Der Tourismus kommt unter die Räder

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«Zu allererst muss man von der Vorstellung abkommen, dass Mountainbiker alle jung, wild und arm sind.» Das sagt Rob McSkimming, der Manager des kanadischen Ski- und Bike-Resorts Whistler Blackcomb. Die Kanadier setzen bereits seit den 80er-Jahren auf die Zielgruppe der Mountainbiker, um nicht alleine vom Wintergeschäft abhängig zu sein. Mit dieser Strategie ist Whistler äusserst erfolgreich. Es gehen sogar die Gerüchte, das Sommergeschäft habe im vergangenen Jahr erstmals das Wintergeschäft überflügelt. Das wäre  geradezu revolutionär.

Dass man mit Mountainbikern Geld verdienen kann, hat sich mittlerweile auch in der Schweiz herumgesprochen. Der Kanton Graubünden übernimmt hier Vorreiterrolle und unterstützt seine Destinationen schon seit längerem in der Entwicklung entsprechender Angebote. Scuol und Savognin waren die Pionierdestinationen, heute geben die potenten Tourismusorte Davos, Lenzerheide, St. Moritz und Flims/Laax mit immer neuen Angeboten den Takt an – sie sind auf die Bedürfnisse von uns Mountainbikern zugeschnitten. Zudem gibt es klare und bikefreundliche Gesetzgebung: Ohne explizites Verbot darf jeder Trail im Kanton mit Mountainbikes befahren werden. In Graubünden werden die Trails geteilt – und das mehrheitlich ohne Probleme. Deshalb erstaunt es wenig, dass der erste Tourismuskongress der Schweiz mit dem Themenschwerpunkt Mountainbike in Graubünden stattfindet.

Am 19. und 20. September treffen sich am Ride Mountainbike-Kongress in Chur Touristiker, Mountainbike-Experten, Vertreter öffentlicher Institutionen und Verbände und tauschen sich über aktuelle Chancen und Herausforderungen des Mountainbike-Tourismus aus. Themenschwerpunkte sind: Transport & Mobilität; Mountainbiken als Markt; Sicherheit & Recht. Zu den Referenten gehören beispielsweise Shane Wilson, ein Trail-Spezialist aus den USA, der Mountainbike-Profi René Wildhaber oder Maurizio Seletti, der Direktor von Livigno Tourismus und Gewinner des Awards «Best European Resort».

Wenn über 150 Parteien zum Thema Mountainbike-Tourismus debattieren, stellt sich die Frage, wo die umworbene Zielgruppe den grössten Handlungsbedarf sieht. Ist es eine klare und praxisnahe gesetzliche Grundlage, wie sie der Kanton Graubünden bereits kennt? Sind es eigens für Mountainbiker gebaute Trails und Abfahrtspisten? Oder sind es die touristischen Angebote die laufend angepasst und erweitert werden sollten?

Diskutieren Sie mit:
Wo sehen Sie den grössten Handlungsbedarf bei den touristischen Angeboten für Mountainbiker?
Gibt es Angebote, die Sie als beispielhaft beurteilen?
Welche Diskussions-Themen würden Sie den  Teilnehmern des Kongresses in Chur ans Herz legen?

 

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20 Kommentare zu «Der Tourismus kommt unter die Räder»

  • sandro.webersberger@gmail.com sagt:

    Lustig, dass jetzt die Graubündner Ferienorte als Vorreiter dargestellt werden. Diese Orte springen einfach im allerletzten Moment noch auf den Zug auf. Im Vallis und in Frankreich wird schon seit Jahren viel mehr für das Mountainbiken getan.Beispeil Portes du Solleil! Diese Destination ist den Graubündner um ein ganzes Jahrzehnt voraus. Die Entwicklung ist aber zu begrüssen und man fragt sich, ob wohl auch noch ein Ferienort in der Zentralschweiz die Goldgrube Mountainbike rechtzeitig endeckt oder ob Orte wie Engelberg oder Meiringen auch diesen wie jeden anderen Trend verschlafen werden?

  • tom sagt:

    Ich sags euch: Im Kanton Bern tut sich langsam aber sicher was:) Steter Tropfen höhlt den Stein! Auf jeden Fall ist im Ride Magazin grad 3 mal was drin. Pumptrack in Matten, Freeridestrecken in Kandersteg und in Lauterbrunnen. Teilweise schon im Bau oder kurz davor! Wir geben alles, damit das Berner Oberland bikerfreundlicher wird! Und es wird, da bin ich mir sicher!

  • Bergvelofahrer sagt:

    Darum fliegen wie Morgen nach Whistler und geben unser Geld dort aus, die schweizer Berggebiete haben wirklich noch einigen Nachholbedarf. Ausnahmen bestätigen die Regel: Graubünden und Portes du Soleil machen einen super Job.
    Und es ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn einige Regionen (Bern, St. Gallen) sich gegen Biker aussprechen; dann bitte aber konsequent und nicht Werbung fürs mountainbiken machen, wenn man Velofahrer als Gäste will.

  • Velo Fahrer sagt:

    Ich hoffe, dass sich die SBB auch an dem Kongress blicken lässt und sich danach das VELO/ ZUG Angebot überdenkt.

    • biker sagt:

      Die SBB könnte von der RhB einiges lernen. Die hat wirklich ein tolles Transportangebot – und reservieren muss man auch nicht…

    • Roland K. Moser sagt:

      Die SBB haben das Wissen gar nicht mehr, wie man Velos in einen Zug einlädt.

      Ich mache es also so: Rennvelo oder MTB in den Passat und dann ab irgendwohin. Dort ausladen, ein paar Stunden fahren und dann zurück in den Passat und wieder nach Hause.

      Früher konnte man morgens um ca 5.30 mit dem Velo in den Zug steigen, war um ca. 8.00 in Airolo und konnte danach nach Hause fahren.

      Der Sozialist Moritz Leuenberger hat den Velotransport abgeschafft, vermutlich weil es nicht internationaler Standard ist – Also sind alle SP-Wähler mitschuldig.

  • Flowbikers sagt:

    Erstaunlich wie lange es in der Schweiz nun schon dauert, um endlich diesen richtigen Schritt der Planung zu wagen. Wenn ich denke wie „Porte du Soleil“ seine Winteranlagen ausnutzt und tolle Anlagen für alle Biker ob Schnell, Gross oder Klein zur Verfügung stellt, hoffe ich sehr, dass die Schweizer (in ihrem Perfektionismus) nicht gleich wieder alles mit Gesetzen und verboten „zutexten“.

  • Peter Steiner sagt:

    Umweltbewusstsein. Es wäre schön, wenn die Velofahrer auch ihre Hinterlassenschaften wieder zusammenlesen würden oder gar nicht erst in die Natur wegwerfen. Die kürzliche Wanderung nach dem Bike-Marathon im Unterengadin und entlang weggeworfenen Gel-Beuteln u.v.a.m. war diesbezüglich nicht sehr erspriesslich. Ich weiss wirklich nicht, was Beteiligte und Organisatoren sich hierbei denken: Wollen Sie die Natur absichtlich zumüllen?

    • Bergvelofahrer sagt:

      Glücklicherweise sind nicht alle Biker Wettkampfsportler …

    • Mundi sagt:

      Das nervt mich auch ständig. Allerdings legen nicht nur die Biker ein solches Verhalten an den Tag. Auch Trailrunner, welche ja nichts anderes sind, als die wettkampfmässige Form der Wanderer, schmeissen ihre Gels nach der Einnahme einfach weg.
      Hier wären die Veranstalter gefordert. Meistens ist das Wegwerfen von Abfall im Wettkampfreglement verboten, allerdings müsste dieses Verbot auch durchgesetzt werden.
      Wer in einem Wettkampf seinen Abfall ausserhalb der gekennzeichneten Zone wegschmeisst, gehört disqualifiziert.

    • Rainer Schmuck sagt:

      Das hat doch wenig mit dem Mountainbiken zu tun von dem hier die Rede ist. Nach einem „zu-Fuss“ Marathon sieht die Strecke auch nicht besser aus!

  • Capricorn sagt:

    Das leidige Thema Wanderer / Biker entlich nachhaltig lösen… Wanderwege für Wanderer / Biktrails für Biker
    Ganz klare Signalisation was für Biker Verboten und was erlaubt ist…. und den Mut haben dies Konsequenz durchzusetzen.
    Der Gesetzgeber hat dafür klare Vorstellungen.

    • Peter E. sagt:

      Wie Sie lesen können geht die erprobte und erfolgreiche Lösung genau in die andere Richtung: Die Nutzung auf natürliche Weise mit lokalisierten Angeboten lenken (z.B. beschrifteten Routen, gesonderten „Abfahrtstrecken“ etc.) und darüber hinaus allen Beteiligten klar machen, dass grundsätzlich keiner ein Vorrecht auf ‚die Natur‘ hat. Das Ergebnis sind (überwiegend) rücksichtsvolle Biker und (überwiegend) unaufgeregte und rücksichtsvolle Wanderer. Alle sind nämlich aus dem gleichen Grund da.

  • Ott sagt:

    Eine sehr gute Sache, bei guter Umsetzung gibt es praktisch nur Gewinner! Die Berggebiete können ihre Anlagen auch im Sommer auslasten und wenn es richtig umgesetzt wird, bleibt die Belastung für die Natur in engen Grenzen und Wanderer und Biker kommen gut miteinander klar.

    Zum letzten Punkt ist wirklich eine klare gesetzliche Regelung à la GR sehr begrüssenswert in den Tourismuskantonen.

    Aber in erster Linie braucht es natürlich ein gutes Trail- und Abfahrtsnetz, welches für alle Konditions- und Könnensstufen etwas enthalten sollte.

    • Dario Anselmetti sagt:

      … warum Bahnen auslasten? Zuerst fährt man ja mit dem MTB erst einmal auf den Berg – um nachher auch die Schussfahrt zu geniessen. Machen wir doch nicht die gleichen Fehler wie im Wintertourismus – alles mit Liften zubauen und auf jede Alp eine Rundumbeschallung!

  • Jason Stone sagt:

    Ich bin selber begeisterte mountainbike fahrer und Vater von 2 Söhne (9 und 6). Persönlich finde die möglichkeiten wirklich super – für erwachsene. Was fehlt sind trails und parks für Kinder die so was wie Papi fahren wollen aber noch kein vollgefederte mountainbike oder scheibenbremsen haben. Wäre noch interessanter wenn mehrer Familien angebote zu verfugung steht die nicht auf langweilige, einfache, flache strecken basiert sind sondern mehr trail orientiert für kleinen die auch mountainbike fahren möchten.

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