Staub fressen und Haut zeigen

Das Wetter ist immer ein Thema. Auch dann, wenn man nicht dem Bauernstand angehört. Die Mehrheit der arbeitstätigen Bevölkerung ist den Launen des Wetters ohnehin schon längst nicht mehr ausgesetzt. Und trotzdem wird dem Wetter in jeder Zeitung viel Platz eingeräumt. Die Platzierung ist meist prominent. Und auch die Wetterprognosen im Fernsehen erreichen kurz vor acht Einschaltquoten, von denen so manches Unterhaltungsformat nur träumen kann. Wer das Wetter der kommenden Tage vor laufender Kamera zum Besten gibt, gehört damit bereits zur nationalen Cervelat-Prominenz und darf sich in allen «Jöööö-Medien» zeigen, sollte es einmal Nachwuchs geben.

Unsere Fokussiertheit auf das Wetter manifestiert sich auch im Internet. Wer auf Google eine Suchanfrage mit dem Begriff «Wetter» startet, darf im Anschluss daran 98’500’000 Webseiten durchforsten. Vom professionellen Wetterdienstleister (z. B. Wetter3.de) bis zur Wettervorhersage mit Hilfe des Hundertjährigen Kalenders ist alles dabei. Wobei letztere in der Retrospektive durchaus kabarettistisches Potenzial hat. Ein Müsterchen gefällig? «Der April 2011 beginnt mit überfrierender Nässe und am 4. 4. 2011 gibt es nochmals Schneefall. Das Wetter im April 2011 zeigt sich bis zu Monatshälfte sehr unbeständig, Sonne, Wolken, Schnee und Regen wechseln sich ab. Vom 16. bis 20. April wird es sonnig und warm werden. Danach ziehen nochmals rauhe Winde durchs Land, welche Reif und Frost mit sich bringen.»

Natürlich weiss man es rückblickend immer besser. Gott sei dank haben wir Mountainbiker den April einigermassen schadlos überstanden. Die überfrierende Nässe hat glücklicherweise zu keinen Stürzen geführt und der sich mit Schnee abwechselnde Regen hat den Boden auch nicht allzu stark aufgeweicht. Ja, wir erinnern uns auch vage an vergangene Jahre, in denen der Auftakt zur Bikesaison mit regelmässigeren Schlamm-Orgien und mehr Bikereinigung verbunden war. Allerdings soll man sich nicht zu früh freuen, denn schon im Mai kann alles wieder anders kommen:

«Der Mai 2011 beginnt mit sonnig-warmem Frühlingswetter. Am 6. 5. 2011 ziehen Gewitter auf und die nächsten Tage wird es bis zum 16. 05. 2011 viel Regen geben. Danach gibt es schönes und mildes Frühlingswetter. Ab dem 24. 5. 2011 gibt es nochmals eine Woche raue Luft und der Mai endet ab dem 30.05.2011 mit wunderbarem Frühlingswetter.» Wir werden sehen!

Und wie lautet mein persönlicher Wetter- und Trailzustandsbericht von der Singletrail-Front im Osten? «Der Winter hat sich in den tiefen Lagen nur sehr kurz gezeigt und sich danach gleich wieder verabschiedet. Der darauf folgende Frühling hat Wort gehalten: Er kam früh und hat sich hartnäckig gehalten. Zum Glück! Mit jeder Woche Trockenheit ist mindestens ein notorisches Schlammloch mehr ausgetrocknet, sodass es mittlerweile ein Ding der Unmöglichkeit ist, sein Mountainbike mit Schlamm zu beschmutzen. Die Putzlappen sind im Keller verschwunden, stattdessen ist in der Bikewerkstatt ein Staubwedel in Betrieb genommen worden. In gleichem Masse wie die Temperaturen gestiegen sind, hat die durch Textilien verdeckte Hautfläche abgenommen. Das Positions-Gerangel vor der Abfahrt ist allerdings noch grösser geworden, als es dies ohnehin schon war. Der Grund: Bereits die zweite Position in der Gruppe ist die erste Verliererposition, weil der Vorausfahrende dermassen viel Staub aufwirbelt, dass man mehr Staub als Kraftriegel frisst. Ein paar Regentropfen würden deshalb mittlerweile nicht nur die Bauern freuen, sondern auch die Bikerinnen und Biker auf den Positionen 2 und folgende. Ach ja, dank etwas Regen würde auch die Traktion der Reifen auf dem Untergrund wieder etwas erhöht.»

Aber das ist noch längst kein Grund dafür, sich mutwillig Regen herbeizuwünschen. Ein Bikerfrühling wie wir ihn 2011 erleben durften, darf gerne jährlich wiederkehrend sein!

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14 Kommentare zu «Staub fressen und Haut zeigen»

  • Velofrau sagt:

    Hier ist ein spannnender Artikel für euch, weshalb Frauen immer so schlechte Bikes haben.

  • Lucky_Looser sagt:

    Trockene Trails sind natürlich wunderbar! Der Natur gönne ich aber den aktuellen Regen von Herzen und meiner Lunge die frisch gewaschene, pollen- und ozonfreie Luft.

  • Heiko sagt:

    Nachdem einige Blogeinträge für rege Diskussionen sorgten, kommt nun ein überuas inhaltsloser Beitrag mit Fotos daher welche hauptsächlich aus einem Werbekatalog zu stammen scheinen.

    Nachdem ich mich anfänglich sehr über diesen Blog freute, hoffe ich nun lediglich dass er sich wieder an wirklich interessanten und vorallem informativen Beiträgen orientiert.

    Noch zum Thema: Wetter immer mittels Meteoschweiz, wetter.com und dem wetter von sear.ch (wegen der guten darstellung in der iphone app) checken, dann klappts meistens…

    • Sir Lancelot sagt:

      oder den Firefox Weather Cast beim Firefox Browser…der klappt am besten. mit wind etc.

  • Sir Lancelot sagt:

    Mal was anderes den Trail auf trockenem Untergrund zu fahren. Ansonsten sind wir Schweizer immer mit feuchten bis nassen Trails bedient :) also sind wir mal kurz froh darüber, dass wir auch einmal die andere Seite erfahren durften.

    obwohl für mich immer noch die Faustregel gilt: je schlechter das wetter desto besser der ride

  • Spezi Hamsterbach sagt:

    Also mein Bike war gestern nach dem Platzregen mit Hagel am Uetliberg ziemlich gut eingesaut…

    Abgesehen davon hat schlechtes Wetter in dicht besiedelten Gebieten immer den Vorteil, dass es viel weniger Leute hat.

    • Esteban Zimmermann sagt:

      Und deswegen gehe ich jetzt auf den Uetliberg :-)

      • Rolf sagt:

        Wow! Dass nenne ich Naturnah! Und fördert erst noch die Erosion! Gratuliere!

        • Esteban Zimmermann sagt:

          Ja danke das war ein geilen Ride…alleine auf dem Uetliberg. Zur Thema Erosion: willst mal mitkommen?Kann dir meine Schlamm Pneus ausleihen ;-) Dann musst du nicht vor dem PC hocken, während ich ein nassen BIKE TRAIL erodiere ;-)

          • ruchti simon sagt:

            lieber esteban dein komentar zum thema erosion sind fehlt am platz. sie wird uns biker in zukunft stark beschaeftigen! auch als biker darf man ueber den tellerrand hinausschauen!

          • Esteban Zimmermann sagt:

            @ruchti: hab das gesagt weil meiner Meinung nach ist die verursachte Erosion durch Biker auf einen offiziellen Trail (-> wird mind. einmal pro Saison unterhaltet) vernachlässigbar klein im Vergleich zur Erosion durch den Rest der Bewirtschaftung am Berg. Jetzt ein paar Zahlen:
            Erosion ist tolerierbar bis 10t/ha und Jahr Materialabtrag.
            Uetlibergtrail ist 2.2km lang und sagen wir mal im Schnitt 1m breit. Dann ergibt sich eine Trailfläche von 0.22ha.
            Wenn es Schlamm hat am Trail sebe ich im Schnitt 3 Biker. Dh etwa 3 Biker / h bei Schlamm. Sagen wir mal der Trail ist Schlammig ein Viertel vom Jahr, also etwa 90 Tage. Sagen wir auch es ist 10 Stunden pro Tag fahrbar. Also 30 Biker pro Schlammtag mal 90 Tage Schlamm macht 2700 Fahrten bei Schlamm pro Jahr. Mein Bike ist im Schnitt etwa 0.5kg schwerer nach einer Schlammfahrt. Es wird also 1350kg Material abgetragen pro Jahr bei Schlamm. Das sind etwa 6t/ha pro Jahr. Es ist zwar nicht wenig, aber das war meiner Meinung nach eine Überschlagsrechnung. Dazu passiert diese Erosion sehr konzetriert am gleichen Ort jedes Jahr. Die Umgebungsvegetation und Tiere können sich daran gewöhnen. Schlimmer wäre es wenn eine Fraktion der Biker überall im Wald fahren würden. Es würde weniger Material abgetragen aber den Schaden wäre auf eine grössere Fläche verteilt. Und im Fall vom Wald ist das schlimmer. Also das war meine Meinung und Abschätzungen mit ein bisschen Googlen. Wenn jemand mich seriöse Zahlen geben kann oder eine andere Überlegung, bin ich offen und s würde mich interessieren. Aber Bemerkungen mit Ironie wir die von Rolf verdienen in meiner Augen nicht besseres. Ausserdem klingt er ein bisschen verklemmt und sollte mehr Biken ;-) Mein Offer für die Schlammpneus ist immer noch offen Rolf!

          • Michi sagt:

            Manche können eben nicht über den Tellerrand hinaus schauen. Darum langt ihr Blick meistens auch nur bis zum Vorderrad! Den geistigen Horizont will ich schon gar nicht kommentieren!

        • Barbara sagt:

          @Esteban: Zum Glück bist du in Zürich!

          • Rolf sagt:

            Da bin ich genau deiner Meinung Barbara! Es kommt ja nicht von ungefähr, dass solche Id… oder Tr…., die ausser Zahlen nichts mehr im Kopf haben, oft in Zürich anzutreffen sind. Tzzz…. vernachlässigbare Erosion… Ein verzweifelter Versuch, sich etwas schönzureden!

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