Raus aus der Kletterhalle, ran an den Fels

Meine liebste Kletter-Disziplin ist das Bouldern. Zum einen, weil man es allein ausüben kann, aber auch weil es sehr kraftintensiv und technisch ist. Man verbringt viel Zeit draussen und entdeckt Orte, Wälder, Felsplateaus und Regionen, die man sonst wohl nie bereisen würde. Beim Klettern soll man sich nicht nur auf die körperliche Betätigung in Kletterhallen beschränken, sondern sich auch nach draussen an den Fels wagen – ganz egal, wie hoch das eigene Level ist. Wichtig dabei ist, dass man sich sicher fühlt und keine unnötigen Risiken eingeht.

Bouldern ist als eine Kletter-Disziplin unter vielen einzuordnen. Denn unter «Klettern am Fels» versteht man natürlich weitaus mehr als nur das Bouldern.

Ich persönlich teile das Klettern in folgende Kategorien auf. Hier eine Übersicht, die Grafik zeigt eine Auswahl der wichtigsten Disziplinen:

Klettern

Eine vereinfachte Kategorisierung des Kletterns (Grafik: Marc Fehr)


 

Die farbig hervorgehobenen Unterkategorien werden nachfolgend kurz erklärt:

Bouldern (engl. Bouldering)

Wird sowohl drinnen als auch draussen betrieben. Eine «ursprüngliche» Form des Kletterns, ohne Seil. Man klettert an Felsblöcken und -wänden, üblicherweise nur so hoch, dass man sich bei einem Fall nicht zwangsläufig ernsthaft verletzt. Die einzelnen Züge und Bewegungen sind dafür oft schwieriger und kraftintensiver als bei anderen Disziplinen. Das Bouldern ist ein sehr präziser Sport, man trägt deshalb Schuhe, die einem eigentlich zu klein sind. Mehr Intensität, weniger Ausdauer. Draussen trägt man eine Matte (Crashpad, Boulderpad) mit sich herum, die den Aufprall auf dem Boden dämpft. Boulderer bürsten die Griffe am Fels ab, um den bestmöglichen Halt daran zu finden.

Bouldern

Beim Bouldern wird ohne Seil geklettert, oft an frei stehenden Felsblöcken in überschaubarer Höhe. (Foto: Marc Fehr)

Sportklettern

Klettern mit Seil, sowohl in der Halle als auch draussen möglich. Die Haken (engl. Bolts) werden in den Fels geschraubt oder geklebt, meist an Felswände, an denen man kaum Griffe oder Risse findet, um eigene Sicherungen zu platzieren. Man klettert am Fels hoch, das Seil wird nur als Absicherung verwendet. Oft schwierigere Griffe und Bewegungen als beim Trad-Klettern. Sportrouten werden vielfach an glatten Felswänden platziert, gut geeignet dafür ist Kalkstein. Die Routenlänge misst man in Seillängen, das Klettern erfordert mehr Ausdauer als das Bouldern, ist jedoch «invasiver» als Trad-Klettern oder Bouldern, da die Haken im Fels permanent zurückbleiben.

Sportklettern

Beim Sportklettern werden die im Fels verankerten Haken nur zur Sicherung gebraucht. (Foto: unsplash.com)

Technisches Klettern (engl. Aid Climbing)

Klettern mit Seil, bei dem die Hilfsmittel (Seil, Haken, Netze, Leitern, Griffe oder auch Tritte) nicht nur zur Absicherung wie beim Sportklettern, sondern auch zum Erklettern einer Felswand oder eines Berges benutzt werden dürfen. Heute am ehesten gesehen in Klettersteigen oder bei alpinen Hochtouren. In den 1930er-Jahren konnten dank technischer Kletterei viele heute bekannte Felswände (Beispiele: Eiger-Nordwand, Piz Badile, Matterhorn) erstmals begangen werden. Da mittels technischen Kletterns praktisch alles erkletterbar wurde, geriet die Weiterentwicklung in eine Sackgasse. So wurde in den 1970er-Jahren das Freiklettern (Sport, Trad, Free Solo) als Gegenbewegung wieder populärer.

Aid Climbing

Royal Robbins bei der Besteigung der Wand El Capitan im Yosemite-Nationalpark im Jahr 1961. (Foto: Wikipedia/Salathé Wall)

Free-Solo-Klettern

Die wohl spektakulärste Form des Kletterns. Man klettert entlang von Sport- oder Trad-Routen, jedoch ohne Seil oder Absicherung. Beim Free Soloing kann der Kletterer jederzeit stürzen und sich dabei schwer verletzen oder gar sterben. Einer der wohl bekanntesten, heute lebenden Free-Solo-Kletterer ist der US-Amerikaner Alex Honnold.

Video: Youtube, National Geographic Live

 

Trad-Klettern (traditionelles Klettern)

Klettern mit Seil, üblicherweise draussen. Man klettert am natürlichen Fels hoch, ohne permanent im Fels platzierte Hilfsmittel. Der Kletterer sichert sich selbst (und andere) mit eigenen Haken und Keilen, die er in Risse und Ritzen klemmt. Die Routen sind vom Schwierigkeitsgrad her tendenziell einfacher als beim Sportklettern, der Kletterer muss jedoch mehr Erfahrung mitbringen, um sich selbst und andere korrekt abzusichern. Trad-Routen gibt es üblicherweise in Felswänden, an denen sich ausreichend Möglichkeiten finden, eigene Sicherungen zu platzieren. Gilt als «traditionelle» Art des Kletterns. Weitere Unterkategorien sind etwa das Alpinklettern, das Eisklettern oder gar das Bergsteigen.

Trad-Klettern

Beim Trad-Klettern setzt der Kletterer seine Sicherungen selbst – und entfernt sie danach wieder. (Foto: climbingschool.com)

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Lesen Sie Teil 1 unserer Sommerserie: Der Boulder-Slang – Von Arêt bis Undercling

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