Am Berg mit dem «Gummihals»

Liebe Leserinnen und Leser, wie Sie im Outdoorblog von letzter Woche lesen konnten, pausiert Natascha Knecht. Wir möchten heute daher Matthias Ryffel* begrüssen, der sie vertreten wird. Er hat hier im Blog bereits über den Kletterer Pesche Wüthrich geschrieben. Viel Vergnügen bei der Lektüre. Die Redaktion.

Ein Bergführer und seine Seilschaft auf dem zur Dufourspitze, 1. August 2005. (Keystone/Olivier Maire)

Gibt es tatsächlich eine latente Fremdenfeindlichkeit unter Alpinisten? Im Bild: Ein Bergführer und seine Seilschaft auf dem Weg zur Dufourspitze, 1. August 2005. (Keystone/Olivier Maire)

Er trägt die Expressen neu und glänzend am Klettergurt und sein «Ich bin so toll»-Grinsen breit im Gesicht. Er erklärt meiner Begleiterin ungebeten jeden Zug in ihrer Route und mir, wie ich mein Sicherungsgerät handhaben soll. Er brüllt wie Chris Sharma –  obwohl er nicht mal dessen Aufwärmrouten hochkommen würde. Kurz: Er nervt.

Der springende Punkt ist meine Reaktion auf diese Begegnung: «Gummihals», habe ich damals frustriert in meinen Bart geknurrt. So nennt der Schweizer despektierlich Deutsche. Ziemlich hässlich, nicht? Vor allem von einem, der mehr als einen Deutschen seinen Freund nennt und gerne auch mal öffentlich Verbundenheit zum Nachbarn betont. Meine eigene Reaktion hat mich nachdenklich gestimmt. Ist das Deutschen-Bashing unter Bergsteigern salonfähig? Sind wir Schweizer Alpinisten fremdenfeindlich?

Viele Vorurteile gegenüber Deutschen

Diese Geschichte beginnt für mich schon früh. Auf einer meiner ersten Skitouren vor zehn, zwölf Jahren schnappte ich den Ausdruck auf – «Gummihals» – und lernte schnell, dass man den Deutschen in den Schweizer Bergen mit Skepsis begegnet. Abgeschwächt hat sich das seither nicht, wage ich zu behaupten. Beispiele gefällig? Deutsche brüllen gerne am Berg rum. Deutsche betreten Berghütten am liebsten mit montierten Steigeisen. Deutsche verhalten sich wie Touristen am Berg, und im Zug baumeln dann dafür ihre streng riechenden Kletterfinken am Rucksack. Sie stänkern auch gerne über Schweizer Hüttenpreise. Das waren jetzt die netteren unter den gängigen Vorurteilen.

Und stimmen sie denn? Wahrscheinlich hat sich tatsächlich schon mal ein Deutscher über die Schweizer Hüttenpreise aufgeregt, sicherlich handeln unerfahrene Bergtouristen mitunter fahrlässig, gut möglich, dass der eine oder andere Deutsche beim Kommunizieren seines «Staaand» mit arg viel Enthusiasmus zu Werke geht. Deswegen anzunehmen, dass die Mehrheit deutscher Bergsteiger sich «falsch» verhält, ist wohl so vermessen, wie allen Schweizer Bergsteigern Deutschen-Feindlichkeit zu unterstellen.

Die Frage lautet deshalb anders: Warum greifen wir nach dieser simplen Keule, wenn wir uns in den Bergen über jemanden ärgern? Haben wir Angst, dass man uns die Berge wegnimmt? Wenn wir tatsächlich so viel besser sind als die, dann wäre es doch ein Leichtes, am nächsten Stand oder vor der nächsten Spitzkehre rasch zu überholen? Wer ausserdem seine Berge richtig kennt, findet genügend Orte, wo er allein unterwegs ist.

Skepsis gegenüber fremden Bergsteigern?

Ist das Phänomen einfach eine Reaktion auf die Zuwanderung – der Kampf um Jobs in die Berge verlagert? Vielleicht. Aber sicher nicht nur. Bergsteigen ist ein ernster Sport, es steht zuweilen einiges auf dem Spiel. Das führt dazu, dass denjenigen, die ihre Materie am besten im Griff haben, gerne Autorität zugestanden wird. Es gilt: Wers besser kann, gibt den Ton an. Einem, der die 7c zum Aufwärmen hochhängt, in zwei, drei Stunden die Eigernordwand hochrennt oder einfach nur den Bergführerpin am Kragen trägt, dem will man auf keinen Fall ins Gehege kommen. Dieser Leistungsglauben hat seine Berechtigung, weil Können in unserem Sport sicherheitsrelevant ist. Er führt aber auch dazu, dass am Berg viel nach unten und nach oben geschaut und gerne verglichen wird. Wenn es einer schlechter kann und obendrein nicht zur eigenen Seilschaft gehört, fällt der Kontakt oft reserviert aus. So gesehen ist die Skepsis gegenüber fremden Bergsteigern wohl eher Ausdruck einer Leistungsmentalität denn latenter Fremdenfeindlichkeit. Zu beruhigen versucht hat mich auch ein wenig bergaffiner Kollege. Die Reaktion sei doch «recht nachvollziehbar», fand er. In Australien, beim Surfen, habe man ihm auch immer deutlich zu verstehen gegeben, wer auf der Welle Vortritt hat. «Localism» nennen das die Surfer.

Macht es das besser? Ich selber habe mir eingestehen müssen, dass ich womöglich simpler gestrickt bin, als mir lieb ist. Die Gummihals-Keule war beschämenderweise das einfachste Instrument, dem Ärger über einen mitteilungsfreudigen, aber harmlosen Zeitgenossen Luft zu machen. Immerhin, Deutsche habe ich deswegen nicht weniger lieb. Und Hand aufs Herz: Wem tut es nicht gut, das Handling seines Sicherungsgerätes ab und zu aufzufrischen?

matthias150x150*Matthias Ryffel ist freier Journalist und Mitherausgeber der Reportagezeitschrift «Zalle*». Sein Interesse gilt den Menschen und ihren Geschichten – ob auf Reisen, in den Bergen oder in der Wahlheimat Bern.

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50 Kommentare zu «Am Berg mit dem «Gummihals»»

  • Thomas sagt:

    Des Helvetiers Zeitvertreib „Ausländer-Bashing“ ist keineswegs auf die Kletterszene beschränkt. Man kann in diesem grundsätzlich richtigen und guten Beitrag problemlos „Stand“ durch „Startplatz“ und „Seil“ durch „Gleitschirm“ ersetzen. Was wir Eingeborene uns in Hängegleiter-Mekkas wie Fiesch oder Flims hin und wieder gegenüber ausländischen Piloten erlauben, grenzt an Rassismus. Dagegen wurde ich noch nie in Frankreich oder Spanien durch Einheimische dumm angemacht. Das gibt mir zu denken.

  • Peter Slada sagt:

    Und Morgen im Outdoorblog:

    HILFE DIE DEUTSCHEN ATMEN UNS DIE BERGLUFT WEG¨!!!

  • Martin sagt:

    Super Schreibstil Matthias – gefällt mir gut! Schon lustig wie wir Schweizer uns über Fremde enervieren können :-) – man sollte nie vergessen, dass man von jedem Menschen etwas lernen kann, auch von einem „Gummihals“.

  • Martin sagt:

    „Ist das Phänomen einfach eine Reaktion auf die Zuwanderung…?“ Ganz sicher nicht, denn auf einer banalen Bergwanderung konnte man schon vor 40 Jahren dasselbe beobachten. Schweizer, die erschrocken zusammenzucken, wenn man kein Schyzerdütsch sprach und überhaupt wagte, sie anzusprechen. Verklemmtheit und sprachliche Komplexe, getarnt als vornehme Zurückhaltung, weiter nichts. Sollen doch die, die sich an den Deutschen nerven, sie ansprechen und zurechtweisen, bei denen geht es doch. Warten Sie mal ab, bis Chinesen u. Inder das Klettern für sich entdecken. Was die wohl für Manieren haben?

  • Alfredo Garcia sagt:

    Ich kann mich erinnern, als wäre es heute Vormittag gewesen: Zu meinen frühkindlichen Kultureindrücken gehörte Cabaret Rotstift und der teutonische Skifahrer, welcher die Zuverläsigkeit seiner heimatlichen Bergbahnen vermisst: „Da sollten Sie mal unsere Bergbahnen sehen“! „Bei uns geht das ruckzuck zackzack“! Die Antwort des Rotstiftlers hatte für mich lange Zeit etwas unergründlich Positives.

  • bop sagt:

    In den Bergen nerven nicht nur die Deutschen, aber auch die Franzosen, die Italiener, die Welschen, die Zürcher und die Frauen. Zum Zusammenfassen, alle anderen :-)

  • Jürg sagt:

    Ich freue mich ehrlich gesagt darüber, dass sehr viele Deutsche, die in der Schweiz leben, auch gerne in die Berge gehen. Sie schätzen die Möglichkeiten der Natur und äussern sich immer begeistert über unsere Landschaften.

    Dass es dadurch natürlich mehr Menschen in den Bergen hat, ist klar, hat aber mit der Nationalität prinzipiell nichts zu tun. Übles Verhalten meiner Erfahrung nach auch nicht. Vielleicht ist man den eigenen Landsleuten gegenüber halt a priori toleranter eingestellt?

    Sonst gilt: Wer ausserdem seine Berge richtig kennt, findet genügend Orte, wo er allein unterwegs ist.

  • hallo mitenand

    ich bin seit 42 jahren in den bergen unterwegs. auf allen kontinenten.
    ich habe nie probleme oder auseinander setzungen mit ausländischen bergsteigern gehabt. viele uebertragen einfach die
    klischees aus dem alltag in die berge, und das ist falsch.
    seien wir einfach tolerant, mit achtung und respekt unterwegs. zudem ist ja alles eine frage der kommunikation.

    viel spass in den bergen.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

    • Manuel Nitsche sagt:

      Danke, Raphael, für deinen relativierenden und positiven Kommentar. Die Beziehung zwischen Ausländern (meist Deutschen) und Schweizern wird oft so hysterisch kommentiert. In meinem Bergleben spielt das Thema eine eher marginale Rolle.

  • Matthias Ryffel sagt:

    Geschätzte Leser

    Ich bedanke mich für Ihre Rückmeldungen, möchte an dieser Stelle indes klarstellen: Die Frage, ob Deutschen-Bashing salonfähig ist, ist keineswegs in dem Sinne gestellt, ob es nicht vielleicht salonfähig sein sollte. Dagegen spreche ich mich entschieden aus. Ich habe mit diesem Beitrag ganz im Gegenteil beabsichtigt, solche Vorurteile zu problematisieren. Die Anekdote veranschaulicht, dass ich selber nicht unfehlbar bin. Dass der Griff zu Vorurteilen auch mit einer Leistungsmentalität zusammenhängen könnte, wie ich im Text vermute, rechtfertigt ihn in meinen Augen nicht.

  • Thomas Meyer sagt:

    Die lauten, unanständigen, rüpelhaften, unerzogenen Frauen und Männer stammen überall her. Sind also Zürcher, Berner, Walliser, Basler, St. Galler, Thurgauer, Badenser, Bayern, Allgäuer, Württemberger, Franken, Hessen, Westphalen, Elsässer, Tiroler etc, um im deutschsprachigen Raum zu bleiben. Diese fallen in jeder Aktivität wie Biken, Tauchen, Gilden, Kraxeln, Pilzeln, Boarden, etc. ebenso als laut, unanständig, rüpelhaft und unerzogen auf. Warum sind die also ausgerechnet dort so, wo wir etwas wirklich gerne mit Freude machen und unsere Ruhe haben wollen? Ist der Gummihals etwa in uns allen?

  • Hans sagt:

    Cool, ich find’s ein toller Blog. Mir gefällt das Thema sowie Art und Stil wie Matthias Ryffel schreibt. Toll!

    Weiter so Matthias Ryffel!

    • Martin sagt:

      Danke Hans, dass das auch mal gesagt ist. Ein gelungener Beitrag, der ja – offensichtlich – rege Diskussion auslöst. So „trivial“ einfach kann das Thema also nicht sein :-).

  • Walpurga Müller-Schmidt sagt:

    Ich bin in Deutschland geboren, SAC Tourenleiter und kann nur eines sagen: Es gibt solche und solche. Auch Schweizer benehmen sich am Berg daneben, machen die gleichen dummen/asozialen Dinge wie Deutsche, Niederländer, Tschechen etc. Die Diskussion ist also ziemlich daneben.
    Eins noch: Das laute „STAND“ in Mehrseillängenrouten hier als „negativ“ bezeichnet wird halte ich für indiskutabel, denn bei Sicherheit ist klare Kommunikation ein Muss. Ein genuscheltes „Stand“ bringt niemandem was. Wer sich darüber beschwert hat nicht alle Latten am Zaun. Vielleicht müssen Anfänger 2mal rufen, na und?

    • Markus sagt:

      Am besten ist es überhaupt nicht zu rufen, da sowieso überflüssig. Man kann klare und einfache Zeichen abmachen wann der Stand erreicht ist ohne das man rum brüllen muss. Das sich auf wörtliche Kommunikation verlassen, ist das wahre Sicherheitsrisiko. Was ist wenn das mal nicht geht? In den Bergen gibts ja nie Wind und Wetter oder Distanzen die eine Kommunikation ohne hin verunmöglichen ?

      • Walpurga Müller-Schmidt sagt:

        Das mit den Zeichen über das Seil bedarf einer gewissen Erfahrung und auch ein eingespieltes Team als Seilschaft. Wenn sich Anfänger oder Leute die eben nicht eingespielt sind in entsprechend übersichtlichen Situationen verbal absichern, dann ist das zu akzeptieren. Auch von den Mega-Pros. Jeder fängt mal einfach an und diese Leute schaden niemandem.
        Auch die Anfänger werden das abstellen, sobald es mal windet oder sie nach 10+ Seillängen Stimmprobleme vom Geplärre kriegen. Ist aber alles besser, als das jemand unten ankommt, nur weil NICHT kommuniziert wird. Die Berge sind Gemeingut!

      • Christian sagt:

        Genau. Ich sage nur: „Seil ein, Seil aus!. Unnötig wie ein Kropf. Mich persönlich nervt das Geschreie beim Klettern und das kommt halt insbesondere bei den Deutschen vor.

    • captain kirk sagt:

      „Eins noch: Das laute “STAND” in Mehrseillängenrouten hier als “negativ” bezeichnet……“

      Vermutlich bezog sich dies auf meinen Text.
      Daher kurz: Ich schrieb explizit Einseillängen im Klettergarten. Dort hat Stand nichts verloren. Ich habe das früher auch falsch gemacht bis man mir erklärte wo genau das Problem liegt.

      Bei MSL ist es was anders. Dort macht man ja auch „Stand“ und die Kommunikation ist oft sehr schwer bis unmöglich. Da soll jeder rufen am Seil ziehen, das Funkgerät benützen, oder was es sonst noch so gibt.

  • Aschi sagt:

    Bergsteigen hat mit Leistung zu tun. Einmal wurde ich von einem Könner höhnisch beschimpft, weil ich an einem Haken in eine Schlinge stand, statt ein 5c frei zu klettern (in Bergschuhen). „Denkfreiheit besteht, aber am Denken fehlt es!“ (Polo Hofer). Vorurteile haben mit der „Identitätsfalle“ zu tun. Dieses Buch empfehle ich allen. Jeder Mensch hat diverse Indentitäten. @Peter: Ich kenne Südtiroler Bergführer mit denen Du jede Dolomitentour unter grösster Sorgfalt und Sicherheit unternehmen kannst. Es lohnt sich meist, befreundete, ortskundige Bergführer zu beauftragen, auch in den Alpen.

  • Yeti_lebt sagt:

    Dass auf die Menge der Deutschen auch mehr abfallen ist logisch. So zumindest erklärte mir das einmal ein Deutscher.
    Mein Favorit geht so: Man steht vor einem Boulderproblem in einem Gebiet mit gefühlten 1000 Blöcken. Kommen zwei Schwaben, schauen zuerst 30 Minuten zu, dann: ‚Ghut wii scheer se buldä tugeddä?‘
    So oder ähnlich nimmt man übrigens auch als Walliser die ‚Grüezini‘ wahr. Da gibt es einfach unglaublich viele Trottel. Solche Kraftmeier zB, die den ganzen Winter in der Kletterhalle verbringen und im Frühsommer das schönste Gebiet mit Ghettoblaster und Geschrei verpesten.

  • Boris G. sagt:

    Lieber Matthias
    Bin selber deutscher Herkunft und habe sehr viele positive Erfahrung gemacht in den Bergen. Es kommt (nicht nur in den Bergen) auf den Umgang und die Anpassungsfähigkeit an. Ich würde mich über oben beschriebenes Verhalten ebenso Nerven, unabhängig der Nationalität. Ob ein Bashing Pauschal gegen eine Menschengruppe (z.B. bzgl. „Rasse“ oder Nationalität) salonfähig sein soll (wie der Autor fragt) grenzt für mich an etwas, was auch vor 60 Jahren ähnlich erlebt haben.
    Matthias, ist die Frage ernst gemeint? „Du bist Deutscher ich „bashe“ dich in meinen Bergen?“ ???

  • Ernst Maler sagt:

    Woher kommt das Wort „Gummihals“ und warum nennt man in der Schweiz die Deutschen so? Kann das jemand erklären oder ist der Grund für diese Bezeichnung verlorengegangen? Abgesehen davon sehe ich die Deutschen so wie sie sind. Auch die Schweizer haben Fehler und alle anderen auch. Wer sich über Deutsche Offenheit aufregt, sollte sich genau fragen warum er sich gerade daran stört. Vielleicht wäre man manchmal auch gerne so?

    • Kugel sagt:

      Das Wort kommt aus der „Spitalszene“ – wo junge deutsche Assistenzärzte wegen Ihrer Obrigkeitshörigkeit vom einheimischen Pflegepersonal gerne mit Gummihals betitelt werden, da sie gegenüber ihrem Vorgesetzten (Oberarzt) ausschliesslich zustimmend kopfnicken und sich nicht getrauen, zu widersprechen. Aufgrund der steigenden Anzahl deutscher Oberärzte dürfte dieses Verhalten künftig auch beim Schweizer Medizinalnachwuchs zu beobachten sein… ;-)

      • Johnathan Wuk sagt:

        Soviel zum Thema „arrogante Deutsche, grossmäulig und laut“ :o) Wenn ein Vorurteil nicht passt, nimmt man halt das nächste… Wir machen es uns ein bisschen leicht, wenn wir wollen.

    • Stef sagt:

      Hallo Herr Maler, meines Wissens kommt die Bezeichnung aus den Spitälern, wo schon seit längerem (und Gott sei Dank!) viele Deutsche arbeiten. Offenbar waren die neuen Mitarbeiter aus Deutschland die flachen Hierarchien so nicht gewohnt und waren gegenüber Ärzten bzw. Oberärzten – aus Sicht der Schweizer – übertrieben devot. Aus dieser „Unterwerfungs“-Geste (gesenkter Blick, Nicken und ein „Ja, Herr Doktor“) haben die Schweizer Mitarbeiter dann etwas despektierlich den „Gummihals“ gemacht. So zumindest kenne ich die Geschichte von Freunden aus dem Gesundheitssektor…

    • Michel sagt:

      „Gummihals“ kommt daher, dass die Deutschen laut Stereotyp immer nicken, wenn der Chef was sagt. Machen Schweizer ja nicht…

    • hans sagt:

      meines wissens kommt gummihals wegen der autoritätsgläubigkeit. kaum macht ein chef das maul auf wir präventiv genickt um schon vorgängig seine zustimmung zu signalisieren. wendehals weil die fahne stehts nach der meinung des chefs gerichtet wird. ich stehe nicht auf klischees ,,aber,, es ist beängstigend wie oft es zutrifft.

    • Christoph Schnyder sagt:

      Bin ich eigentlich der einzige Schweizer, der sich nicht erinnern kann, das Wort „Gummihals“ vor der Publikation des Buches „Grüezi Gummihälse“ jemals gehört zu haben? Ich datiere dieses Wort geistig ungefähr ins Jahr 2009.

  • captain kirk sagt:

    Kein Mensch wird gerne in seinem Tun korrigiert. Nicht anders ist es beim Klettern. Viele reagieren daher auch sehr gereizt wenn man etwas sagt. Daher halte ich meist den Mund und sage nichts, ausser es besteht Akute Gefahr das bald jemand am Boden landet.
    Aber ganz allgemein gesagt, beim Sportklettern wird einfach viel zu viel rumgeschrien. Im Klettergarten mit Einseillängen hat das Wort „Stand“ nichts verloren! Stand bedeutet kannst mich aus der Sicherung nehmen und nicht ich bin oben.
    Das nervt einfach und spricht nicht gerade für das Kennen der Seilschaft.

  • Joachim Adamek sagt:

    Ich hab’ nix gegen Vorurteile. Den meisten Entscheidungen, die wir täglich fällen, liegen Vorurteile zugrunde. Natürlich gibt es auch diese hässlichen Stereotypen (“Gummihals”, “Wendehals”). Also, Vorurteile. die der Abgrenzung und der Aufwertung der eigenen Identität dienen. Auch unter Alpinsten. Die sollte man locker und ganz entspannt nehmen.
    Dass Bergführer zuweilen nervig sind, stimmt schon. Aber auch die Kunden können sehr nervig sein. Manchmal liegt’s einfach an der Chemie. Andererseits haben Bergführer eine gewisse Verantwortung, und wenn die permanent unterlaufen wird, ist das auch nicht so schön. Oder?

  • d p e sagt:

    ohja, kenn‘ ich sehr gut.

    eigentlich möcht ich nicht so fremdenfeindlich sein. aber… (abersätze sind ja in der Regel falsch)
    Aber wer war…
    … unfähig, auch unbewartete hütten schnell zu reservieren (an einem viel-geher-weekend)?
    … hat sich dann noch über die Preise lautstark genervt?
    … nicht bereit (mind. mündlich) die Gaskosten auch zu bezahlen?
    … fand‘ seinen Abfall könne man ja runterhelikoptern?
    … unfähig, in einer Selbstversorgerhütte sein Geschirr abzuwachen?
    … unfähig, Küchengas abzustellen?
    und anderes. Verschiedene Personen. Leider alle mit einem Merkmal.

  • Hotel Papa sagt:

    Das hat mit Bergen relativ wenig zu tun. Schweizer und Deutsche Mentalität sind ziemlich inkompatibel, auch und gerade weil wir uns so ähnlich sind.

    Bei uns ist Zurückhaltung eine Tugend, im Norden ist es üblich sich selbst herauszustellen. Kommt dazu, dass Du als Schweizer verbal immer aufs fremde Territorium must, weil klar ist, wessen Sprache der gemeinsame Nenner ist. Pack dazu, dass für viel Deutsche Dialekt ein Soziolekt ist, und du damit gleich noch einmal von oben herab angeschaut wirst.

    Zusammenleben geht, aber es ist nötig,dass man die Eigenheiten des Anderen kennt und versteht

    • Claus Lüllau sagt:

      Richtig, Hotel Papa (übrigens sehr mutig, mit dem korrekten Namen aufzutreten Herr Papa ;-)) – die Kulturen sind verschieden, und zwar innerhalb der Schweiz (oder würden Sie einen Berner mit einem Zürcher oder St Galler oder Schwyzer in einen „Topf schmeissen“?). Genauso ist es auch in Deutschland: ein Bayer ist anders als ein Hamburger, ein Hesse anders als ein Rheinländer, ein Berliner anders als ein Friese. Und Dialekte gibt es in Deutschland zuhauf: schonmal versucht, z.B. einen Kölner beim Kölschen Dialekt zuzuhören? Einem Hessen beim Babbeln?

    • Claus Lüllau sagt:

      und was die Eigenheiten anbelangt: das ist wie in einer Beziehung, Einseitigkeit hat noch niemandem geholfen, schonmal darüber nachgedacht? Achim ja, bin übrigens Deutscher mit Schweizer, spanischen, italienischen und deutschen Freunden. Einer der bleibt und sich auch noch wohlfühlt…uups……

  • Pumuckl sagt:

    Ungeachtet der Tatsache, dass eine mehr oder weniger grosse Gruppe nervtötender Deutscher in den Bergen ihrr Unwesen treibt,zeigt das Beispiel doch wieder einmal sehr schön, wie selbstverständlich der Rassismus gegenüber Deutschen in der schweizer Gesellschaft schon ist. Eine einzelne Person wird zum Massstab für ein ganzes Land genommen. Und bevor Sie Herr Ryffel oder sonst jemand jetzt rechtfertigend auf meine Aussage reagiert, machen Sie bitte einen kleinen Test. Ersetzen Sie im obigen Text „deutsch“ durch „jüdisch“. Hätten Sie den Text dann auch noch veröffentlicht, bzw veröffentl können?

    • Hugo Knüsel sagt:

      „Rassimus“? Ich versuche gerade mir bildhaft vorzustellen, wie ein blonder blauäugiger Schweizer einen genauso blonden blauäugigen Deutschen „rassistisch“ beleidigt. Was Sie meinen nennt sich Fremdenfeindlichkeit. Ausser natürlich Sie sind in der Tat der hoffnungslos irrigen Meinung Deutsche seien wirklich eine „Rasse“ (was immer das sein mag), in welchem Fall Ihnen wirklich nicht mehr geholfen werden kann und sich jede weitere Diskussion sowieso erübrigt.

  • Claudia Lang sagt:

    Es gibt keine „latente Fremdenfeindlichkeit unter Alpinisten“, sondern unter Schweizern. Warum sollte das am Berg anders sein als auf der Zürcher Bahnhofsstrasse?

    • Jürg sagt:

      Sie verurteilen eine Pauschalisierung mit einer Pauschalisierung? Vielleicht würde ein Grundkurs Philosophie nicht schaden.

  • Peter sagt:

    Bin sowohl mit Schweizer Bergführern (insb. VSer) unterwegs, wie auch mit Deutschen. Mit allen hat es Spass gemacht und alle waren versiert. Mir ist jedoch aufgefallen, dass die Deutschen Bergführer generell mehr Zwischensicherungen legen und wir dadurch einiges langsamer unterwegs sind. Der flotte und „sehr erfahrene“ Südtiroler hat hingegen kaum gesichert – auch nicht an bestehenden Haken am Weisshorn. Der unfreundlichste Bergführer bis dato ist ein Zermatterbergführer…

    Und ja, es hat immer mehr Gummihälse am Berg: auf Hochtouren und auch auf Wanderungen.

  • Sammy Stierli sagt:

    Klassischer Fall von „Ich hab ja nix gegen die Ausländer, ABER…“

  • Horst-Detlef Krause sagt:

    Das ist doch mal was Neues – ganz reflektiert tun und das Deutschen-Bashing ins eigene Problembewusstsein integrieren. Das wirkt doch gleich viel sympathischer (aber Deutschen-Bashing bleibt es gleichwohl).

    • Thomas Maier sagt:

      Es ist nicht neu, es ist nicht einfallsreich und es ist nicht witzig. Es ist primitiv. Wenn ein Bergsteiger hier nichts anderes als billige Deutschenfeindlichkeit zu posten hat, tut er mir echt leid.
      Dass der Tagi solche Artikel noch wohlmeinend unterstützt, ist ja nichts Neues.
      Ihr Schweizer tut mir wirklich leid mit Euren unbehandelten Minderwertigkeitskomplexen. Versucht doch einfach mal locker zu sein – die Deutschen helfen Euch dabei – ist ganz einfach, wirklich….

      • Jürg sagt:

        Auf undifferenzierte Vorurteile mit primitiven Stereotypen zu antworten zeugt aber auch nicht gerade von Grösse, Herr Maier, geschweige denn von Selbstsicherheit. Weshalb können eigentlich die, welche sich im Prinzip zu Recht aufregen, immer nur auf dem gleichen Niveau antworten, auf dem sie angegriffen wurden? Ist es so schwer zu begreifen, dass Sie genau die niederen Emotionen bedienen, die Sie nicht erleben möchten? Mon dieu…

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