#metoo: Vom Charakterdarsteller zum Charakterschwein

«House of Cards»? Der Netflix-Hit geht in eine finale Staffel – jedoch ohne Hauptdarsteller Kevin Spacey (Bild), der Dutzende Mitarbeiter bedrängt haben soll. Die Amazon-Serie «Transparent»? Abgebrochen wegen angeblicher sexueller Übergriffe am Set durch Hauptdarsteller Jeffrey Tambor. Und auch laufende Projekte von Louis C. K. («Louie») wurden gestoppt, nachdem publik worden war, dass der Comedian vor (potenziellen) Mitarbeiterinnen masturbiert habe.

Die Lawine #metoo ist auch in der Serienwelt am Rollen und nicht mehr aufzuhalten. Opfer – Frauen wie auch Männer – entlarven die sexuellen Machtstrukturen, die seit eh und je das Showbusiness regeln. Einige unserer Fernsehhelden verlieren dabei ihr Gesicht. Das Dilemma: Viele von ihnen lassen ein beeindruckendes Werk zurück. Doch darf man ihre Produktionen noch gut finden?

Dieses Dilemma ist nicht neu. Polanski-Fans hadern schon lange damit. 1977 wurde der Kultregisseur («Rosemary’s Baby») in den USA erstmals wegen Vergewaltigung angeklagt. Dass Alfred Hitchcock Darstellerinnen wie Tippi Hedren oder Kim Novak einsperrte oder an den Boden fesselte, war nie ein Geheimnis – trotzdem finden sich seine Werke in jeder glaubwürdigen Filmsammlung.

Meiner Meinung nach müssen Serien nicht gleich für immer aus dem Programmheft gestrichen werden. Wichtig erscheint mir, dass die Rahmenbedingungen, unter denen sie entstanden sind, nicht ausgeblendet werden – allein schon aus Respekt gegenüber den Betroffenen. Und es sagt auch viel über die (vermeintlichen) Qualitäten eines Stars aus, wenn dieser scheinbar mühelos in die Haut von Schweinehunden schlüpfen kann, am Ende aber vielleicht nur sich selber spielt.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.