Neue Inseln im Zürichsee

Der Hintergrund dieser Idee sind für einmal keine Luxuswohnungen, sondern das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden.
Die Insel Ufenau liegen ja bereits in Schwyzer Gewässern. Bild: Reto Oeschger

 

Der Zürichsee ist in den Schlagzeilen. Das Gewässer interessiert und wühlt auf. Oder besser: schlägt Wellen. Es ist so aufregend, dass ich mir eine Aufzählung des struben Sommergeschehens erlaube. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich. Aber mit einer Meldung, die vielleicht noch nicht überall angekommen, dafür aber umso prickelnder ist.

Am lautesten war die Reaktion auf die Beschwerde eines Stäfner Seeanwohners. Dieser fühlte sich durch das Hornen der Zürichsee-Schiffe gestört. Tatsächlich bewirkte der Mann, dass die Süsswasserkapitäne beim Anoder Ablegen nicht mehr tuten durften. Für Auswärtige: Das Hornen – übrigens mein Kandidat für das Wort des Jahres –, das Hornen ist der Soundtrack der Region. Ertönt das Horn nicht, fehlt etwas, läuft etwas falsch. «Hornochse» war noch der freundlichste Ausdruck, den sich der Beschwerdeführer anhören musste. Der Widerstand kam geballt und vor allem aus seiner eigenen Gemeinde. Eine 85-jährige Stäfnerin ging immer dann schwimmen, wenn ein Schiff loslegen wollte. Was ja nicht selten ist. Dann musste der Kapitän – so ihr erklärtes Ziel – warn-hornen, und zwar gleich vier Sekunden lang. Das sind die Schifffahrtsregeln bei Gefahr. Ein anderer Stäfner lancierte eine Petition pro Horno zuhanden von Verkehrsministerin Doris Leuthard und sammelte über 5000 Unterschriften.

Klirrend laut ist der Protest gegen den Schiffsfünfliber. Seit Dezember muss jeder Fahrgast zusätzlich zum Ticket 5 Franken Zuschlag zahlen. Damit sollen die kantonalen Finanzen saniert werden. Das Resultat: Ein Drittel weniger Passagiere in den Sommermonaten, Entlassungen beim Schiffsgastronomen. Auch hier war der Widerstand originell. So zahlten Schüler den Betrag mit Fünfräpplern. Immerhin: Die Seejugend wurde politisiert.

Positiver aufgenommen wurde die «seegensreiche» Nachricht, dass die ZKB eine Luftseilbahn übers Wasser spenden will. Ob für diese auch der Seezuschlag gilt, will man gar nicht erst nachfragen, so viel läuft derzeit schief. Wie man sieht.

Noch origineller aber ist diese Idee: Im Zürichsee solls neue Inseln geben. Nein, nicht zum Häuserbauen. Und schon gar nicht Luxuswohnungen. Sondern zum Baden und zum Sich-Zeigen. Und vielleicht gar für Wasservögel. Vor Wädenswil sollen die Inseln aufgeschüttet werden. Oder eher noch vor Richterswil und in den Gestaden der Stäfner, dieser umtriebigen Bürger. Der Hintergrund ist nicht wie einst der Landgewinn, sondern das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Einerseits kommt stets Geschiebe von den Bächen her, welches ausgebaggert und weggeschafft wird. Das könnte man näher und besser verwenden. Anderseits wird bei Thalwil in naher Zukunft eventuell ein Riesenstollen durch den Zimmerberg gebohrt, um Sihlwasser bei Überschwemmungsgefahr Richtung Zürichsee zu leiten. Das ergibt viel Ausbruchmaterial. Wieso also das Geröll nicht wie zu Zeiten Arnold Büklis mit dem Ledischiff zum Aufschütten verfrachten? Dann bekäme die Saffa-Insel in Zürich eine entfernte und die Richterswiler Insel Schönenwerd eine nahe Schwester. Die Ufenau und die Lützelau liegen ja – leider – in Schwyzer Gewässern.

1 Kommentar zu «Neue Inseln im Zürichsee»

  • Carlo Huber sagt:

    Leider liegen die Inseln auf Schwyzer Gewässer…… Als Zürcher Steuerzahler wäre ich doch froh.Soeben hat man auf der Ufenau sehr viel Geld Investiert und der Kanton SZ musste auch bezahlen.Ich Denke eben an den 5 Fr. Zuschlag um den ZH Kantonsfinanzen auf die Sprünge zu Helfen.Klar finde ich das belustigend um mit einem Fr.5.- Zuschlag etwas retten zu wollen.Und zum Schluss noch ein Witzchen…..Nicht in jedem Auto mit SZ Schilder sitzt ein Schwyzer.. es könnte auch ein ZH Steuerflüchtling sein…

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