Eine Stimme für die Mountainbiker!


Es gab einen Moment, da glaubte ich jeden Schweizer Mountainbiker persönlich zu kennen. Fakt war: Ich kannte zumindest die Rückenansicht von vielen, mit denen ich mich ab Ende der 80er-Jahre ziemlich erfolglos an den ersten Mountainbike-Rennen mass. Die Wettkämpfe waren aber auch eine perfekte Informationsbörse für alle Themen rund um das Mountainbike: Informationen zu neuen Bike-Teilen, attraktiven Touren oder neuen Publikationen – an den Renntagen erfuhr man (fast) alles. Der 1987 gegründete Mountainbike-Club Egg war mein erster Verein. Mit der Mitgliedschaft war ich auch automatisch Mitglied der Fédération Suisse Mountainbike (FSMB), die später vom damaligen Schweizer Radfahrer-Bund (SRB), heute Swiss Cycling, einverleibt wurde. Sehr zum Unmut der Mountainbiker der ersten Stunde, denen alles suspekt war, was entfernt mit Strassenrennsport zu tun hatte.

Interessenspolitik war uns fremd. Sie war auch nicht nötig. Natürlich waren wir schon damals ein Thema, als wir mit unseren «Stahlrössern» das Schweizer Wanderwegnetz auf Mountainbike-Tauglichkeit erkundeten. Wir waren Exoten. Aber weil die Anzahl der Mountainbikerinnen und Mountainbiker noch verschwindend klein war, wurden wir nicht als Bedrohung wahrgenommen. Nutzerkonflikte fanden meist nur auf Zeitungsseiten statt. Wenig erstaunlich – meist dann, wenn Newsflaute herrschte.

Und heute? Mountainbiken ist in der Schweiz längst vom Nischen- zum Massensport mutiert. In der vom Bundesamt für Sport 2008 durchgeführten Sportstudie Schweiz haben 4,7 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Alter von 15 bis 74 Jahren angegeben, an durchschnittlich 45 Tagen pro Jahr Mountainbike zu fahren. Das sind rund 268’000 Personen. Ob uns das gefällt oder nicht – was wir tun oder unterlassen, hat längst eine politische Dimension erreicht.

Doch wer verleiht den Interessen von Mountainbikerinnen und Mountainbikern eine Stimme? Und welches sind denn die Anliegen, die besondere Aufmerksamkeit verlangen? Genau diese Frage stellt aktuell der Verein Züritrails, der – gemäss eigenen Angaben – mit rund 850 Mitgliedern derzeit grösste und am schnellsten wachsende Mountainbike-Verein der Schweiz. Unterstützt wird die elektronische Umfrage auch von Swiss Cycling, dem nationalen Radsportverband mit knapp über 30’000 Mitgliedern.

Die meisten der 268’000 Mountainbikerinnen und Mountainbiker sind aktuell weder Mitglied eines Vereins noch in sonst einer Form organisiert. Das mag auch damit zusammenhängen, dass Mountainbiker – anders als bei unseren nördlichen und östlichen Nachbarn – auf Trails eine relativ hohe Akzeptanz geniessen. Interessensverbände wie beispielsweise die International Mountainbike Association (IMBA) oder die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB)  betreiben aber nicht nur Bike-Politik, sondern sie engagieren sich auch in der Mountainbike-Lehrer-Ausbildung oder im Trail-Bau/Trail-Unterhalt.

Es besteht kein Zweifel, dass auch Schweizer Mountainbiker davon profitierten, wenn ihre Interessen national gebündelt vertreten würden. Ob es dafür eine neue Organisation à la IMBA oder DIMB braucht oder ob beispielsweise Swiss Cycling diese Rolle übernehmen kann, ist aktuell Gegenstand der Diskussion, an der sich idealerweise möglichst alle Mountainbiker und Interessensvertreter beteiligen.

Brauchen die Schweizer Mountainbikerinnen und Mountainbiker Ihrer Meinung nach eine eigene Interessensvertretung? Braucht es hierfür eine neue Organisation? Was, denken Sie, wären die vordringlichsten Aufgaben einer solchen Organisation? Würden Sie Mitglied werden und allenfalls auch Freiwilligenarbeit leisten im Interesse des Mountainbike-Sports?

8 Kommentare zu «Eine Stimme für die Mountainbiker!»

  • Rainer sagt:

    Also bei uns in Deutschland ist das Mountainbiken ja ebenfalls sehr beliebt. Ich nahm auch vor ein paar Jahren noch regelmäßig MTB-Marathons und Bergrennen teil. Die Akzeptanz bei solchen Rennen ist ja meinem Empfinden auch sehr groß. Ob nun bei uns in Deutschland ein Verband mit vielen Mitgliedern mehr Vorteile oder Akzeptanz bringen würde? Glaube ich eher nicht, gerade in Baden-Württemberg haben wir es ja nicht geschafft die umstrittene 2-Meter-Regel wieder abzuschaffen. Für jeden Mountainbiker sollte es (ob im Verein oder nicht) eine Selbstverständlichkeit sein wenn Wanderer unterwegs sind eine Rücksichtsvolle Fahrweise an den Tag zu legen. Wenn ich so manche Biker sehe wie sie mit wenig Abstand und ohne Reduzierung der Geschwindigkeit an Wandergruppen vorbei fahren, kann ich deren negative Einstellung zu uns Mountainbikern nachvollziehen….

  • Paul Zbinden sagt:

    Ein Verband ist immer so gut wie seine aktiven Mitglieder. Ich denke die Biker müssen bei Swiss Cycling aktiver mitmachen.

  • Roland Griessen sagt:

    Ich bin Mitglied bei der Organisation Berner Wanderwege und als solcher engagierter Wanderer. Grundstätzlich finde ich eine Koexistenz Wanderer Mountainbiker ganz ok. Was ich aber nicht ok finde ist wenn die radelnden Wanderwegbenutzer diesen zwar rege nutzen, sich dann aber nicht an deren Unterhalt beteiligen. Meine lieben Radler, der Verein Berner Wanderwege leistet jedes Jahr zig Stunden meist unengeltlich um die Wanderwege instand zu halten!

  • Zitat: „Verein Züritrails, der – gemäss eigenen Angaben – mit rund 850 Mitgliedern derzeit grösste und am schnellsten wachsende Mountainbike-Verein der Schweiz.“

    Dank dieses schönen Artikels wachsen wir auch heute fleissig weiter und gehen strammen Schrittes auf die 900 Mitglieder zu ;)

    Zur Umfrage darf ich noch ergänzen: Der Ausgang ist völlig ergebnisoffen. Sollte es sich zeigen, dass die Bedürfnisse der Mountainbiker mit einem vertretbarem Mehraufwand durch Swiss Cycling abgedeckt werden können, so ist dies eine denkbare Option. Sollte dies nicht möglich sein, so kann auch ein neuer Verband gegründet werden, welcher allerdings eng mit Swiss Cycling zusammen arbeiten wird. Es ist nicht das Ziel, einen konkurrierenden Verband aufzubauen.

    Es freut uns auf jeden Fall sehr, dass sich bereits mehr als 1’200 Leute an der Umfrage beteiligt haben.

  • Tom sagt:

    Lieber nicht mit Swisscycling! Das kommt auf keinen Fall gut. Swisscycling und Trails bauen? Nee das muss nicht sein.
    Die Umfrage finde ich gut. Eine nationale Interessenvetrettung ist aber nur so gut wie ihre kantonalen/ regionalen Mitglieder. So wie das Trailnet einfädelt finde ich das super. Sie ist die einzige ernstzunehmende Bikeorganisation welche auch einen nationale Interessenvertretung für die Mountainbiker darstellen kann.

  • Roland K. Moser sagt:

    Das Beste wäre vermutlich, wenn Swiss Cycling die Aufgabe übernehmen wurde. Swiss Cycling ist bereits bekannt, und hat deswegen einen sehr grossen Vorteil. Ich rate von einem eigenen Verband ab, ausser er ist Mitglied bei Swiss Cycling. Der Aero Club ist so organisiert, dass er die Dach-Organisation für die Modell-Flieger, Motorflieger, Segler usw. ist., welche alle in nationalen Verbänden organisiert sind. Evt. sollte man mal den Kontakt zum Aero-Club suchen, um Erfahrungswerte einzuholen?

    Das auch noch: Wenn Swiss Cycling mal etwas für die MTBler machen könnte, wäre neue Alterskategorien bei den Rennen einzuführen, analog den Läufern. Ab glaube ich 35 fahren alle in derselben Kategorie. Bei den Läufern werden feiner abgestufte Kategorien gemacht. Eine feinere Abstufung würde die MTB-Rennen und somit das MTB auch für „ältere“ Fahreinnen und Fahrer attraktiv machen, da er in einer fairen Altersklasse mitfährt. Und wenn nun jemand eine Antwort auf diese Idee schreiben will, darf er das nur, wenn er schreibt, warum es geht. Ich will nicht lesen, warum es nicht geht.

    Dieses Jahr habe ich meine Gönnerschaft bei den Schweizer Wanderwegen http://www.wandern.ch/de/verband/unterstuetzung/goennerschaft für Fr. 50.– und meine Mitgliedschaft bei den kantonalen Wanderwegen (Verein) http://www.wandern.ch/de/verband/kantonale-organisationen für Fr. 20.– wieder erneuert. Ich befahre die Wanderwege mit dem MTB.

    • Michu sagt:

      Ich komme nicht aus der MTB Szene, deshalb habe ich zum zweiten Teil eine Frage: Fahren die MTBler alle zusammen los? Dann könnten sich Leute mit ungefähr gleichem Niveau pushen.
      Wenn es nur ums Zeitfahren ginge wäre es nämlich nicht so wichtig, in welcher Kategorie man fährt. Ausser natürlich, man will „Vorne mit dabei sein“. Was auch immer da bringen mag in der Kategorie „40-42 Jahre, 26″ Rad, rote Kleidung, keine Klingel“.

      • Roland K. Moser sagt:

        Eine eigene Wertung bringt es. Bei den Läufern gibt es Ü50 usw. und innerhalb dieser Kategorie kann man dann mit um den Sieg laufen. Bei den 25-jährigen kann man als Ü50 nicht mehr um den Sieg laufen. Es geht darum, eine feinere Altersabstufung zu haben, um die MTB-Rennen für Teilnehmer attraktiver zu machen und somit die Anzahl Teilnehmer zu erhöhen.

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