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Dank Derdiyok zuversichtlich in die WM-Quali

Mämä Sykora am Dienstag den 2. August 2011


Auch wenn es für die EM-Qualifikation 2012 sehr düster aussieht für die Schweiz, nach der Auslosung für die WM-Qualifikation 2014 darf man sich hierzulande Hoffnungen machen, die Endrunde in Brasilien zu erreichen. Zwar liegen die Gegner alle in Reichweite der Schweizer, in den meisten Partien werden sie gar als Favorit ins Rennen gehen. Doch Übermut tut selten gut, das mussten wir gerade unter Ottmar Hitzfeld mehr als einmal schmerzlich feststellen.

Luxemburg, Malta, Honduras und Montenegro sollten daran erinnern, dass die aktuelle Nati stets Probleme hatte, sich gegen vermeintlich schwächere Nationen durchzusetzen. Entscheidend dafür, dass sich das bald ändern wird, wird vor allem einer sein, der in den letzten Jahren lediglich in der zweiten Reihe war: Eren Derdiyok, 23, Stürmer von Vizemeister Bayer Leverkusen.

Nach dem Rücktritt von Alex Frei und Marco Streller ist er der einzige Stürmer im Kader von internationalem Format und er bringt die besten Voraussetzungen mit, um seine ehemaligen Konkurrenten schnell vergessen zu machen. Kräftig, schnell, variabel, technisch versiert, mit grossem Aktionsradius und schussstark – so komplett war nicht einmal Rekordtorschütze Frei zu seinen besten Zeiten.

Seit 2009 läuft Derdiyok für Leverkusen auf, in dieser Spielzeit sieht es besonders gut aus für den Basler. Konkurrent Helmes ist weg, Neuzuzug Schürrle fühlt sich im Mittelfeld ebenso zuhause und es sieht ganz danach aus, als würde der neue Trainer Robin Dutt dem Schweizer den Vorzug geben gegenüber dem deutschen Nationalspieler Stefan Kiessling. Die Form stimmt schon mal: Im Testspiel gegen den belgischen Meister Genk gelang Derdiyok ein lupenreiner Hattrick, auch im Pokal gegen Dresden war er erfolgreich, ehe seine Mannschaftskollegen nach seiner Auswechslung noch einen 3:0-Vorsprung preisgaben.

Für Derdiyok muss es eine Befreiung gewesen sein, endlich auch in der Nati die Stellung einnehmen zu können, die er verdient. Wirkte er als Ergänzungsspieler neben Frei, Streller und Nkufo oft gehemmt und abwesend, blüht er richtiggehend auf, wenn er das Vertrauen bekommt. So etwa im WM-Spiel gegen Spanien, in dem er das Tor mit grossem Einsatz vorbereitet und zudem den Pfosten traf.

Nun kommt seine grosse Zeit. Nach dem gefälligen Auftritt beim 2:2 in England wird hoffentlich auch Hitzfeld zur Einsicht gekommen sein, dass es mit der für ihn typischen biederen Spielweise mit der Schweiz nichts zu holen gibt. Jetzt da es auch für ihn an Derdiyok kein Vorbeikommen gibt, wird sich auch die Spielweise der Schweiz zwangsläufig ändern. Er bringt die Power mit, die besonders in dieser WM-Quali-Gruppe dringend notwendig ist, will man die gegnerischen Abwehrreihen in Bedrängnis bringen, was in der Vergangenheit nur höchst selten geschah. Mit seinen Laufwegen schafft er Platz für seine Mitspieler. Er ist der Stürmer, der dem Angriffsspiel mehr Gefahr verleiht, weil er eben nicht bloss ein Knipser, sondern auch Angriffsauslöser und Vorbereiter sein kann.

Noch vor zwei Jahren wären Partien gegen die Gegner, die der Schweiz am Samstag zugelost worden sind, eine Qual gewesen. Ideenloses Anrennen, ohne Tempovariationen, ohne eine Hauch Torgefahr, einige knappe und erkrampfte Siege und eine Reihe unerwarteter Punktverluste. Eren Derdiyok lässt optimistisch stimmen, dass es nun nicht so kommen wird. Was man dabei gerne vergisst: Er ist noch so jung, dass er an der vergangenen U-21-EM spielberechtigt gewesen wäre.

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17 Kommentare zu “Dank Derdiyok zuversichtlich in die WM-Quali”

  1. josé bütler sagt:

    derdiyok hat zweifellos talent, aber er muss jetzt zeigen, dass er die erwartungen, die in ihn gesetzt werden, erfüllen kann.
    ich behaupte, dass das hauptproblem nicht die stürmer waren. das hauptübel unter hitzfeld, ist die defensive ausrichtung der mannschaft. wenn aus dem mittelfeld nichts brauchbares kommt, was will ein stürmer machen? ob der nun frei, streller oder eben derdiyok heisst. ich erhoffe mir von dzemaili diese offensiven impulse. inler/huggel oder schwegler haben nach vorne nichts gebracht. wenn ich mir die gegner in den quali-spielen mittelfristig ansehe: wales, montenegro, bulgarien, norwegen, zypern, slowenien, albanien und island, stelle ich fest, dass dies mannschaften sind wo die schweizer das spiel machen müssen, wo sie kreativ sein müssen. da stellt sich mir halt die frage, woher nehmen wir diese kreativität? yakin? costanco? dzemaili? lustenberger? etc.
    guter rat ist teuer! eigentlich habe ich auf einen zweiten frühling von yakin gehofft, aber da jetzt sein eigener bruder, für mich völlig unverständlich, hakan als stürmer, statt hinter den spitzen, einsetzt, kommt diese option eher nicht in frage.

  2. Geni Meier sagt:

    Derdiyok muss sein Abschlussvermögen seinem Talent entsprechend unbedingt optimieren. Das war (und ist in der Schweiz) die Stärke von Frei, obschon dieser in andern Aspekten weniger talentiert als Derdiyok war. Die Krux ist jedoch das Mittelfeld. Dort fehlen die Passgeber. Yakin ist bisher unerreicht, da können seine Kritiker schreien, wie sie wollen. Hitzfeld tut gut daran, ihn mindestens spielen und nicht wie bisher auf der Bank versauern lassen. Costanzo wird total überschätzt und kann noch nicht mal in der Superleague Akzente setzen.

    • Andi Gentsch sagt:

      Mit yakin für 2014 zu planen ist ein Scherz, oder?

      • Schmuerzel sagt:

        Ja, das waere dann wohl zuviel des Guten! Wir haben gute Junge die eine ordentliche Chance verdient haben.
        Auch Yakins Zeit ist vorbei! Brasil wir kommen, mit Sambafussball und einem neuen Trainer!

  3. Sibelius sagt:

    genau. fast immer, wenn derdiyok von anfang an spielte oder ins spiel kam, war das schweizer spiel plötzlich gefährlicher und besser anzusehen. aber auch er ist nur ein teil des puzzles.

  4. Sibelius sagt:

    ich gebe mämä völlig recht, dass die schweizer das spiel in die hand nehmen müssen, wenn sie gegen diese gegner bestehen wollen. aber ich zweifle stark, ob dies unter hitzfeld je geschehen wird. sehr stark sogar.

  5. Schmuerzel sagt:

    Ich hoffe schwer dass Derdiyok die naechsten Jahre unser Mann im Sturm wird! Nur schon weil er jahrelang ohne zu murren auf seine Chance warten musste. Leider hat er bis jetzt erst in der Bundesliga bewiesen dass er ein wirklicher Knipser sein kann. Wie schon erwaehnt, war in den letzten Jahren eher das Mittelfeld das Problem als der Sturm. Ich glaube bei mehreren vernuenftigen Zuspielen in die Spitzen, haette sogar Streller getroffen und Frei sowieso. Von da her sieht es in Zukunft rosiger aus als auch schon. Nur ist die Frage ob die Jungen ihre Vorschusslorbeeren auch bestaetigen koennen. Dass sie Talent haben, ist keine Frage.
    Einem Lustenberger traue ich den ganz grossen Sprung definitiv zu, Xhaka und Shaqiri ebenfalls, bei costanzo kommen so langsam
    Zweifel auf. Fuer Stuermer ist es immer noch schwerer sich international durchzusetzen. Bei Mehmedi, Ben Khalifa hoffe ich nun einfach mal. Emeghara sollte vielleicht erst nochmals Lektion 1+2 der Fussballschule durchgehen und Ballbehandlung ueben.
    Also, Derdiyok als einziger mit internationalem Format im Sturm ist vielleicht noch zu wenig um sich fuer die WM 2014 zu qualifizieren. Aber, wir koennen ja hoffen dass der Eine oder Andere Junge schon bereit ist, fuer die grossen Aufgaben!

  6. Henry sagt:

    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Auh wenn ich Derdiyok hoch einschätze, allein und ohne Unterstützung eines offensiv starken Mittelfelds wird auch er nichts ausrichten können, und genau da hapert es. Wenn heute angesichts der Auslosung grosser Jubel herrscht, so ist doch zu beachten, dass unsere Quali-Gegner zumeist defensiv starke Mannschaften stellen. (Montenegro lässt grüssen). Wer zudem heute noch nach Hakan Yakin schreit, der sollte sich doch nochmals seine letzten internationalen Einsätze anschauen. Yakin mag in der sogenannten Super League noch manchmal brillieren, gegen internationale Gegner ist er absolut wirkungslos.

  7. sepp z. sagt:

    Hat Derdiyok überhaupt schon mal ein Tor für die Schweizer Nati geschossen?

    • josé bütler sagt:

      Am 24. Januar 2008 bekam Derdiyok seinen ersten Einsatz für die Schweizer A-Nationalmannschaft im Spiel am 6. Februar gegen England im Wembley-Stadion. Bei seinem Debüt schoss er in der 57. Minute sein erstes Tor für die Nationalmannschaft zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich.

  8. Antonio sagt:

    Das Hauptproblem der Schweizer Mannschaft dürfte nach wie vor Ottmar Hitzfeld heissen. Auch wenn er durch den Rücktritt von Alex Frei und Marco Streller endlich gezwungen war etwas zu ändern (nicht ohne nach dem guten ENG Spiel doch noch nachzutreten und zu jammern), glaube ich trotzdem nicht, dass er der richtige Trainer ist. Nur Dank den SFV-Betonköpfen und den CS Millionen bleibt uns ja nicht anderes übrig, als uns mit Trainer abzufinden und auf das Beste zu hoffen… :-((

  9. n.v. sagt:

    Was ist wenn Derdiyok sich morgen verletzt? ja, dann ist die ganze Diskussion überflüssig. Es wäre blöd nur auf einen statt auf’s Kollektiv zu bauen, klar brauchen wir einen Knipser. Im richtigen Zeitpunkt muss die stärkst verfügbare Mannschaft auflaufen. Bis dann hoffe ich auf einige Alternativen zu Derdiyok.

  10. Bartosz B. sagt:

    Derdiyok fehlt es an Empathie, für die CH Nati zu spielen. Ausserdem ist er puncto Knipserei kein wirklich effizienter Spieler. Vielleicht eine Folge von ersterem? Ich gehe mit Mämä aber einig, dass er ein taktisch kluger und sehr brauchbarer Spieler ist, der auch mal einen Ball halten oder einen klugen Pass spielen kann. Neben Derdiyok bräuchten wir einen Strafraumellbögler wie es Frei war, bevor er das Gefühl bekam, er müsse als Captain die Bälle an der Mittellinie holen. Bei aller Antipathie für Frei gibt es derzeit keinen CH Stürmer mit vergleichbaren Eigenschaften. Hitzfelds hätte Frei sofort der Binde entmündigen und ihn vom Interviews geben entlasten sollen – dann würde er jetzt für uns stillschweigend in Inzaghi-Manier bis zur WM Abstauer im Tor unterbringen und Penalties herausschwälbelen.

    Ich habe immer noch Hoffnung, dass Abdi dereinst so stark zurückkehrt wie er einmal war. Zentrale Mittelfeldspieler mit Offensivdrang und Abschlussqualitäten haben wir keine mit internationalem Format ausser (vielleicht) ihm. Und solche brauchen wir, um die spärlich vorhandenen und noch spärlicher einsendenden Stürmer wie Derdiyok, Ben Khalifa, Mehmedi etc. zu entlasten.

    • josé bütler sagt:

      und wieso hat frei die bälle im mittelfeld holen wollen, weil aus besagtem mittelfeld rein gar nichts kam! inler/huggel oder schwegler haben nur quer und rückwärts gespielt. hitzfeld sei dank. etwas überspitzt formuliert kann man sagen, dass hitzfeld selber schuld ist an frei’s rücktritt …

  11. Pedro sagt:

    Man kann doch nicht alles an Derdiyok festmachen.
    Fussball ist und bleibt ein Mannschaftssport indem das beste Kollektiv gewinnt, auch wenn einzelne Spieler den Unterschied ausmachen koennen.

    “Bei mir spielt die beste Elf und nicht die elf Besten” eine Aussage von Roy Hodgson.

    • hadzibegic sagt:

      leider leider hat hitzfeld diese wichtige fussballphilosophie nicht befolgt.
      aber wie das englandspiel gezeigt hat, koennte es jetzt aufwaerts gehen,

  12. Kyra Meier sagt:

    Tja, ladet jetzt mal schön den ganzen Druck den man auf Frei gelegt hatte auf Eren… dann kommt das sicher genauso gut… Vielleicht merkt man ja auch mal, dass wir mehr als nur einen guten Stürmer bräuchten, der kann nämlich mal ne Flaute haben oder verletzt sein.. wenn der dann eine Weile nicht trifft ist er wieder der Sündenbock für alles.. naja ok, solange Eren noch im Ausland spielt, wird man ihm einiges verzeihen… In der Nati hat er mich noch nicht überzeugt.. ich lasse mich aber gerne überraschen.. und wer weiss, vielleicht wird der eine oder andere Frei doch mal noch vermissen.. selbst wenn man das natürlich nie zugeben wird..