Der Burger-Effekt mit «Big Little Lies»

Irgendwo geht ein neues Restaurant auf, und plötzlich heisst es von allen Seiten: «Dort gibt es im Fall den besten Burger der Stadt!» Irgendwann glaube ich es – und bin schon nach dem ersten Bissen enttäuscht, denn natürlich ist es nicht der «beste» Burger der Stadt, sondern schlicht ein «sehr guter» Burger, doch dieses «gut» schmeckt nach all den Vorschusslorbeeren höchstens noch «mittelmässig».

Diesen Burger-Effekt beobachte ich auch bei Serien. Bei «Big Little Lies» von David E. Kelley («Ally McBeal», «Boston Legal») zum Beispiel. Das Drama, in dem das geifernde Verhalten gut betuchter Vorstadteltern zu einem Mord führt, sei «brillant», «spannend», «durchtrieben», lese ich da und dort. Mehrere Emmys und Golden Globes vergolden die amerikanische Serie mit den Oscarpreisträgerinnen Reese Witherspoon und Nicole Kidman in den Hauptrollen. Doch schon nach der ersten Folge macht sich bei mir Ernüchterung breit.

Da wäre zum einen das Drehbuch. Subtext? Fehlanzeige. Die selbstanalytischen Monologe schiessen so überbordend aus den Figuren wie ein Zuviel an Ketchup aus einem Burger. Die Aufnahmen? So wunderschön-verklärt wie ein nie enden wollender Tom-Ford-Film. So schön, dass ich mich dabei erwische, die Lichtführung zu analysieren, statt der Handlung zu folgen. Es ist wie beim Speck: Eigentlich eine tolle Sache, stellt aber die anderen Zutaten vollständig in den Schatten. Und die Regie? Zuweilen einfältig wie ein pampiges Sesambrötchen. Sie kennt nur einen Kniff, um inneres Ringen sichtbar zu machen: Die Figuren starren ständig bedeutungsschwanger aufs Meer (und führen dabei bestimmt selbstanalytische innere Monologe).

Etwas fesselt mich an «Big Little Lies» trotzdem: der stimmungsvolle Vorspann, der stilistisch eigenständig daherkommt und gar nicht erst versucht, jenen von «Game of Thrones» zu kopieren – eine Seltenheit im Jahr 2018. Und der untermalt ist mit dem grandiosen Song «Cold Little Heart» von Michael Kiwanuka:

Tja, manchmal mundet der Appetizer halt am besten (ja, ich meine euch, käseüberbackene Nachos!).

 

«Big Little Lies»: Die erste Staffel läuft immer mittwochs ab 20.15 Uhr auf Vox.

1 Kommentar zu «Der Burger-Effekt mit «Big Little Lies»»

  • SABINE sagt:

    da merkt man wieder, dass die Schreiberlinge keine Ahnung haben. Big Little Lies ist etwas vom Besten, was die Serienwelt in der letzten Zeit herausgebracht hat. Desperate Housewives in Ernst, sozusagen. Am besten hättet ihr die intensiven Szenen mit Nicole Kidman in der Therapiesitzung abgewartet. Dort seht ihr, warum sie einen Emmy bekommen hat.

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