So umlaufen Sie den Kater

Bergab droht Muskelkater, wenn das nicht trainiert wird: Läuferin auf der Baldwin Street in Dunedin (NZ), einer der steilsten Strassen der Welt. Foto: Marcos Brindicci (Reuters)

Die Warnung ist deutlich: «Muskelkater wird oft als Lappalie wahrgenommen, ist aber in Wahrheit eine Summe von Kleinstverletzungen der Muskulatur.» Das sagte der Orthopäde und ehemalige Weltklasseläufer Thomas Wessinghage in meinem letzten Beitrag. Fakt ist: Um dieses Tier, das immer wieder die Muskeln ungeübter und ambitionierter Sportler malträtiert, ranken sich viele Gerüchte. Wessinghage und ich räumen mit acht Muskelkater-Mythen auf.

Nur wenn ich Muskelkater habe, war mein Training was wert.

Falsch! Training, bei dem Muskelkater entsteht, mag durchaus effektiv sein für den Herzkreislauf, den Stoffwechsel oder die Koordination. Für den verkaterten Muskel ist es aber deutlich weniger wert. Er ist verletzt und kann deshalb nur beschränkt auf Trainingsreize reagieren. Sprich: Er muss sich erst heilen, bevor er wieder richtig an die Arbeit kann.

Muskelkater verschwindet, wenn ich ihn ignoriere und weitertrainiere.

T. Wessinghage.

Falsch! Das ist in etwa so, als ob man sich in den Finger geschnitten hat und, damit die Wunde besser heilt, nochmals an derselben Stelle das Messer ansetzt. Die Gefahr ist erheblich, dass durch ein weiteres Training die Verletzung des Muskels noch grösser wird. So könnte aus einem leichten Muskelkater eine gravierendere muskuläre Verletzung entstehen, die eine noch längere Regenerationszeit benötigt.

Der Masseur vertreibt meinen Muskelkater.

Falsch! Eine Massage kann man durchaus nutzen, um die Umgebung des betroffenen Muskels zu lockern. Mehr nicht. Der Masseur sollte die verkaterte Stelle unbedingt in Ruhe lassen. Kein externer Reiz vermag die heilenden Fähigkeiten des Organismus zu verbessern.

Bei einigen Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren lauern keine Kater.

Stimmt grundsätzlich! Zu Muskelkater führen exzentrische Bewegungen, dabei wird die beanspruchte Muskulatur während der Belastung gedehnt. Etwa, wenn man nach einem Klimmzug den Körper wieder herablässt. Dann bremst der Bizeps durch seine Kontraktion die Bewegung ab. Beim Radfahren und Schwimmen gibt es kaum derartige Belastungen.

Gründliches Aufwärmen verhindert Muskelkater.

Falsch! Aufwärmen verändert den Bewegungsablauf nicht, der den Muskelkater provoziert.

Mit eiweisshaltigen Shakes vor oder nach dem Training kann man Muskelkater vorbeugen.

Falsch! Da kann sich der Sportler ebenso gut ein Eis gönnen. Der Eiweissshake kann keine Verletzung ungeschehen machen. Der mechanische Reiz, der sie verursacht, bleibt mit oder ohne Shake derselbe.

Wer fit ist, kriegt keinen Kater.

Stimmt bedingt. Wenn mit fit ein spezifisches Training gemeint ist, stimmt das. Beispiel: Ein Läufer, der an einem Wettkampf bergab donnert, kriegt Muskelkater, wenn er das nicht vorher trainiert hat. Stärkt er aber die geforderten Muskeln, indem er Bergablaufen in seine Vorbereitung einbaut, kann er durchaus katerfrei bleiben.

Aspirin ist nicht nur gegen den Kater im Kopf, sondern auch gegen verkaterte Muskeln das beste Mittel und lässt ihn schneller verschwinden.

Falsch! Ein Aspirin fördert nicht die Heilung. Spürbar ist allenfalls die schmerzlindernde Wirkung des Medikamentes. Gegen Muskelkater helfen eigentlich nur Geduld, damit die kleinen Verletzungen heilen können, und sanfte und schmerzlose Bewegung, um die Durchblutung zu fördern.

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