Best of Outdoor: Wenn Rennen Kopfweh macht

Liebe Leserinnen und Leser, in den Sommerferien erlauben wir uns einen Blick zurück und präsentieren Ihnen einige unserer Highlights aus dem vergangenen Jahr. Viel Vergnügen! Die Redaktion.

Der letzte Beitrag ist von Pia Wertheimer, Erstpublikation: 3. September 2012.

Teilnehmerin des Dublin-Marathons 2008. (Flickr/infomatique)

Sport kann Kopfschmerzen verursachen: Teilnehmerin des Dublin-Marathons 2008. (Flickr/infomatique)

Es ist dunkel, das Wetter garstig. Auf dem Programm steht ein intensives Intervalltraining. Der Kampf gegen meinen inneren Schweinehund dauert die ganze Fahrt von der Redaktion nach Hause – endgültig niedergerungen habe ich ihn aber erst, als ich meine Laufschuhe schnüre. Ich reihe ein Intervall ans nächste, ziehe frische Luft in meine Lungen, setze die aufgestaute Energie frei – eine kräftezehrende Wohltat. Die Intervalle hinterlassen nicht nur in meiner sportlichen Leistung ihre Spuren. Der Lohn dieser anstrengenden Trainingseinheiten ist eine tiefe Zufriedenheit und eine innere Balance. Das ist aber nicht immer so. Die anstrengenden Einheiten fordern immer wieder einen qualvollen Tribut: hämmernde Kopfschmerzen.

Walter O. Frey ist ärztlicher Leiter des Swiss Olympic Medical Center balgrist move>med der Universitätsklinik Balgrist. Zu seinen Patienten zählen Ausdauersportler, Skifahrer, Eisläufer sowie Unihockeyspieler. Er kennt dieses Phänomen und weiss: «Die Schmerzen treten nicht nur bei Läufern auf und werden meist von verschiedenen Faktoren ausgelöst.» Will man den Ursachen auf den Grund gehen, verordnet der Arzt als erstes eine kurze Ahnenforschung. «Kommen Migränen oder Kopfschmerzen in der Familie häufig vor, liegt der Schluss nahe, dass es sich um eine genetische Veranlagung handelt.»

Die sportliche Anstrengung fungiere in diesen Fällen als Trigger für diese Schmerzen. «Dagegen hilft weder gründliches Aufwärmen, viel trinken noch eine gewissenhafte Vorbereitung.» Um den Schmerzen keine Chance zu geben, könne ein Sportler aber seinem Körper optimale Rahmenbedingungen schaffen. «Und dazu gehört beispielsweise, dafür zu sorgen, dass der Wasserhaushalt stimmt.»

Hat die Ahnenforschung indes keine vererbten Kopfschmerzen an den Tag gefördert, wurzeln die Qualen nach intensiven Trainingseinheiten oder Wettkämpfen oft in der Durchblutung des Gehirns. Als Ursache dafür kommen Flüssigkeitsmangel, zu hoher Blutdruck, Training in höheren Lagen und starke Sonnenbestrahlung in Frage. Als weiteren Grund für die Kopfschmerzen nennt Frey den veränderten Atemrhythmus. «Ein Mensch atmet bei sportlicher Ertüchtigung nicht etwa schneller, weil es ihm an Sauerstoff mangelt. Er wird durch die Atemluft die Säure los, welche seine Muskeln bei der Anstrengung freisetzen.»

Atmet der Läufer zu stark, sinkt die Säure zu tief. Dies kann dies zu Krämpfen in den Blutgefässen im Hirn führen – zu Kopfschmerzen also. «Und wie gegen einen Wadenkrampf, kann auch in diesem Fall Magnesium helfen.» Freys Erfahrungen haben gezeigt, dass oft eine Verbindung dieser verschiedenen Ursachen die leistungsbedingten Kopfschmerzen auslösen, sie begünstigen einander. «Es gilt darum, mit einfachen Mitteln wie einem Sonnenschutz, genügend Flüssigkeit oder gründliches Aufwärmen das Risiko der einzelnen Faktoren zu mindern.»

Der Sportmediziner warnt aber grundsätzlich davor, Kopfschmerzen auf die leichte Schulter zu nehmen. «Egal, wodurch sie verursacht werden, sie sind ein Alarmsignal des Körpers und müssen ernst genommen werden.» Läufern, die immer wieder darunter leiden, empfiehlt er deshalb diese abklären zu lassen. Es gebe Menschen, die erst durch diese Kopfschmerzen in Erfahrung bringen, dass sie unter Bluthochdruck litten. «Immerhin – denn sonst bleibt dies ein stiller Feind und damit eine latente Gefahr.» Zwar sei es durchaus möglich, einen Marathon mit zu hohem Blutdruck zu beenden. «Nur ist dann mit der Laufleidenschaft vielleicht nicht erst im hohen Alter Schluss. Denn ein Hirnschlag kann den Sportler jederzeit auf die Ersatzbank verbannen.»

Meine Ahnenforschung sowie meine eigenen Erfahrungen haben zu einem eindeutigen Resultat geführt: Die Schmerzen schlummern in meinen Genen und machen sich glücklicherweise nur selten bemerkbar. Ich weiss nun aber, wie ich meinem Körper Schützenhilfe leisten kann. Dies zu unterlassen wäre fahrlässig, denn mein Sport macht mich für meine Umwelt erst erträglich.

Dr. Walter O. Frey ist ärztlicher Leiter des Swiss Olympic Medical Center balgrist move>med der Universitätsklinik Balgrist. Er war Olympia-Arzt in Nagano, Sidney, Salt Lake City, Torino und Vancouver und ist Verbandsarzt der Verbände Swiss Ski, Swiss Skating, Swiss Unihockey und Swiss Sliding.

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