Plaudern mit Viktor Giacobbo

Aufgabe an Viktor Giacobbo: Ein lustiges Selfie machen.

Aufgabe an Viktor Giacobbo: Ein lustiges Selfie machen.

In unserer neuen Serie «Plaudern mit …» treffen wir bekannte Zürcher auf ein Gespräch in der Beiz ihrer Wahl und schauen, was sich so ergibt. Als ersten Gast trafen wir den Verwaltungsratspräsidenten und Humoristen Viktor Giacobbo.

Viktor Giacobbo hat mich in eine Beiz im Kreis 5 bestellt, in die «Alpenrose». Natürlich kann das nichts Richtiges sein, weil ich sie nicht kenne und Giacobbo doch so ein Winterthurer ist.

Als ich eintreffe, bin ich überrascht. Trotz des biederen Namens «Alpenrose» handelt es sich um ein Lokal, in dem sich jeder Zürcher Hipster durchaus wohlfühlen würde. Naja, eigentlich hätte ich bei Viktor Giacobbo auf eine ironische Wendung gefasst sein müssen.

Er sitzt noch mit dem Personal des Restaurants beim Essen und ich setze mich etwas abseits. Ich bin nervös, schliesslich ist Giacobbo der Schweizer Vorzeigehumorist, seine Figuren (wie der Fredi Hinz) gelten inzwischen als nationales Kulturerbe, in einer Reihe mit Emils Schaffen.

Nicht lustig

Er wechselt zu meinem Tisch und entschuldigt sich, dass er mich dreieinhalb Minuten warten liess. Und bietet mir das Du an, mit dem Hinweis, dass er ab und zu den Stadtblog liest. Und das, obwohl der Tages Anzeiger das Casinotheater in «Giacobbo-Theater» umbenannt hat.

«Ich bin da nur Verwaltungsratspräsident, was soviel heisst, dass ich ein wenig netzwerke und ab und zu meinen Namen zur Unterstützung einwerfe. Das Programm wird von der künstlerischen Leitung gesetzt, da mische ich mich wenig ein. Es zeugt von fehlendem Respekt, den Einsatz der vielen Kollegen einfach zu übergehen und es als mein Projekt hinzustellen.»

Ui, der Viktor ist ja gar nicht immer lustig. Ich versichere ihm, dass ich an jeglicher Umbenennung des Theaters unschuldig sei. Aber er sagt, dass er den «Supino-Anzeiger» trotzdem liest, auf dem Tablet. Auch wenn das E-Paper nur selten richtig funktioniere …

Die Künstler-Kommunisten

Bei den Theaterproduktionen im Casinotheater (!) würden übrigens alle Schauspieler den gleichen Honoraransatz bekommen, egal wie berühmt sie wären und selbst wenn sie Verwaltungsratspräsident des Hauses seien, erklärt er. Hm, also sowas wie Kommunismus für Künstler. (Jaja, diese Linken von der SRG, das hat man ja schon immer gewusst.)

Ich versuche das Thema zu wechseln und frage nach den Vor- und Nachteilen seiner Berühmtheit. Erwarten alle (wie ich), dass Viktor Giacobbo immer lustige Unterhaltung bietet?

«Sobald ich merke, dass mein Gegenüber diese Erwartung hat, werde ich ziemlich spröde. Die Figur des Harry Hasler hab ich sogar extra aus dem Verkehr genommen, weil die Leute nach dem Hype damals nicht mehr zwischen meiner Person und der Kunstfigur unterscheiden konnten.»

In der Öffentlichkeit sei es gleichermassen von Vor- und von Nachteil, über eine gewisse Bekanntheit zu verfügen. In Beizen sei es so, dass er entweder sehr freundlich behandelt werde oder aber er müsse speziell lange auf die Bedienung warten. «Vor allem die hippen Szenelokale scheinen sich der ausgleichenden Egalität verschrieben zu haben und müssen besonders deutlich zeigen, dass man als Promi gar nicht bevorzugt wird.»

Winterthur vs Zürich

Ich frage ihn, ob er sich in Winterthur (ich halte ihn für einen Berufswinterthurer) in der Öffentlichkeit frei bewegen kann.

«Ja, sicher – wie überall in der Deutschschweiz. Ab und zu kommen vor allem jüngere Leute und fragen nach einem gemeinsamen Selfie. Was erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass das Fernsehen eigentlich eher als Rentnermedium gilt. Offenbar schauen doch auch noch einige Leute unter Dreissig ‚Giacobbo/Müller‘.»

Aber er bewege sich auch häufiger in Zürich als in Winterthur. Er wohne zwar in Winterthur, aber sein Freundeskreis sei eben auch in Zürich beheimatet, da er ja auch hier arbeite. Als Berufswinterthurer werde er wohl wahrgenommen, weil jedes Käseblatt, das etwas über die Stadt schreibe, von ihm ein stadtpatriotisches Statement erwarte.

Also kein Berufswinterhurer. Gopf, alle meine Vorurteile werden demontiert. Aber da muss ich nachhaken. Ob er hier nicht gerade seine eigene Stadt verrät?

«Nein, Winterthur ist okay. Es ist wie Zürich, nur übersichtlicher und besser organisiert, zum Beispiel was Velowege angeht. Es ist auch alles zu Fuss innert 10 Minuten erreichbar und bietet für eine Stadt von 100 000 Einwohnern und vielen Studenten ein gutes kulturelles Angebot.» Wozu natürlich auch das Casinotheater gehöre. Es sei doch inzwischen so, dass viele Zürcher das Angebot in Winterthur nutzen, und nicht nur die Winterthurer abends nach Zürich pilgerten.

Die Kritiker

Zum Schluss will ich noch wissen, wie lange er und Mike Müller noch ‚Giacobbo/Müller‘ machen würden. Die Sendung sei doch jetzt schon eine Weile auf dem Programm. Und da schimmert nochmals Leidenschaft durch.

Mit Einschaltquoten von 30 bis 38 Prozent sei die Sendung auf dem Höhepunkt – ähnliche Sendungen im Ausland haben Quoten von um die 10 Prozent. Sie würden solange weitermachen, bis es einem der beiden langweilig würde oder andere Projekte Vorrang bekämen. Oder das Publikum wegbleibe. Gegenfrage: «Wie lange macht ihr noch Tages Anzeiger?»

Was er denn über die Kritik denke, die nach jeder Sendung auf ihn und sein Team einprassle, über die Vergleiche mit den deutsche Kabarettisten oder zum Beispiel der «Heute Show» des ZDF.

«Die ‚Heute-Show‘ ist grossartig, aber dahinter steht ein ganz anderes Konzept. Die ganze Sendung ist gescriptet, die Gags sehr klar gesetzt und per Prompter vorformuliert, selbst in den Dialogen, während Mike und ich mit ein paar Stichworten und einige vorbereiteten Beiträgen frei interpretieren und gleichzeitig parodieren und Figuren spielen. Wir sind weniger eine Comedie-Show als eine Late-Night-Show im angelsächsischen Stil -natürlich am Schweizer Publikum orientiert. Wir leben gut mit Lob und Kritik, was im übrigen weltweit jeder Komiker muss.»

Manchmal vermisse er aber die entspannte Fachkritik, so wie sie im Theater, Film oder Oper von Hintergrundwissen ausgehe – für Online-TV-Kritiker genüge leider ein Fernsehgerät als fachlicher Hintergrund.

PS: Auf der Rechnung erscheint nur mein Kaffee. Viktors Glas Wasser ist wohl von der Beiz spendiert. Die Vorteile des Ruhms – oder die Freundschaft mit den Beizerinnen.

40 Kommentare zu «Plaudern mit Viktor Giacobbo»

  • Lichtblau sagt:

    Eine neue Reda-Reihe! Ich freue mich (vor allem auf die bereits angekündigten Interviewparterinnen).
    Und zu VG: Harry und Hinz waren grossartig, wären aber heute nicht mehr zeitgemäss (in den jeweiligen Szenen haben leider ganz andere Typen übernommen). Sobald VG aber in weibliche Rollen schlüpft, wirkt er immer unfassbar echt. Wie macht er das nur?

  • Werner Heiz sagt:

    Das Eine ist die Form, das Andere der Inhalt. Und jetzt ohne auf den Inhalt einzugehen: das Interview ist langweilig geschrieben und löst sich kaum je von der indirekten Rede.

    • Réda El Arbi sagt:

      Das ist kein Interview. Sonst wärs ein Interview.

    • sepp z. sagt:

      ich find die neue reihe gut.
      frag mich aber, ob gespräche mit promis letzten endes als interviews nicht spannender wären.
      mit dieser indirekten rede kommt man irgendwie nie richtig an den viktor ran, alles bleibt recht vage.

  • Reto sagt:

    Ja der liebe Herr Giacobbo war ja seinerzeit wirklich lustig. Mittlerweile ist aber GM so richtig zum Einschlafen und die Sendung gehört abgesetzt. Victor Ciacobo soll sich im Theater Winterthur verwirklichen und Müller hat genug Eisen im Feuer. Einfach aufhören, bevor es noch peinlicher wird.

    • Reiem Meier sagt:

      Warum absetzen? Anderen scheint es zu gefallen.
      Stattdessen könnten sie ein Buche lese, mit dem Hund spazieren gehen, sich der Frau oder dem Freund widmen, einen anderen Sender einschalten, für Sepp Baltter beten usw. usw.
      Sie haben soviele Möglichkeiten – während GM über den Sender läuft.

      • Bea sagt:

        Oder etwas Sinnvolleres senden und die bisherigen Zuschauer nehmen einfach alternativ ein Buch mit weissen Seiten während der bisherigen Sendezeit in die Hand. Aber vielleicht entwickeln sie auch noch Interesse an guter Satire?

  • sepp z. sagt:

    „In Beizen sei es so, dass er entweder sehr freundlich behandelt oder aber er müsse speziell lange auf die Bedienung warten.“
    Ja, da wo er warten muss, wurde er nicht erkannt. Und wird bedient wie jeder Normalo, und das kann in Szenebeizen dauern.

  • Jack Oboe sagt:

    Tja, was ist lustiger, das Interview oder Giacobbo. Müller bestatten wir mal für den Moment. Schwierige Frage. Transzendent? Nicht so richtig. Aber vielleicht stimmt’s halt doch: Humor ist, wenn man trotzdem lacht….

  • Thomas Maurer sagt:

    Victor Giacobbo ist Schweizer Beamten-„Humor“ at its best: Langweilig, bemüht, schwerfällig, billige Gags abliefernd, anbiedernd. Kein Vergleich zu – beispielsweise – „Willkommen Österreich“ mit dem Duo Stermann und Grissemann. Da liegen Welten dazwischen!

  • Peter Lattmann sagt:

    Ich schaue jeweils nur, in der Hoffnung dass es dieses mal lustig und satirisch wird. Dann schalte ich vor dem Interview enttäuscht ab in der Hoffnung, dass es … So ist es mit dem Fernsehen heutzutage. Und die Zeitungen wie der Tagi sind auch eher langweilig. Und so ist der obrige Artikel auch gelesen worden, am Anfang war die Hoffnung etwas spannendes zu lesen. Bis zum nächsten Anfang…

  • Sarah sagt:

    Die beste satirisch-sarkastische Sendung in deutschprachigen Medien ist die Radioshow Sanft & Sorgfältig http://www.radioeins.de/archiv/podcast/zwei_alte_hasen.html von Olli Schulz und Jan Böhmermann, die haben noch Energie und Saft und sind derart lustig. Alle Sendungen sind auch frei, nur ohne Musikbeiträge, wöchentlich kostenfrei als podcast zu beziehen. Eine aktuelle Rezension http://www.dwdl.de/hoffzumsonntag/50968/boehmermann__schulz_zwei_fuer_den_bildungskanon/ ist auch sehr treffend.

    • adam gretener sagt:

      Schulz und vorallem Böhmermann sind einfach von einem anderen Stern. Diese beiden in einem Satz mit Giacobbo zu nennen, ist eigentlich schon eine Frechheit den beiden gegenüber.

      • Hannah sagt:

        Dabei frage ich mich schon immer, ob das System hat und es von wem auch immer nicht gewollt ist, dass sich die Menschen frisch, frei, kritisch amüsieren, sondern eher mit einem nur nicht zu progressiven Staatshumor konfrontiert werden.

  • Anna Meier sagt:

    aha

    • Jo sagt:

      Immer diese Meiers und Müllers mit ihren komplexen und geistreichen Inhalten. 😉 Aber für echten Humor reicht das noch nicht…

  • victors Foto Hintergrund meinte ich elektronische gerät zu erkennen doch genauer gesehen ist Architektur der sorte alles asphaltieren und betonieren zu sehen schwierig dasselbe in grün?

  • Michael Schneider sagt:

    Ich mag falsch liegen, aber er wirkt auf mich einfach extrem bünzlig und bieder. G/M ist nicht (mehr) lustig. Die Interviews mit den Gästen zum einschlafen. Die Einspieler oft im Ansatz gut, tolles Make up und dann doch nicht lustig genug. Aber offensichtlich stimmen ja die Quoten, dann scheint es der Ü60 ja zu gefallen und es gibt keinen Grund frischen Kräften das Feld zu überlassen. Wie lange ist jetzt Giacobbo schon die höchste Satire Instanz der Schweiz? Gefühlte 50 Jahre! Die Luft ist meiner Meinung nach draussen. Aber er klebt wie ein ein 85 jähriger Nationalrat auf seinem Sitz…

    • geezer sagt:

      yep, der Vik hat seinen zenit definitv überschritten, resp. ist altersmilde geworden. G/M ist echt langweilig. da erinnere ich mich mit wehmut ans spätprogramm; die besten sendungen waren diejenigen, welche von Harry oder Freddy direkt gehostet wurden. da war der Vik noch frech und direkt. heute sind die sprüche brav SRF-angepasst. pensionisten-tv!

    • Matthias Bänziger sagt:

      Eieiei… Das Volk stimmt mit dem Fernsehgerät ab und bei Einschaltquoten von über 30 Prozent gibt es keinen Grund, die Sendung einzustellen.
      Herr Schneider, schauen Sie doch die Sendung einfach nicht. Mir gefällt sie, die Interviews sind von langweilig bis äusserst unterhaltsam, je nach Gast. Und zeigen Sie mir bitte doch jemanden Jüngeren, der nachfolgen könnte.

      Leute unterhalten ist nicht einfach. In der Schweiz erst recht nicht. Die (bzw. Ihr!) Kommentare beweisen dies vorzüglich

  • Samuel sagt:

    Mehr frischer Satirenachwuchs für CH-Medien müsste gecastet werden. Am Bedarf und der Bezahlung kann es ja nicht liegen.

  • Irene feldmann sagt:

    Wenn Herr Giacobbo ein vorzeigehumorist ist, dann sehe ich die Zukunft sehr, sehr schwarz für euch……

    • Demian sagt:

      Warum sollte er das denn nicht sein, Frau Feldmann? Oder sollte ich Kurt zu Ihnen sagen…

      • adam gretener sagt:

        Ohne Helm und ohne Gurt. Einfach Kurt.

        Aber es ist schon so. In Sachen Humor ist die Schweiz ein Entwicklungsland.

        • Irene feldmann sagt:

          Adam…:) mir Häänd wiidääärrrr ämal fascht dä gliichii puls cka, gäälll??? 🙂

      • Irene feldmann sagt:

        Irene feldmann, ehemalige Glarnerin, wohnhaft im kibbutz, israel. Kurt war mal ein nachbarsjunge mit welchem ich mich um Mitternacht am Friedhof getroffen hatte. Demian, vermuten oder Paranoia ist ein unsteter Zustand, ich würde es begrüßen wenn sie diesen in Zukunft am richtigen Ort verschleudern würden, sincerly Not Kurt…..:)

        • Demian sagt:

          No Kurt, no fun… aber meine Frage steht immer noch im Raum. 😉 Bzw. wo finde ich guten Humor?

          • Réda El Arbi sagt:

            Naja, bei gutem Humor ist das schwierig. Weil jeder denkt, sein Humorverständnis sei witzig. Aber wer guten Humor sucht, sagt doch indirekt, dass er noch keinen hat? So sprachlogisch 😀

          • Irene feldmann sagt:

            Ich finde, humor hat mit intelligents zu tun, gedächtnisvermögen, Spontanität und planungsvermögen. Auch starke Persönlichkeit aber nicht überdrehtes ego….positive Lebenseinstellung und den Drang diese Freude oder Scharfsinn zu verbreiten, Demian, und nun suchen sie mal schön…..ich Gaa jez go chochäääää….:)

          • Demian sagt:

            Sie haben wohl beide recht. Humor ist Geschmackssache… und uf das än Guete =)

          • Hannah sagt:

            Intelligente Beschreibung Frau Feldmaus, Sie haben bestimmt auch Humor.

  • Karl Widmer sagt:

    Die Fragen wurden wohl schon oft gestellt. Armer VG. Und armer Leser. Ich habe nichts erfahren, was ich schon gelesen hatte.

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