Herr Kühns Schreibweise schon öfters direkt in seinen Blogs kritisiert, falls dich das erleichtert.
        Bin ja bei weitem nicht der Einzige, wie dir sicher schon aufgefallen ist.
        Aber Fairplay bedeutet für dich wohl, das man nicht kritisieren darf…

        Wieso ein ehrlich gemeinter Gruss an einen Fan eines anderen Vereins (bei gleichzeitigem Lob an seinen Blog) ein “unschöner Beigeschmack” haben soll, musst du mir schon erklären?!

        Auf deinen Kommentar zu den FCB Fans gehe ich jetzt nicht ein. Anscheinend ist es für dich überhaupt kein Problem
        alle FCB Fans in einen Topf zu werfen und zu verurteilen bzw. lächerlich zu machen (ohne anscheinend dabei die genauen Hintergründe zu kennen). So von wegen Fairplay…

      • Kraft sagt:

        Na ja, ich kann die Basler da schon verstehen. Die schwachsinnige Idee eines Kombitickets ist durchaus einen Boykott wert. Auch wenn es ein bisschen traurig war, die leere Gästetribüne anschauen zu müssen. Das Spiel hätte Gästefans verdient gehabt.

        Zum Thema: 7 Punkte nach 4 Spielen? Ich kann mich an Spielzeiten erinnern, da war der Vorsprung einer Mannschaft auf Basel noch grösser. Nota bene nach der Vorrunde. Wie gut Sion spielt, wenn es dann mal für ein, zwei Spiele nicht so laufen sollte, sehen wir noch.

        Hauptsache, der GCZ ist die Nr. 1 der Stadt….

      • Hans vom Hübel sagt:

        Sehr unqualifiziertes Statement, Auguste.

        • Auguste sagt:

          hmm…, nichts gegen kritisches feedback an die blogger, remo nydegger, aber in diesem fall sprechen die fakten gegen sie: lob und gruss sind zehn wörter lang, der tritt an kühn’s bein neun. und denken sie im ernst, dass der tadel an kühn in einem gruss an silvan kämpfen richtig adressiert ist? ich hab da offensichtlich meine zweifel.

        • Auguste sagt:

          hmm…, mag sein hvh. aber für solchen aus gruppendruck erzeugten schwachsinn wäre mir einfach die zeit und das geld zu schade. aber ich würde auch nie im regen auf dem dorfplatz rumsitzen, nur weil sf bi dä lüüt sein will oder eine kapuze tragen, weil ich fürchtete, dass mich jemand dabei erkennen könnte, dass ich mir das gegurke unserer blau-weissen im letzigrund im klassischen fringer-stile – von oben herab – immer noch antue.

          aber vielleicht liegt es auch nur daran, hvh, dass zircher einfach nicht dieses umzugs-gen besitzen, dass euch wahrscheinlich einfach zwingt, den glückstaumel des verkleideten umherziehens, wie in jenen berühmten drei spätwintertagen, auch bei anderer gelegenheit immer mal wieder zu suchen. und jemand muss ja den stoff für die neuen schnitzelbängg liefern – siehe feuerwehr.

  3. Fabrice Bridy sagt:

    Interessanter Bericht, gut geschrieben – aber ein, zwei punkte geben zu diskussionen anlass.
    cc sprach vor saisonbeginn vom titel? meiner meinung nach gab es nur einen in sion, der vom titel sprach und das war der gross g.gattuso. Dies gleich bei der ersten Pressekonferenz nach seiner ankunft. als cc dann darauf angesprochen wurde, hat er sich sehr dezent zurückgehalten und nichts von wegen “meisterschaft ist pflicht” oder ähnlichem gesprochen.
    klar – es würde mal wieder ins chlichée passen, aber man muss bei der wahrheit bleiben und sagen, dass es der oberkämpfer und fussballerfinder gattuso war, der vom titel sprach. später wurde er dann von jemandem zurechtgewiesen und spricht seither nur noch vom vorne mitspielen. aber cc himself hat sich nicht geäussert, dass man meister werden müsse oder so. ansonsten – saubere recherche.

  4. Nino sagt:

    ‘Basel und sonst niemand’ konnte man sowieso nicht ernst nehmen, alles Spekulation, obwohl Basel natürlich wiederum Favorit auf den Meistertitel ist. Nach 4 Runden ist es egal ob Sion oder Basel gewinnt, die Saison ist immer noch genügend lang. Wichtig ist in der Super League, dass sich in dieser Saison alle Clubs stabilisieren bzw. auch steigern können. Eine verbesserte Leistungsdichte in dieser Saison ist für mich realistisch.

  5. Kahn sagt:

    Im übrigen finde ich es wunderbar, dass Sion sich seit vielen Jahren oben festsetzt, ein Präsi hat der sich fr den Club einsetzt und Geld investiert – auch wenn ich natuerlich nicht immer mit seinen Machenschaften einverstanden bin – aber solche positiven Verrückte tun sehr viel Gutes für den Verein und dürfen auch Fehler machen. Leute die nichts machen, machen keine Fehler. Freue mich auf eine spannende Meisterschaft.

    • Kraft sagt:

      Sehe ich auch so. Sion belebt das Geschäft. Wer Geld in den Fussball steckt, muss ein bisschen verrückt sein. Die einen holen sich dann einen Gattuso, die anderen lassen sich ein Sofa anfertigen.

  6. Marcel sagt:

    Als FCB Fan seit den sechziger Jahren finde ich es gut , dass Basel wieder einen neuen ernsthaften Konkurrenten hat. YB hat doch eher versagt, der FCZ war vorletzte Saison noch bis am Schluss gut dabei, letzte Saison war der FCB in einer andere Sphäre, aber so eine 20 Punkte Vorsprung Meisterschaft wird halt auch ein bisschen langweilig im Wiederholungsfalle. – Sion wurde letzte Saison allerhärtest auf Druck von ganz oben bestraft (zu hart finde ich, aber spielt keine Rolle mehr) – finde es auf jeden Fall gut, wenn Sion den FCB fordert – bin gespannt aufs Wochenende – aber eben die Meisterschaft ist noch blutjung…
    PS Ein Ex-Weltmeister tut der Liga auch gut

  7. Reto Tubolt sagt:

    Die ersten Wochen einer Meisterschaft haben in der Regel keine Aussagekraft. Durch die kurze Sommerpause brauchen die Teams erstmal die Zeit, sich zu finden. Wie war das letzte Saison? Basel am Anfang Sackschwach und die Saison dann mit 20 Punkten Vorsprung beendet. Trotzdem glaube ich an einen Zweikampf Basel gegen Sion und als grosse Überraschung der Rekordmeister GC, der an beiden vorbeizieht.

  8. Beobachter sagt:

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Sion Konkurs geht in dieser Saison ist wesentlich grösser, als die Wahrscheinlichkeit, dass Sion um den Titel mitspielt….

  9. Daniel sagt:

    Guter Blog. Sollte Basel in der CL spielen, könnte das für Sion sprechen. Jedenfalls würde etwas Konkurrenz dem FCB guttun.

  10. Geni Meier sagt:

    Das Niveau des Schweizer Fussballs ist leider so tief gesunken, dass es keine Rolle spielt, wer zuletzt Meister wird.