DJs als Lohnsklaven?

Manchen DJs sind die Hände gebunden: Mit Clubverträgen gefesselt.

Manchen DJs sind die Hände gebunden: Mit Clubverträgen gefesselt.

Vergangene Woche hat ein Basler Club für ein Rauschen im Blätterwald gesorgt, weil er einem regelmässig dort spielenden DJ untersagt hat, für einen Konkurrenten aufzulegen. Der betreffende DJ ist damit zu 20minuten und die Zeitung hat das Thema aufgegriffen. Dabei ist es beileibe nicht neu und beschränkt sich auch keineswegs nur auf Basel.

Ganz im Gegenteil: Wie diverse DJs bestätigen, ist für sie die Situation in St. Gallen besonders unerträglich. Viele Club-Betreiber dort scheinen sich spinnefeind zu sein. Dani Bondt, der Macher des Backstage Clubs, macht keinen Hehl daraus: «Wir haben mit einem Grossteil der DJs exklusive Verträge, vor allem im Hip Hop- und RnB-Bereich. Wir wollen die für uns beste DJ-Crew und wir wollen sie ausschliesslich, um uns von den anderen Clubs abzuheben. Als Fussballer kannst du ja auch nicht für die AC Milan auflaufen und für Inter Mailand».

In Zürich scheint die Lage etwas entspannter zu sein. Dominik Müller von der Zukunft: «Wir erlassen keine Einschränkungen bezüglich Auftrittsorten von unseren Residents, die zwar oft, aber stets nur für einen Bruchteil der Gage eines international bekannten Namens spielen. Resident DJs brauchen einen Nebenjob, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Umso absurder fänden wir es da, ihnen vorzuschreiben, wo sie spielen dürfen und wo nicht und damit in einer der teuersten Städte der Welt (negativen) Einfluss auf ihr Einkommen zu nehmen». Paolo Manduca vom Alice Choo sieht es ähnlich: «Ich finde es sogar gut, wenn DJs in anderen Clubs spielen und sich so Know How aufbauen. Wir überlassen dem DJ die Entscheidung, ob er exklusiv für uns spielen will».

Dennoch kommt es hinter vorgehaltener Hand auch in Zürich vor, dass DJs von Clubs das Spielen bei Mitbewerbern mit einer ähnlichen Programmierung untersagt wird – und zwar ohne dass sie dafür mit einer höheren Gage entschädigt würden. DJs, die sich nicht an diese Auflagen halten, müssen damit rechnen, von ihrem angestammten Lokal nicht mehr gebucht zu werden.

Die Meinungen der DJs zu diesem Vorgehen variieren stark. Einige haben Verständnis für dieses Vorgehen, so auch der Hip Hop-Pionier Avni Saiti alias Aystep: «Eine Residency kann auch für einen DJ was sehr bequemes sein, kann ihm Sicherheit vermitteln. Ich finde, man sollte als DJ abwägen können, wie ähnlich sich die Clubs sind, in denen man spielt». Ein DJ, der nicht namentlich genannt werden will, stösst sich hingegen daran, dass nicht alle DJs gleich behandelt werden: «Einige dürfen spielen, wo sie wollen, andere nicht. Insbesondere Newcomer werden ausgenutzt und für ein Butterbrot an Clubs gebunden». Auch Domi „Doobious“ Baumann hat insbesondere zu Beginn seiner Karriere solche Erfahrungen gemacht, dennoch ist seine Sicht auf die Dinge eine moderate: „Ich finde man sollte das Ganze mit ein Bisschen Menschenverstand angehen. Warum sollte ein Clubmacher/Veranstalter Verständnis aufbringen oder gar Freude haben, wenn du für seinen unmittelbaren Konkurrenten spielst?“.

Dass die Clubs kein einheitliches und im ganzen Land gültiges Vorgehen einführen müssen, liegt auch daran, dass sie sich mit keinem DJ-Verband auseinandersetzen müssen. Die DJs sind Einzelkämpfer und solange es so bleibt, werden sie auch als solche behandelt. Und wer sich nicht zu formieren vermag, um mit einer Stimme zu sprechen, der muss sich mit Kunden auseinandersetzen, die sich bisweilen wie Könige verhalten.

….und im Nachtleben gibt es viele Könige, gekrönte und selbsternannte.

Alex-Flach1Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

7 Kommentare zu «DJs als Lohnsklaven?»

  • denise sagt:

    Uhh,mir kommen gleich die Tränen.

  • Mi sagt:

    Na ja, gewisse Privilegien muss man sich halt durch Können und Professionalität erkämpfen. Deshalb gilt auch als DJ und in Clubs nicht für alle die selbe Regel..ist doch in jedem anderen Job nicht anders…ein Lehrling oder Lehrabgänger hat nicht die gleichen Vorteile, Rechte und den selben Lohn wie es ein ausgelernter mit einigen Jahren Erfahrung hat. Und die meisten DJ’s erhoffen sich doch schon lange dass Ihr Tun endlich als ehrhafter Job angesehen wird. Na also dann…Chasch nöd s Foifi und s Weggli ha gäll 😉 Und wie heissts doch von so vielen Arbeitgebern so oft? Wänns dir nöd passt chasch ja gah..jede isch Ersetzbar…hmmm

  • Dave 5ey sagt:

    Glaube das Problem ist Regional und doch Gesamtschweizerisch. Kenne auch viele Clubs in anderen Städten die das so Handhaben. Teilweise das es wirklich absurd wird. Dj A kann machen was er will Dj B nicht. Aber was mehrheitlich fast schädlicher ist das vielfach immer gleiche Program. Mit den gleichen Djs, den gleichen Playtimes. Aber sogar auf Ibiza haben sie damit zu Kämpfen…

  • Thomas Berger sagt:

    Na ja, also von dem sagenumworbenen HIVE in Zürich hört man auch solche Gerüchte. Aber es ist jedem frei, sich wie ein kleiner Patron aufzuspielen.

    • Alex Flach sagt:

      Auch. Wie von zig anderen ebenfalls. Aber sie können es halt auch (sich wie Patrons verhalten). Im Grunde wäre es an der DJ-Seite hier für einheitliche Bedingungen zu kämpfen… mit einem Verband, mit einer einheitlichen Stimme bestenfalls. Solange die Clubs nicht müssen wird sich wohl auch nichts ändern.

      • Amadeus Entertainment sagt:

        Ich für meinen Teil verstehe die Clubs durchaus. Ein Konzept aufzubauen und zu bewerben ist extrem schwer und teuer. Dass ein DJ davon profitiert steht ausser Frage. Hat er dank des Labels oder des Clubs dann einen Namen, geht er woanders arbeiten. Mit diesem Problem setzt sich Amadeus ständig auseinander, allerdings werde ich mich hüten einen DJ exklusiv zu verpflichten. Unsere DJs arbeiten bei Amadeus, weil es ihnen Spass macht, sie gut aufgehoben sind und regelmässig Jobs kriegen, ohne sich stetig bewerben zu müssen. Das Team macht es aus. Einzelgänger können wir nicht gebrauchen. Aber zusammen sind wir Profis und kriegen jede kalte Party zum kochen!

  • Da ein Produzent der seine Platten in ein Set mischt auch in dem moment als DJ arbeitet ist es wohl eine Grauzone. Es giebt auch viele Künstler die im Angestelltenverjältnis arbeiten. Wenn ein DJ nur Publikumsorientiert auflegt ist das ein Beruf wie jeder andere heutzutage.
    Wer noch eigene Kunst Produziert oder Spartenbezogen die Mainstreamveranstaltungen meidet macht das eh aus Überzeugung. Manche schaffen es damit als Stanalone Erfolgreich zu sein, wobei es schon Erfolg ist wenn fürs Feiern nicht draufgezahlt wird. Es gibt nur ein Fan Buuren ein Avici ein Davit Guetta ein Antuanne ein DJBobo. Ein DJ heutzutage ist vergleichbar mit einem Singenden Gitarrenspieler in den 80ern.

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