A Christmas Kackscheisse

Bald ist Weihnachten 2017 Geschichte. Gut so. Dann kann Netflix seine Produktion «A Christmas Prince» löschen und die Festplatte auf eine dicht befahrene Strasse werfen. Nun ja, es handelt sich um einen Film, da müsste ich als Serienjunkie streng genommen die Klappe halten. Doch es gibt Dinge, die sind so übel, dass man sich mitschuldig macht, wenn man schweigt. Und es ist schon erstaunlich: Ausgerechnet jener US-Streamingdienst, der das Niveau von Serien dermassen angehoben hat, dass mittlerweile jede oscargekrönte Kinoproduktion so uninspiriert rüberkommt wie eine Waschmittelwerbung aus den Neunzigerjahren, patzt in der einfachsten Sparte: beim Weihnachtsfilm.

Ein bisschen heile Welt, ein bisschen Schnee, vielleicht noch ein übersinnliches Wesen – jeder Mensch, der des Alphabets mächtig ist, könnte in unter 30 Minuten einen okay Plot zusammenschreiben. Netflix indes setzte auf «A Christmas Prince», eine derart angestaubte, geschlechterklischierte «Kackscheisse» (würde Moderatorin Gülsha Adilji jetzt sagen), dass ich erst glaubte, es handle sich um ein ironisches Statement: Eine ambitionierte Jungjournalistin recherchiert undercover in einem osteuropäischen Schloss über das Partyleben des schönen Prinzen, verliebt sich, deckt einen Skandal auf, bleibt ehrlich, verliert darum ihren Job – und wird schliesslich geheiratet vom neu gekrönten König. (Die Namen der Schauspieler unterschlage ich an dieser Stelle. Sie waren jung und brauchten das Geld, sie haben eine zweite Chance verdient.) Humor, Sprachwitz, fliegende Rentiere? Fehlanzeige.

Ein neues Jahr steht in den Startlöchern, und ich kann mir nur wünschen, dass Netflix – und alle anderen Sender und Streamingdienste dieser Welt – 2018 die Hände lassen von solchen Machwerken. Und stattdessen alle kreativen Kräfte in tolle Serien investieren. Und meinetwegen in überzeugende Waschmittelwerbung.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.