Brexit – Viagra für die Flamme des Patriotismus

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Politblog

Der Premier geht von Bord. Zeichnung: Dave Granlund, Politicalcartoons.com

Nun werfen wir im bunten Reigen der Brexit-Kommentare auch noch unseren Hut in den Ring und reden Tacheles: Dass die Briten der Beziehungskiste mit Europa den Laufpass geben, ist eine Win-win-win-Situation für Grossbritannien, für die EU und für die Schweiz. Die Tee- und Whiskytrinker sind ja mit der Idee schon lange schwanger gegangen. Aber es brauchte einen pfiffigen Pfadfinder wie David Cameron, der das schlingernde Schlachtschiff Britannia mit bretterharter Hand auf die Oase dieses basisdemokratischen Volksentscheids zusteuerte.

Dass Cameron nun wie ein geschlagener Hund im Hasengalopp den Feldherrenhügel verlässt, ist bedauerlich, aber logisch. Er wollte nicht Kanonenfutter sein für den Haudegen Boris Johnson. Dieser hat sich jetzt sowieso zum Lügenbaron gemausert, indem er ein sofortiges Austrittsgesuch plötzlich zum Luftschloss erklärte – und dann auch noch im Titanenkampf um das Amt des Premiers wie aus heiterem Himmel das Handtuch warf.

Aber auch Jean-Claude Juncker sieht sein dickes Fell davonschwimmen. Er wollte sich zum Klammeraffen und Charmebolzen adeln, der Europa als eine Koalition der Willigen knapp vor dem Abgrund stoppt. Aber der Jammerlappen hat seinen Goodwill verwirkt.

Der Ball liegt nun allein bei Angela Merkel, diesem treuen Lastesel der europäischen Idee, der nun reihum Klinken wird putzen müssen, um den Kontinent vor dem Kentern zu bewahren. Wir dürfen gespannt sein, ob das Licht am Ende des Tunnels Balsam auf ihre Seele sein wird oder ob sie als Chaosqueen ein neues Kapitel in der europäischen Tragödie aufschlägt.

Gerade wir Schweizer haben Schwein, weil sich das britische Volk deutsch und deutlich für den aufrechten Gang entschieden hat. Dass der Brexit uns wirtschaftlich schaden könnte, ist Jägerlatein, mit dem uns allerlei Krämerseelen einen Bären aufbinden wollen. Ganz im Gegenteil: Der britische Austrittsentscheid ist Viagra für die Flamme des wahren Patriotismus und Zunder für unseren stotternden Wirtschaftsmotor. Wer anderes zu behaupten wagt, schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht!

16 Comments sur «Brexit – Viagra für die Flamme des Patriotismus»

  • Monique Schweizer says:

    “Der britische Austrittsentscheid ist Viagra für die Flamme des wahren Patriotismus und Zunder für unseren stotternden Wirtschaftsmotor.”
    Bei Boris Johnson hat das Viagra keine wirkliche Standhaftigkeit gezeigt und Nigel hängt vermutlich auch lieber bei Bier und Zigi im Pub rum und brüstet sich für seine “Heldentat”…
    Wenn jetzt noch eine eiserne Lady Premier wird, dann könnte das infolge steigender Arbeitslosigkeit auf der Insel eher für sozialen Zunder sorgen und so enden wie im August 2011.
    Für die CH gibt es auch kein Rosinenpicken mehr – Vogel friss oder stirb!
    So toll sind wir ohne Bilaterale Verträge auch nicht mehr.
    Vermutlich müssen wir zusammen dann mit den Engländern Viagra zu uns nehmen, weil wir so impotent geworden sind dank unseren falschen Partioten!

    • Niklaus Vogler says:

      Frau Schweizer: Die EU ist momentan eine Fehlkonstruktion. Die nationalen Regierungen müssten in den Hintergrund treten. Die EU müsste ein Parlament und eine Regierung erhalten, die diesen Namen verdienen. So hätte Europa eine Chance in Zukunft, zu bestehen neben den Grossmächten wie China, Indien, USA, usw. Wer da Rosinen pickt sind doch eher jene Herrschaften, die in Schweiz kommen und unseren Einheimischen die Stellen und Wohnungen vor der Nase wegschnappen.

      • Glücki René says:

        Hr. Vogler. Sie sind auch einer derjenigen, der als Aussenstehender ganz genau weiss, was den nun an der EU falsch ist und das alles gaaaanz schlecht ist. Dann trumpfen Sie mit diffusen Lösungsansätzen auf und am Schluss wird – wie immer – das Gespenst der Stellen- und Wohnungsklauer heraufbeschworen. Wer was verändern will, der muss das von Innen heraus tun. Wer das nicht will, soll gefälligst den Mund halten und aufhören, andere zu bevormunden!

      • Monique Schweizer says:

        Vogler: Auch wenn die EU sicher gewisse Defizite hat, ist sie nach wie vor die Realität in der wir uns bewegen müssen, mit denen wir handeln und die unsere Nachbarländer sind.
        Ohne die Zuwanderung zw. 2009 bis heute hätten wir die Finanz- und Schuldenkrise weltweit wohl sicher nicht so gut überstanden – aber das schreibt ja keiner von Euch – Ihr sucht immer nur nach den Haaren in der Suppe und macht Stimmung mit “Dichtestress” und ähnlichem Schwachsinn!!

    • werner boss says:

      Frau Schweizer , So eine Rosine wäre zum Beispiel der CEO von Nestle zu sein, oder ?
      Dieses Beispiel diese sich beliebig fortsetzen , hinunter bis zu Maurerpolier ! Und dann wären da ganz nebenbei noch die für uns minderbemittelten Schweizer unerreichbaren Liegenschaftsverkäufe an Namen, welche auszusprechen ich zuerst erlernen muss!! Und sie meinen sicher das würde dann besser in der EU, da ja Sie alleine bestimmen könnten..

  • Wildberger says:

    Für Patrioten ist Unabhängigkeit, Demokratie und Selbsbestimmung sexy und sie braucht kein Viagra, im Gegensatz zu den EU-Turbos, die eine Domina brauchen, die mit der Peitsche droht, um in Fahrt zu kommen.

  • Peter Krummbuckel says:

    @Monique Schweizer: Wo hat die Schweiz je Rosinen gepickt. Aus meiner Sicht haben wir eher genug Kröten geschluckt. Die EU ist eine Ideologie eines Gross-Zentralstaates und hat den Kontakt zum Volk völlig verloren. Das Prinzip mit der PFZ lässt sich nicht länger halten, zu unterschiedlich sind die Regionen.

    • Monique Schweizer says:

      Krummbuckel: In einem Land wie der CH mit Highend-Technologien mit hoher Wertschöpfung ist eine PFZ nun mal unerlässlich um genügend gute Leute in all die Life Science, Technoparks etc etc. zu bringen, damit die CH ihren Wohlstand wahren kann. Nicht umsonst hat Basel das höchste BIP Kopf mit über 170’000 – mehr als das doppelte der Restschweiz!
      .
      Suchen Sie doch mal auf dem RAV nach Nanotechnologiespezialisten, erfahrenen Biomed-Fachkräften und anderen hochqualifizierten Spezialisten — sie werden wohl kaum genügend finden beim RAV. Was die meisten Durchschnittsarbeitslosen in der CH können, das kann und wird man mit der Zeit eh ins Ausland outsourcen oder automatisieren! Das ist die Realität!

  • H.Trickler says:

    Höchst erfreulich dass sich jemand traut eine eigene Meinung fernab vom Mainstream der Aufgeregtheiten zu publizieren!

  • Sebastian Müller says:

    Gratulation an Edgar Schuler! Da hat jemand mit spitzer Feder kräftig hingelangt. Besondere Hochachtung für Ihre vielen gelungenen Sprachbilder – das macht einen Text kräftig und saftig! Sie haben Recht. Boris Johnson hat das Fuder überladen, vor allem im metaphorischen Sinne.

  • Manu Wiederkehr says:

    So, so der Brexit schadet “uns” also. Wer ist das eigentlich? Es gibt so viele “unse” in der Schweiz. Was hat ein CS-Renditenjaeger gemein mit einem Ü40-Angestellten? Und dieser mit dem Oberhaupt eines hierher dislozierten nahöstlichen Clans? Die Schweiz gibt es nicht und “Europa” auch nicht. Real sind bloss Stämme und die unendliche Weite des Weltalls.

  • Roland K. Moser says:

    GB wird auch noch in 10 Jahren EU-Mitglied sein 🙂

  • roman says:

    Woher kommt wohl der naive Glaube daran das ohne EU besser läuft? Klar kann Geld gedruckt werden um die Märkte zu beruhigen. Aber wer beruhigt die rechten Parteien? Die werden nucht aufhören weiter öl ins Feuer zu giessen da sie sonst nichts können. Kein globaler Marschallplan, alles rückzugsargumente um sich ein kleines Reich aufzubauen und zu herrschen..

    • Stadelman Reto says:

      Dafür gibt es einen einfachen Grund. Wechselt man das Wort EU gegen Globalisierung aus, wird es schneller sichtbar.
      Die immer effizienter werdende Wirtschaft erhöht den Reichtum im Westen nicht. Im Gegenteil. Sie macht dem westlichen Mittelstand das Leben schwer. Daher macht es Sinn, wenn man statt maximaler Effizienz mit maximaler Arbeitsteilung lieber auf weniger Arbeitsteilung setzte, dafür aber speziellere Produkte und mehr Arbeitsplätze. Das ist effektiver als Sozialabgaben und kann die Wirtschaft tatsächlich zum blühen bringen, weil wieder mehr Menschen an ihr teilnehmen.
      Natürlich ist eine solche Entwicklung von unzähligen Faktoren abhängig und kann sich genau so schnell als Hirngespinst entpuppen. Aber wenn man es nicht einmal versucht…

  • Karl Knapp says:

    Angela Merkel wird den Ball, der jetzt bei ihr liegt, möglichst flach halten, um nicht brutalstmöglich den Bären zu treffen, den sie uns gleichzeitig aufbindet. Und die Krone ist natürlich auch ein Plagiat, auch wenn diese original nicht von einem Zahnarzt, sondern einem Humanmediziner stammt, aber dies nur als Zwischenruf …

  • Stadelman Reto says:

    Ich würde mal gerne anders diskutieren. Ich vertrette seit längerem die Meinung, dass die Vorteile der Globalisierung ohne vernüftiges teilen verpuffen. Das dürfte wohl eines der grössten Probleme der Globalisierung sein. Sozialhilfe (die eher gekürzt als ausgebaut wird) ändert daran wenig. Sozialhilfe ersetzt keine Arbeitsplätze.
    Der Nationalstaat kann hier nun Gegensteuer geben. Er erlaubt es den Menschen an der Wirtschafts teilzunehmen (sie müssen Dinge selber machen) und nicht von Sozialhilfe anbhängig zu sein. Er erlaubt es, einzellne Regionen zu entwickeln und nicht sofort einen Erteil zu verlassen, sobald es mal nicht so rund läuft.
    Das sind die Dinge, über die ich gerne Reden würde und nicht die ewige Polemik. Es gibt nämlich tatsächlich Changen und Möglichkeiten!

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