Ueli Steck auf der «Roten Liste»

Von Natur aus überlegen: Extrembergsteiger Ueli Steck im Oktober 2013. (Foto: Nicola Pitaro)

Von Natur aus überlegen: Extrembergsteiger Ueli Steck im Oktober 2013. (Foto: Nicola Pitaro)

Was wird Ueli Steck durch den Kopf gegangen sein, als er die jüngste Ausgabe von «Bergundsteigen» gelesen hat? Die grundsätzlich absolut empfehlenswerte Fachzeitschrift «für Risikomanagement im Bergsport» gehört sprichwörtlich zur todernsten Sorte, einzig auf der letzten Seite publiziert sie jeweils einen «Fachartikel zum Thema schräg». Dieses Mal ist es eine Parodie auf unsere «Swiss Machine». Es geht um die Geschichte, welche sich vor einem Jahr am Everest zugetragen hat, als Ueli Steck und Simone Moro von Sherpas vertrieben wurden.

Unter dem Titel «Rote Liste» erklärt das Magazin, was ein «Extremer Höhenbergsteiger» ist: Die äusserst leistungsfähige und höhenangepasste Gattung des «homo everestus uelimoro extremis» stamme in direkter Linie vom «Klassischen Everestbezwinger» (lat. homo everestus hillaris edmundus) ab, wobei die entscheidenden evolutionären Impulse die O2-tolerante Zwischengattung «homo everestus reinholdis» setze. Erkennbar sei «uelimoro extremis» äusserlich an der von Firmenlogos überwucherten Aussenhaut und an der leichtfüssigen Fortbewegung aufgrund der minimalen Ausrüstung: Mittel zur Dokumentation der Unternehmungen opfere er dabei gern dem ihm angeborenen Gewichtsfetischismus.

Aus dem Fachmagazin «Bergundsteigen», Nummer 2/14, Seite 90.

Aus dem Fachmagazin «Bergundsteigen» 2/14, S. 90.

(Anm: Mit «Mittel zur Dokumentation opfern» spielt der Verfasser wohl darauf an, dass Ueli u.a. von seiner Begehung der äusserst anspruchsvollen Annapurna-Südwand in schier übermenschlich schnellen 28 Stunden keinen eindeutigen Beweis vorweisen kann.)

«Leck mi» und «Raudi»

Was unter einer «von Firmenlogos überwucherten Aussenhaut» zu verstehen sein soll, zeigt die Zeichnung zum Text: Man sieht einen Speedbergsteiger, der u.a. mit Ueli Stecks Sponsoren abgedeckt ist. Leki heisst darauf «Leck mi», Audi wird zu «Raudi», Pezl zu «Brezl», PowerBar zu «BauernBar» etc.

Bevorzugter Lebensraum des «Extremen Höhenbergsteigers» sei das Himalaja-Gebirge, in dem er, hoch spezialisiert und ohne natürliche Fressfeinde, auf Beutezug gehe. Gerade jedoch in der namengebenden Region, am Mount Everest, werde «uelimoro extremis» in den letzten Jahren immer mehr von sich seuchenartig vermehrenden Populationen des «Everest-Touristen» (lat. homo everestus commercialis, auch homo porcus monetis) verdrängt und sei dort mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Denn mit seiner ausgeprägten Höhenresistenz sowie der hervorragenden Konstitution und Kletterveranlagung sei der «uelimoro extremis» dem «everestus commercialis» (der in der Regel kaum bergsteigerische Fähigkeiten aufweise) in den Höhenregionen zwar von Natur aus weit überlegen, die Überzüchtung mache ihn aber auch anfällig für jegliche Änderungen in seinen angestammten Lebensräumen. Das massenhafte Auftreten des «everestus commercialis» sowie die damit verbundenen Lärm- und Schadstoffemissionen, aber auch dessen zuhauf zu findenden technischen Hindernisse wie Fixseile, Aluleitern u.ä. würden die Zugänge zu den Habitaten für den eher scheuen «uelimoro extremis» verstärkt unpassierbar machen. Gelegentlich bis in die Gipfelregion vordringende, besonders hartnäckige Vertreter der Gattung «Everest-Tourist» mit ihren «Hochträgern» (lat. sherpanus provisor oxygenius) blockierten darüber hinaus durch ihr schneckengleiches Vorankommen sämtliche Fluchtwege.

Als Folge dieser Verdrängung werde sich «uelimoro extremis» wohl auf die abgelegenen Gebiete zurückziehen und, ähnlich dem «Yeti» (lat. ursus fatamorganis messneri), nur noch sehr selten zu beobachten sein.

Was meinen Sie?

Beliebte Blogbeiträge

16 Kommentare zu «Ueli Steck auf der «Roten Liste»»

  • wild sagt:

    Ueli ist ein sehr sympatischer bergsteiger, ich bewundere seine fähigkeit sich an verschiedene projekte anzupassen und sich in kraft und ausdauertraining spezifisch vorbereitet und seine ziele auch abhackt. Wer ihn trifft und mit ihm redet lernt ihn als bodenständigen menschen kennen.
    die schlechtreder sind vom neid verfolgt, da sie wahrscheinlich ihre eigenen ziele nicht verfolgen und deshalb lieber über ihren tellerrand schauen. Wer irgendwas wissen will antwortet er und gibt details preis. Nicht wie z.t. verbohrte sportkletterer die nicht mal den nachbarkletterer unterstützen.

  • hallo mitenand
    was soll das ganze hier geschriebene. die kritiker hier von ueli steck, das sind einfach neider. wieder mal typisch schweizerisch , es lässt manchen nicht zu, einen solchen sympatischen weltklasse alpinisten zu gratulieren.
    aber merkt euch, ihr kritiker : „neid ist die höchste anerkennung einer leistung. das gilt für ueberall.“ vermutlich haben die kritiker nichts besser zu tun.
    und diese sherpa geschichte kann man nicht mehr hören. das können nur leute beurteilen die selber schon mal im himalaya auf 8000m waren beurteilen. ein ueli steck, der ueber 20 mal im himalaya war, der weiss wie man sich dort verhält. er hat sich voll und ganz, da bin ich 100% ueberzeugt, voll richtig mit respekt und achtung vor den sherpas verhalten.

    und zum sponsoring. geht einer von da oben gratis arbeiten ?

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

  • Ellen sagt:

    Ich habe grossen Respekt vor Ueli Steck’s Leistung. Würde die Everest Region nicht so von Klettertouristen überrannt, hätten die Menschen dort auch kein Geld. Der Berg ist ja praktisch das einzige was sie dort haben. Was auch immer damals dort schief gelaufen ist, Ueli ist bekannt für einen guten Umgangston. Ist es nicht eine sehr schweizerische Tugend, dass man alle und alles in die Pfanne hauen muss, wenn jemand etwas besser ist als der Durchschnitt?

  • Aschi sagt:

    @A.K. Als Profi ist es notwendig sich um die Sponsoren zu kümmern. Fast in jedem Beruf wird ein Lohn ausgehandelt:geben und nehmen. Das Exteremsportler oder Extremverdiener die Aufmerksamkeit der Medien und der Leser fesseln oder auch etwa Neid und Häme bei eher Unterdurchschnittlichen ernten, ist normal. Jeder soll nach seiner Façon glücklich leben. @H.M.Vorbilder wählt sich jeder selber aus, wenn er das braucht. Wer im Sport Ausserordentliches leistet hat eine harte Schule durchgemacht (speziell in dem Gebirge) .Er wie auch andere Leute könen davon in anderen Bereichen profitieren (zB. Sherpas, die Journalisten, Firmen mit Werbung, Junioren bei der Ausbildung usw.usw.). Steck war schon mit Jungalpinisten des SAC auf Expedition und gab seine Erfahrungen weiter.

  • Gernot Fialet sagt:

    Ueli Steck … ist das nicht der Bergsteiger, der einen Piolet d’Or für eine Annpurna-Besteigung erhalten hat, die höchst umstritten ist und nicht bewiesen, da Uelis Kamera am Gipfel leider nicht zur Hand war?
    Ach nein … das ist doch der Bergsteiger der mit Simone Moro unterwegs war, um die Sherpas vom Berg zu jagen. Nun hat das ja Mutter Natur von alleine im Jahr darauf erledigt und Ueli hat wieder freie Bahn für seinen nächsten Speed-Rekord.
    Blöder und unsinniger kann Bergsteigen eigentlich kaum noch werden als mit Ueli Steck.

  • Albert Keller sagt:

    Ueli Steck ist bei mir untendurch. Während er im Blick sein Leid klagte und versuchte, mit allen Mitteln ihr Fehlverhalten wieder in rechte Licht zu rücken, wurde über die Aussagen der Sherpas und anderen Beteiligten nur wenig berichtet. Aber es wurde berichtet. Einen guten Überblick gibt auch der offene Brief an Steck, finde ich: http://ich-liebe-berge.ch/news/offener-brief-ueli-steck/
    Ueli Steck ist einer, der gerne von Zurückhaltung spricht, während er in Wirklichkeit arrogant und selbstverliebt auftritt. Seine pseudophilosophischen Ergüsse braucht die WElt ebenso wenig, wie einen weiteren Speed-Rekord. Sein Verhalten stellt seine Leistung in den Schatten. Und letztendlich ist er wie auch Messner für den Everest-Tourismus mitverantwortlich. Nur während Messner dies realisiert hat und stirnrunzelnd dazu Stellung bezieht, kümmert sich Steck lieber um seine Sponsoren.

  • Max Blatter sagt:

    Ueli Steck hat mindestens etwas zustande gebracht, was sonst vielleicht niemandem gelungen ist oder noch gelingt: Roger Schawinski war in seinem Talk für einmal nicht in der Lage, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern hörte Ueli Steck aufmerksam zu. Wahrscheinlich gezwungenermassen, weil Stecks Welt definitiv nicht Schawinskis Welt ist. Wobei meine Sympathien klar auf der Seite Stecks liegen.

  • Aschi sagt:

    Neid Ö->D->CH ist bei Bergsteigern und Redaktoren nicht selten auch in tieferen Regionen als den 8000ern. Der Broterwerb der Berg-& Steigen-Verfasser ist infolge Klimawandel schwieriger geworden (Internet). Sponsoren ziehen acts vor, gegenüber redacts. Auf der roten Liste werden allerdings die Berg-Redaktoren („Gescheitscheiss-Schneebeiss-alpinus) “ nicht aufgeführt. Natürliche Feinde (abonatus-montanus-finanzer) sorgen für eine Selektion, der im Gebirge überlebensfähigen Arten.

    • Vinzenz Bieri sagt:

      Als kleine „Moritziade“ von Wilhelm Busch möchte ich zitieren: >Um Neid ist keiner zu beneidenNeid ist die aufrichtigste Form der AnerkennungEifersucht ist Liebesneid.<
      Ueli Steck's nächster Streich wird die Konkurrenz und Comics wieder herausfordern, denn Sensationen beleben das Geschäft fast immer.

  • Hanspeter Mathys sagt:

    Steck arbeitet für Red Bull, so wie dieser Fallschirmspringer Baumgartner und ein Autorennfahrer, dessen Name mir gerade entfallen ist. Die Presse sollte mal die Machenschaften dieses Konzerns – der so nebenbei einen Energy- Drink herstellt – näher unter die Lupe nehmen. Im Vordergrund steht die Frage, wieviele Menschen ihr Leben fùr Red Bull geopfert haben. Eines steht fest: Steck ist kein Vorbild für die Jugend. Er würde gescheiter um die Welt rennen. Das wiederum wäre für Red Bull nicht interessant, weil davon keine spektakulären Videos produziert werden könnten. Das Spiel mit Leben und Tod verkauft sich halt besser.

    • Alexander sagt:

      Meines Wissens ist Red Bull KEIN Sponsor von Ueli Steck.

      • dani aregger sagt:

        lieber herr mathys, bitte besser recherchieren. red bull ist kein sponsor von ueli steck. und die von red bull gesponserten sportler machen das freiwillig, das was sie machen. dabei ist natürlich abwägen seinen traum leben zu können und die entsprechenden finanziellen und organisatorischen mittel in anspruch zu nehmen versus sicherheit alleine ihre persönliche angelegenheit. dafür einen sponsor verantwortlich zu machen ist grad sehr schwarz/weiss gedacht. ueli steck ist aber mit sicherheit ein grosses vorbild für viele menschen. beharrlichkeit, bescheidenheit, fokusiertheit, zielorientierung, träume leben, risikobereitschaft und diese für sich abwägen und bewusst eingehen, aus seiner komfortzone treten und einiges mehr dürfte sicher nicht verkehrt sein. es können nicht alle die welt retten. was ist denn ihr beitrag dazu?

  • Kraxler sagt:

    Interpretieren Sie nicht so viel. Die Autoren haben den Nagel auf den Kopf getroffen: Kommerzialisierung der Spitzenleute (es sollte bekannt sein, dass Ueli Steck nicht gerade am Hungertuch nagen muss), Kommerzialisierung der Natur (egal ob Everest, Matterhorn, Mt Blanc oder Aconcagua, das Problem gibt es überall), hoffnungslos unqualifizierte Touristen in den abgelegensten Regionen. Die Anspielung auf Annapurna kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

  • Philipp Rittermann sagt:

    das trifft den nagel auf den kopf. da die „gängigen“ kletter-reservate je länger je mehr von (über)-ambitionierten hobby-sportlern erobert werden, wird beschriebene gattung der gesponserten rekord-jäger à la steck wohl zusehends menschenleere gipfel aufsuchen. das ist auch gut so.

  • Dominik sagt:

    Ich würde sagen, die Jungs und Mädels von bergundsteigen haben einen verdammt guten Humor. Auch die weiteren Comics im Archiv treffen die Sache meistens auf den Punkt :-)

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.