Im Notfall hilft das Handy

I do believe we're the two most beautiful women out here jogging today. In any case, we're certainly the most colorful...

Diese beiden Frauen haben Rucksack und Tasche dabei. Wer das nicht möchte, kann sich jetzt trotzdem ausweisen. Foto: Ed Yourdon, Flickr.

Sie hat nichts mit Sport am Hut – überhaupt nichts. Trotzdem war es meine Mutter, die mir eine Neuerung in meinem iPhone zeigte, die für mich als Läuferin über Leben und Tod entscheiden kann: den Notfallpass.

Erinnern Sie sich, liebe Leserin und lieber Leser, an das Drama des unbekannten Mannes, das vor rund einem Jahr die amerikanische Laufgemeinschaft erschütterte? Der Läufer brach in einem Park von New York zusammen. Passanten fanden den Mann, der ausser seinen Kleidern lediglich einen Asthmaspray und einen Schlüssel auf sich trug. Er hatte einen Herzstillstand erlitten, seine Hirnfunktionen waren beeinträchtig, sein Zustand kritisch. Der Mann war nicht ansprechbar. Mehr als eine Woche lang rätselte die Polizei über die Identität des Mannes, Aufrufe auf den sozialen Netzwerken fruchteten nicht. Erst als an einer Vegetarier-Konferenz in Brasilien der Hauptredner nicht erschien, schloss sich der Kreis. Der Halbbruder des Mannes meldete sich im Krankenhaus. Für Rynn Berry war es aber zu spät. Die Ärzte hatten die lebenserhaltenden Geräte ausgeschaltet.

Ich weiss nicht, ob es Rynn Berry das Leben gerettet hätte, wäre er früher identifiziert worden. Zumindest hätten seine Liebsten aber dadurch am Spitalbett von ihm Abschied nehmen können. Und in etlichen Notfällen zählt jede Sekunde, Angehörige können die Rettungskräfte mit wertvollen Informationen versorgen. Wir Sportler sind oft inkognito unterwegs, haben lediglich den Hausschlüssel und allenfalls einen Notgroschen dabei – für den Fall, dass wir den Bus zurück nehmen müssen. Doch nur wenige von uns verzichten beim Training auf den wohl treusten Begleiter des Homo technologicus – auf das Mobiltelefon. Es motiviert durch Musik oder zeichnet die sportliche Leistung auf – nur selten taugt es aber im Notfall: Es gibt in der Regel über den Besitzer keine Auskunft, schon gar nicht im gesperrten Zustand.

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Der Notfallpass ist auf dem neuen Betriebssystem des iPhones bereits installiert. Foto: Apple.

Und hier kommt der grosse Auftritt meines völlig unsportlichen und technisch nicht sehr versierten Mamis: Von mütterlicher Fürsorge getrieben, wies sie mich jüngst an, auf dem Smartphone einen Notfallpass zu erstellen. Bitte was? Und für einmal tauschten wir die Rollen: Sie zeigte mir etwas auf meinem Mobiltelefon, was ich nicht kannte.

Der Notfallpass versteckt sich in der Health-App, die durch das neuste Betriebssystem von Apple automatisch auf dem iPhone installiert ist. Der Nutzer kann darin Name, mehrere Notfallnummern, ein Bild, das Geburtsdatum, Allergien, Erkrankungen, Blutgruppe und Medikation eingeben. Die für uns Inkognito-Läufer wichtigste Eigenschaft dieses Passes ist aber, dass er zugänglich ist, auch wenn das Handy per Code gesperrt ist. Er erscheint dort, wo Notfallanrufe möglich sind.

Es gibt noch andere Apps, die Sportler auf einen Blick auf dem Mobiltelefon identifizieren. Sie erscheinen auf dem Sperrbildschirm und sind dadurch offensichtlicher erkennbar, verunstalten allerdings das Bild auf dem Bildschirm und sind damit nichts für Ästheten. Die App Runner ID etwa gestaltet mit den Notfallangaben ein Bild, das sie automatisch in der Bildergalerie speichert. Hübscher ist die Lösung der Emergency Profile App; sie kreiert auf einem ausgewählten, persönlichen Bild einen roten Balken mit den Notfallangaben. Die Applikation MyID verlangt eine Registrierung; neben einem Profil entsteht nach einem Aufpreis von 9 Dollar pro Jahr ein QR-Code, der auf dem Sperrbildschirm abgespeichert werden kann und Einsicht in die Notfallinfos gewährt.

Und für all jene, die keinem Anbieter ihre Daten anvertrauen möchten, gibt es eine simple Lösung: Die Identitätskarte inklusive Zettel mit Notfallnummern fotografieren und auf dem Sperrbildschirm speichern. Ästheten können das Bild nach dem Training wieder wechseln!

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12 Kommentare zu «Im Notfall hilft das Handy»

  • roger sagt:

    Ich trage immer einen Dog Tag ( vulg. Grabstein) an einer Kette um den Hals.
    Den kan man für ein paar Franken bei Amazon bestellen und personalisieren lassen.
    Name, Geburtsdatum, Wohnort, wer soll benachrichtigt werden, Blutgruppe usw.
    Ich denke bei einem Unfall ist low-tec dem hi-tec überlegen.

  • Hans Stucki sagt:

    Was hat man bloss vor 30 Jahren gemacht??? Wie konnte da überhaupt jemand älter als 30 Jahre werden?

  • Nina sagt:

    Ich trage meine roadid tagtäglich am Arm – ob beim Training oder im Alltag. So kann ich bei einem Notfall identifiziert bzw. meine Notfallkontakte kontaktiert werden.

  • Daniel Wigger sagt:

    Wieso wird hier immer Schleichwerbung für Apple gemacht? Diese und ähnliche Apps gibt es für jedes Betriebssystem. z.B. Notfall ICE („In Case of Emergency“, dieses Kürzel versteht jeder Notfalldienst auf der ganzen Welt) für Android, mit den gleichen Funktionen (auf Sperrbildschirm), plus ein paar mehr.
    Es ist wirklich erstaunlich, wie gewisse User nur ihr iPhone kennen, ohne Kenntnisse des Gesamtmarktes. Weiterhin werden rund 80% aller Apps für Android geschrieben!

  • Luise sagt:

    Danka Pia. Habe meinen Notfallpass jetzt ausgefüllt. Bleibt zu hoffen, dass allgemein bekannt ist, dass so ein Notfallpass auf dem IPhone existiert.

  • Rohrer sagt:

    Die Notfalldaten können auch auf dem Chip der Krankenkassenkassenkarte registriert werden. Bsp. Notfallkontakte, wichtige Medikamente, Patientenverfügung, Blutgruppe, Impfungen, Allergien. Zugriff haben nur die medizinischen Leistungserbringer Ärzte, Notfallstationen der Spitäler, Ambulanzen, Apotheker. Dieses Vorgehen ist gesetzlich geregelt und ist vom Bundesamt für Gesundheit abgesegnet. Die Daten sind nur lokal gespeichert und der Patient erhält einen Ausdruck mit den gespeicherten Daten. Der Patient soll die Krankenkassenkarte mit dem Ausdruck immer auf sich tragen. So können die Daten gelesen werden und in einem Notfall rasch gehandelt werden. Bitte wenden sie sich an ihre Apotheke, Arzt für die Daten speichern zu lassen.

  • Roland K. Moser sagt:

    in der Satteltasche des Rennvelos und des MTB ist meine Exit-Patientenverfügung drin. Somit bin ich identifizierbar. Beim Joggen habe ich nichts dabei ausser einer Guncam, um Hundeangriffe aufzuzeichnen. , Die Patientenverfügung liesse sich aber auch im Getränkegurt unterbringen.

  • mein name sagt:

    Ich frage mich, ob dieser Chuck Berry wirklich hätte weiterleben wollen. An einer Maschine angeschlossen. Ohne mit der Umwelt interagieren zu können.

    Soviel Glück hat nicht jeder…

  • Roger Walser sagt:

    Ich finde, dass es vollkommen genügt, wenn auf dem Startbildschirm unter dem Button ICE eine Telefonnummer erscheint die man anrufen kann. Bei meinem Android ist das Standard. Die restlichen Angaben sind sehr privat und ich möchte nicht, dass das jeder lesen kann. Das Problem ist ja nicht bei einem Notfall, das Problem ist wenn ich das Handy mal für ein paar Minuten unbeobachtet lasse kann jeder auf den ICE-Button drücken und lesen was da steht.

  • maia sagt:

    es geht auch ganz ohne elektronischen Schnickschnack:ID und Notizzettel mit den wichtigsten Daten.

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