Schlecht geschnitten

Zerfahrener Waldboden beim «Holy-Hansen»-Trail im Vinschgau. (Foto: Facebook/Holy Hansen)

Schuld seien die «Biker-Massen», die «Strava-Sklaven» und im Zweifelsfall sind es die häufigen Shuttles, mit denen auch solche Biker auf die Trails gebracht würden, die ansonsten nur im Bikepark «shredden». So und ähnlich lauten die Reaktionen auf ein Foto, das Anfang Mai auf Facebook die Runde machte. Es zeigt eine lang gezogene Kurve des sehr beliebten Mountainbike-Trails «Holy Hansen» im Vinschgau. Obwohl nicht besonders eng, hat genau diese Kurve ganz offensichtlich eine grössere Anzahl Mountainbiker dazu verleitet, abzukürzen. Ergebnis: Der Waldboden im Kurvenzwischenraum ist zerfahren und erodiert.

Die bessere Alternative?

Warum wird überhaupt geschnitten? Die Kurve im Vinschgau steht stellvertretend für ein Phänomen, das sich nicht nur auf hoch frequentierte Trails beschränkt, die mit Fahrdiensten oder Gondeln erreichbar sind (wenngleich sich dort die Schäden natürlich potenzieren). Aber egal, wie überlaufen: Dort, wo es Spitzkehren gibt – und der Weg nicht so ausgesetzt ist, dass Abkürzen die schlechtere Wahl wäre –, schneidet früher oder später einer die Kurve in Falllinie und fräst eine dunkle Spur in den Waldboden. Irgendjemand, der nach ihm kommt, hält die Line für eine gute (oder leichtere) Alternative und tut es ihm gleich. Das Phänomen lässt sich übrigens auch bei Wanderern beobachten, die zu bequem sind, die längere Strecke um die Kurve zu laufen. Geht es nur um Geschwindigkeit? Viele Abkürzungen schaffen nicht mal mehr Flow. Aber bringen vielleicht ein paar Sekunden, wenn die Fahrtechnik fehlt und der Rest der Truppe schon nicht mehr in Sichtweite ist. Womit wir zum eigentlichen Punkt kommen: mangelndes Fahrkönnen und fehlende Technik.

Trainieren, bitte!

Schauen wir mal über den Tellerrand: Kommt man beim Klettern oder Bouldern an eine Schlüsselstelle, geht man das Problem so lange an, bis es gelöst ist. Allerdings hat man in der Regel auch keine andere Wahl – vorausgesetzt, man möchte die Route bewältigen. Aber kein Kletterer oder Boulderer käme auf die Idee, einen Griff oder Tritt in den Fels zu schlagen, damit die Route einfacher wird. «Mehr Totholz in den Kurvenzwischenraum legen oder Büsche pflanzen», empfiehlt ein Facebook-User als Lösungsansatz. Ganz klar, nicht jeder kann sofort elegant das Hinterrad versetzen. Oder – wo möglich – auch nur sauber durch die Kurve surfen. Aber das wird auch später erst dann funktionieren, wenn man es trainiert. Ohne Fleiss kein Preis. Sprich: Wer Kurven flüssig fahren will, muss üben. Oder absteigen. Aber sicher nicht mitten durchs Gemüse brettern, denn das führt nicht nur zu teils erheblichen Schäden in der Landschaft, sondern kratzt auch ganz gewaltig am Image aller Mountainbiker.

Meine Meinung: Passt die Fahrtechnik dem Trail an, nicht den Trail der Fahrtechnik. Denn wenn wir sämtliche Herausforderungen «glattbügeln», verlieren die Trails ihre Individualität – und das ist doch auf Dauer ganz schön langweilig, oder?

Wie sehen Sie das Problem? Kennen Sie selbst viele Trails, auf denen die Kurven geschnitten werden? Welche Lösungen halten Sie für sinnvoll?

19 Kommentare zu «Schlecht geschnitten»

  • Chrigel sagt:

    Könnte es nicht auch sein, dass dies keine Spuren von Abkürzungen sind, sondern zum überhohlen eines langsameren Bikers?
    Das Problem wäre dann nicht ein „Bikerowdy“ sondern die fehlende Möglichkeit zum Überholen.
    Bitte immer mehrere Ursachen in Betracht ziehen.

  • Peter Lustig sagt:

    Ich hoffe Sie sind keiner derjenigen, die absichtlich Baumstämme und ähnliches über die Trails legen. Bin letzthin einen Singletrail gefahren, den ich auch oft bewandere, und hopple, an 2 Stellen, und zwar schlecht einsehbar. Wenn ich ein guter Biker wäre und schneller fahren könnte wäre ich ev. schwer gestürzt. Folgen? Meinerseits sicher eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung gegen Unbekannt. Und wenn die Chance klein ist, den Täter zu erwischen, so hoffe ich doch, dass man einmal einen erwischt und entsprechend lange wegsperrt!

  • Yvonne sagt:

    Ganz einfach: Runterfahren darf nur, wer auch mit eigener Muskelkraft hochgefahren ist. Problem gelöst.

  • Alfred Kleeb sagt:

    Na ja, Probleme gibt es auf dieser Welt. Ich finde die sogenannten Biker Freunde zu ko….. brettern durch den Wald, stören Wild und Vögel und brauchen Autobahnen durch die Natur für einen Kick. Zu blöd um darüber nachzudenken. Heute wird alles was es zu zerstören gibt mit Sicherheit auch zerstört. Hirn ausschalten, Natur verschandeln und nach getanem Hobby noch ein Schnitzel mit Pommes.

  • Tom Fontana sagt:

    Ja leider ist das so und es wird immer solche Biker geben bis ein Politiker sich ins Rampenlicht bringen will und verbote durchsetzen möchte nicht wegen der Natur sondern um beachtet wahrgenommen zu werden und wir helfen denen gegen uns friedlich, freundliche, tolerante Biker vorzugehen.Es erstaunt mich auch immer wieder das Biker untereinander Unterschiede machen zwischen E BIKE Muskelbike usw,manche werden nicht akzeptiert obwohl alles Biker sind egal wie eine große Familie mit gleichen intressen manche besser träniert mein Respekt andere vielleicht auf dem weg dazu oder mit anderem Grund das einzige was zählt wir sind BIKER freundlich tolerant helfen einander und halten die Regeln, da wir von der intakten Natur profitieren. Gruß Tom

  • Danny sagt:

    Ich bin auch Biker aber ich würde nie auf die Idee kommen abzukürzen wwnn nicht ein sehr trofftiger Grund dafür sprechen würde. Zudem: Wer an dieser Stelle abkürzt bringt sich selbst um den Spass denn die Kurve eignet sich um die richtige Technik zu üben. Daher sehe ich auch den Einwand das es an Technik mangelt und dass es eben leider auch bei Biker Leute gibt die kaum 1 + 1 zusammenzählen können.

  • Walter Iseli Trailprotectors Emmental sagt:

    Wenn mehrere Wanderer bei nassem Wetter einen schmalen Weg begehen giebt dies natürlich keinen Morast! Ach ja bei nässe wird nicht gewandert
    Übrigens ärgere ich mich auch extrem über alle Abküzler. Wir bauen Trails und sie zerstören sie wieder.

    • I. Bissig sagt:

      Das Argument <> zieht offenbar immer.
      Wer macht wohl mehr Schäden: der Wanderer oder der Biker? Mit Grundkenntnissen der Physik wie Impuls und Energie, Actio/Reactio, Hebelgesetz usw. lässt sich das auch für einen heldischen Trailprotector lösen….

  • fufi sagt:

    „Das Phänomen lässt sich übrigens auch bei Wanderern beobachten, die zu bequem sind, die längere Strecke um die Kurve zu laufen.“
    Als ehemaliger Vielwanderer bin ich total derselben Meinung.
    Bloss:
    ALLES und JEDES kürzt ab, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet.
    Auch wenn die „Abkürzung“ schwieriger ist (was im vorliegenden Fall so scheint, auch wenn ich kein Biker bin), oder sogar länger dauert (eine zwar streckenmässig kürzere aber dennoch eine zeitliche Ablängung, also).
    Ist ja eigentlich klar, solange das Motto gilt je kürzer/schneller desto besser!
    Erfolgreiche Menschen nehmen stets die Abkürzung!
    omg (<- dochdoch, auch ICH!)

    • Peter Lustig sagt:

      Das stimmt, obwohl beim Wandern und nicht rennmässigen Biken ja der Weg das Ziel ist, neigen alle immer zum Abkürzen. ich muss mich auch immer an der Nase fassen, wenn ich es mache oder im Begriff bin zu tun.

  • Hans Meier sagt:

    Bikers im Wald – eine Pest!

    • Vierauge sagt:

      so, und nun ein kleines Gedankenspiel:

      ersetzen Sie in Ihrem Statement das Wort „Biker“ durch eine beliebige andere Bezeichnung eines Waldbenutzers (z.B. „Hündeler“, „Wanderer“ oder „Jogger“).

  • Karl-Heinz Failenschmid. sagt:

    Sehr gute Abkürzungsvermeidungseinrichtungen sind Brombeerhecken oder grosse Findlinge. Allgemein ist zu beobachten, wo abgekürzt werden kann, wird abgekürzt. Je mehr finanzielle Beteiligung gefühlt wird, desto weniger wird beschädigt.

  • Meyerhans sagt:

    „…Sicher nicht durch das Gemüse brettern. ..“ Was soll die heuchlerisch-naive Belehrung? Wie wenn Biker irgendwo Rücksicht nehmen würden. Man schaue nur mal die versumpften Wege an, wenn auf durchnässtem Boden gefahren wird.

    • Thomas sagt:

      Hauptsache, man kann gegen Biker wettern.
      Ich bin selber Biker und nerve mich auch, wenn sich meine Biker Kolleginnen und Kollegen nicht an die Regeln halten. So schafft man sich keine Freunde.
      Dass beim Biken „Schäden“ entstehen, ist klar. Dafür gibt es ja eben den Trail. Und den sollte man nicht verlassen.

    • Niklas Meier sagt:

      Ich war heute im Aargau wandern und alle Biker die wir trafen waren freundlich und haben gebremst/ uns weiträumig umfahren, oder haben sich artig bedankt, wenn wir sie frühzeitig gesehen und zur Seite getreten sind.
      Ein paar Idioten gibt es immer und überall. Heute habe ich keine getroffen.

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